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Ein Mann mit Schirmmütze lehnt mit geschlossenen Augen entspannt an einem Baum.

„Der Wald wirkt.“

Wie Stefan Alberts psychisch Kranken hilft

Stefan Alberts bietet in der LWL-Klinik in Hemer eine außergewöhnliche Therapie an: das Waldbaden. Als Fachkrankenpfleger und Wildnispädagoge bringt er dafür genau die richtigen Kompetenzen mit. Teilnehmer:innen sind psychisch kranke Menschen, die in der Klinik stationär behandelt werden. Viele von ihnen leiden unter schweren Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen.

Der Wildnispädagoge führt eine Gruppe in den Wald.

Lebensraum

Mit achtsamen Schritten führt Stefan Alberts eine kleine Gruppe durch einen Buchenwald. Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln den Boden, an den Ästen zeigen sich bereits kleine Knospen. Stefan Alberts ist von der Wirkung des Waldes überzeugt. „Ich denke, das ist unser Lebensraum“, sagt er. 

Der Wildnispädagoge macht ein Feuer im Waldlager.

Waldlager

In unmittelbarer Nähe der Klinik hat Alberts gemeinsam mit den Patient:innen ein kleines Waldlager angelegt - mit zwei Holzhütten, einer Feuerstelle und einem weiten Blick über eine Streuobstwiese.

„Hier hacken wir Holz, schnitzen oder bauen neue Sachen für das Lager“, sagt er. Zurzeit wird an einem Pizzaofen gearbeitet. 

Eine Frau geht mit verbundenen Augen durch den Wald.

Grübelpause

Mit den Patient:innen unternimmt Stefan Alberts Spaziergänge durch den Buchenwald und lässt sie dort Achtsamkeitsübungen ausprobieren. Beispielsweise werden sie mit verbunden Augen um die Bäume herumgeführt. Dadurch wird das Vertrauen in andere gestärkt und die Konzentration auf die Gegenwart gelenkt. „Im Wald haben die Leute eine Grübelpause“, sagt Alberts. 

Ein Axt lehnt an einem Holzhaufen im Wald.

Jahreszeiten

Sein Programm passt er regelmäßig an die Jahreszeiten an: Im Winter wird Holz gespalten und Feuer gemacht; im Frühling sammeln die Patient:innen Fichtenspitzenhonig, im Sommer gehen sie barfuß durch den Wald, im Herbst sammeln sie gemeinsam Pilze. 

Der Wildnispädagoge sitzt am Waldhäuschen und schnitzt.

Nur im Wald

„Wir sind Lebewesen, die eigentlich in der Natur leben sollten. Der Wald vermittelt uns Freiheit und Frieden. Diese Grundstimmung, die kann man in geschlossenen Räumen nicht erreichen. Die gibt’s nur im Wald“, sagt Stefan Alberts.

Therapie in Wald und Natur beim LWL

Wandern und Waldbaden

in der LWL-Klinik Hemer

Der Wald als Therapieort hat positive Wirkungen auf Patientinnen und Patienten. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen.

Die LWL-Klinik Hemer hat sich deshalb die Vorteile ihrer grünen Umgebung zunutze gemacht und bietet unter anderem das sogenannte Waldbaden an. Diese Therapieform hat nichts mit Baden im Wald zu tun. Waldbaden bedeutet vielmehr, dass man Achtsamkeitstraining in der Natur mit Bewegung verbindet. 

Umgeben von Wiesen und Wäldern ist die LWL-Klinik Hemer der ideale Ort für diese Therapieform, die Stress reduziert und dabei das Immunsystem und Wohlbefinden verbessert.

Waldbaden

im LWL-Klinikum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Haardklinik

Waldpädagogik nutzt die Natur, insbesondere den Wald, als therapeutischen Raum. In diesem Kontext geht es nicht nur um das Lernen über die Natur, sondern vor allem um das Erleben der Natur als Ort der Ruhe, Selbstreflexion und persönlichen Entfaltung. In einer sicheren und geschützten Umgebung im Wald haben die Jugendlichen die Möglichkeit, sich von den belastenden Anforderungen des Alltags zu distanzieren und in einer achtsamen Weise mit sich selbst und der Natur in Kontakt zu treten.

Durch gezielte Aktivitäten wie Waldwanderungen, Naturbeobachtungen, Teamübungen und kreative Arbeiten mit Naturmaterialien werden die Jugendlichen eingeladen, ihre Wahrnehmung zu schärfen, ihre Gefühle auszudrücken und neue Perspektiven auf ihre Herausforderungen zu entwickeln. Die Waldpädagogik fördert nicht nur die Achtsamkeit, sondern auch das soziale Miteinander und die Problemlösungsfähigkeiten.

Shinrin Yoku (Waldbaden)

im LWL-Universitätsklinikum Bochum

Beim LWL-Universitätsklinikum Bochum wird Shinrin Yoku („Waldbaden“) vor allem im Bereich der Persönlichkeits-/Borderline-Störungen eingesetzt.

Waldpädagogik-Workshop

der LWL-Kliniken Warstein, Lippstadt und Marsberg

Beim gemeinsamen Pflegetag der Kliniken, Warstein, Lippstadt und Marsberg (WaLiMa) verdeutlichte der Workshop "Wald lebt – Wald bewegt – Einblicke in die Waldpädagogik als pflegerische Gruppe in der Psychiatrie", dass das Erleben von Selbstwirksamkeit ein Schlüssel für Patient:innen sein kann, um Hindernisse zu überwinden. Wer im Wald kleine Herausforderungen und Abenteuer meistert, kann auch große Themen wie Einsamkeit bewältigen.