15.10.26 | Kultur Ausgrabung in Sprockhövel
Archäologie-Team sucht nach den Anfängen des Steinkohlebergbaus
Ein idyllischer Wald bei Haßlinghausen birgt zahlreiche Bodendenkmäler, die von den Anfängen der Steinkohlegewinnung zeugen: Stollen, Schächte und Halden sind hier bis heute im Gelände erhalten. Die archäologischen Untersuchungen machen eine Entwicklung sichtbar, die für die Geschichte des Ruhrgebiets von grundlegender Bedeutung ist.
"In diesem Areal können wir sehr gut nachvollziehen, wie sich der Bergbau von einfachen Schächten und Gruben zum komplexen Stollenbau entwickelt hat", erklärt Dr. Manuel Zeiler von der LWL-Archäologie für Westfalen. "Mit archäologischen Methoden rekonstruieren wir die Anfänge des Bergbaus im Ruhrgebiet."
Bereits 2025 untersuchte das Forschungsteam einen der ältesten erhaltenen Stollen im Ruhrgebiet. Nun haben die Fachleute die Spurensuche in unmittelbarer Nähe fortgesetzt. In der kurzen Forschungskampagne 2026 legten die Forschenden Ausgrabungsschnitte an den Öffnungen zweier Schächte an und bohrten in den Haldenkörpern.
Die Grabungen liefern dabei neue Einblicke in die Arbeitsweise der frühen Bergleute. "Die Ausgrabungen zeigen uns, wie die Bergleute die Schächte angelegt haben, wie groß der Bauaufwand war. Und sie liefern uns Material, das wir nach der Ausgrabung naturwissenschaftlich datieren können", erläutert Dr. Jennifer Garner vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum. "Dabei ist überregional bedeutend, dass wir hier in diesem Kleinrevier erstmals die Anfänge des Stollenbaus im Ruhrgebiet vor dem 18. Jahrhundert nachweisen können."
Mit zwei Ausgrabungsschnitten haben die Forschenden Erkenntnisse zu einem bislang unbekannten Stollen gewonnen, der mindestens 130 Meter lang ist. "Wir können hier sehr gut zeigen, dass die Bergleute viele Bauschächte anlegten. Unten angekommen trieben sie gleichzeitig mehrere Einzelabschnitte des Stollens voran, die sie dann miteinander verbanden", so Dr. Till Kasielke vom GeoPark Ruhrgebiet.
In den Plana und Profilen der Grabungsschnitte, also in den Böden und Wänden, sind die verfüllten Schächte gut erkennbar. "Bedeutend ist dabei," so Kasielke weiter, "dass wir nicht nur die Schächte archäologisch fassen, sondern sogar die Lage des Stollens erkennen können, ob-wohl dieser Stollen tief im Untergrund liegt."
Denn der Stollen brach nach seiner Nutzung zusammen und ließ eine Senkungszone zurück, die die Forschenden wiederfanden. So lässt sich anhand der Grabungsergebnisse rekonstruieren, dass die Bauschächte neben den Stollen angelegt worden waren und dass sie - nachdem der Stollen fertig war - wieder verfüllt wurden. Der Aufwand zur Errichtung des Stollens war damit hoch und erforderte großen Personaleinsatz.
LWL-Archäologe Zeiler: "Die Ausgrabungen in Sprockhövel-Haßlinghausen eröffnen einen besonderen Blick auf die Frühgeschichte des Ruhrbergbaus - lange bevor Kohleförderung und Industrialisierung die Region nachhaltig veränderten."
Achtung Redaktionen:
Zur Ihrer Information haben wir Ihnen zwei kleine Videos unter https://cloud.lwl.org/s/XH43MjPcbSsYY8f zur Verfügung gestellt.
Die an der Oberfläche gut erkennbare Struktur einer sogenannten Pinge wird mit dem Bagger geschnitten. Foto: Deutsches Bergbau-Museum Bochum/Jennifer Garner
Nachdem der Baggerschnitt angelegt worden war, legten Archäolog:innen die Wände (Profile) und den Boden (Planum) des Ausgrabungsschnittes frei. Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/Manuel Zeiler
Im Planum dieses Ausgrabungsschnittes ist sehr gut die runde Eingrabung des Bauschachtes zu erkennen. Durch ihn gelangten die Bergleute in die Tiefe und trieben dort den Stollen vor. Nach dessen Fertigstellung wurde dieser Schacht wieder verfüllt. Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/Manuel Zeiler
Pressekontakt
Frank Tafertshofer, Tel.: 0251 591-235 und Sandra Görtz, Tel.: 0251 591-8946
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
Zu allen Pressemitteilungen des LWL Zu allen Pressemitteilungen dieser LWL-Einrichtung