08.10.26 | Kultur LWL-Wanderausstellung "Alltagswelten. Von Menschen und Dingen" startet in Minden
Öllampe der Hebamme Karoline Leineweber (1830-1913), ca. 1885. Leihgabe: Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund.
Foto: Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund/Joana Maibach
Die Ausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen präsentiert 23 Biografien von Frauen und Männern aus der Breite der Bevölkerung und setzt diese in Bezug zu Dingen, die von ihnen in Museen überliefert sind. Es geht um sogenannte "Kleine Leute", die von ihrer Hände Arbeit oder anderen persönlichen Talenten lebten. Ihre Biografien zeugen vom Lebenskampf, aber auch von Heiterkeit, Lebensfreude und Erfolg - und nicht selten vom Stolz auf ihre Lebensleistung. In Museen ist von diesen Menschen nicht viel überliefert. Einige Spuren lassen sich jedoch finden: Dinge aus der Arbeitswelt, Kleidungsstücke, Hausrat, Musikinstrumente und Dokumente, auch kreative Arbeiten. "Die Ausstellung möchte den Menschen und Dingen Raum und Präsenz geben", so Kuratorin Dr. Kirsten Bernhardt. "Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, mit den Geschichten zu den Menschen und Dingen in Alltagswelten des 19. und 20. Jahrhunderts einzutauchen."
Elf westfälische Museen stellen für die Ausstellung Leihgaben zur Verfügung. Zu sehen ist etwa eine kleine Öllampe, die Karoline Leineweber (1830-1913) aus Dortmund-Kirchhörde gehörte. Die fünffache Mutter praktizierte etwa seit den 1860er Jahren als freiberufliche Hebamme im Südosten der Stadt. Für nächtliche Wege und als Lichtquelle bei der Arbeit nutzte sie die Öllampe aus Messing, auf deren Vorderseite ihr Name steht. 1985 übergab ihre Enkelin das Erbstück dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund.
Weitere Beispiele aus der Ausstellung sind: Ein Schlüsselbund und eine Ausschellglocke, die Friedrich Werbinsky (1822-1905) für seine Tätigkeiten als Nachtwächter und Ausrufer in Unna nutzte; ein Stickbild aus der Frühzeit der Sozialdemokratie, das im Haus des Bahnarbeiters Heinrich Kroos (1853-1934) im lippischen Lage hing; eine Fotografie der Marktfrau Elisabeth Becker (1858-1932) aus dem Sauerland; eine Kappe der Heuerlingsfrau Theresia Altemeier (1882-1980) aus dem Delbrücker Land; das Gesindebuch der Dienstmagd Emma Weiß (1891-1975) aus Dortmund; ein Koffer des lippischen Wanderzieglers Fritz Hofmeister (1910-1995); Musikinstrumente des von Sardinien stammenden Gelsenkirchener Bergmanns Antonio Usai (1928-1994) sowie ein zweisprachiges Warnschild von der Henrichshütte in Hattingen, das auf den Hüttenarbeiter und Betriebsrat Nuri DerviÅYoÄYlu (1938-2021) zurück geht.
Hintergrund
2024 veröffentlichte das LWL-Museumsamt den Band "Kleine Leute in Westfalen. Leben in bescheidenen Verhältnissen". Er bietet eine 300 Jahre umfassende Zeitreise in die Alltagswelt in Westfalen-Lippe. Am Beispiel der Biografien von 72 Menschen wird das Leben in bescheidenen Verhältnissen vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart vorgestellt. Die Biografien sind mit Museumsobjekten verknüpft und zeigen, welche Spuren Menschen aus der breiten Bevölkerung in den Museumssammlungen hinterlassen haben. Die Wanderausstellung "Alltagswelten" stellt beispielhaft einige der porträtierten Menschen und Dinge aus ihrem Leben vor.
Alltagswelten. Von Menschen und Dingen
Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen
Eröffnung
10. Oktober, 16.30 Uhr
Mindener Museum
Ritterstraße 23-33, 32423 Minden
Zur Eröffnung wird Ludger Samson, 2. stellvertretender Vorsitzender der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe, ein Grußwort sprechen.
Stationen
10.10.2026 - 06.12.2026 Mindener Museum
13.12.2026 - 14.02.2027 Südsauerlandmuseum, Attendorn
21.02.2027 - 18.04.2027 Museum der Stadt Lünen
23.04.2027 - 20.06.2027 Sauerland-Museum, Arnsberg
27.06.2027 - 22.08.2027 Kreismuseum Wewelsburg, Büren
29.08.2027 - 24.10.2027 Tabak- und Zigarrenmuseum Bünde
28.10.2027 - 09.01.2028 Emschertal-Museum der Stadt Herne
16.01.2028 - 12.03.2028 Baumberger Sandstein Museum, Havixbeck
17.03.2028 - 14.05.2028 kult Westmünsterland, Vreden
Von Nachtwächter und Ausrufer Friedrich Werbinsky (1822-1905) genutzte Ausschellglocke, um 1891. Leihgabe: Hellweg-Museum Unna.
Foto: Hellweg-Museum Unna
Stickbild aus dem Haus des Bahnarbeiters Heinrich Kroos (1853-1934), um 1900. Leihgabe: LWL-Museum Hellerlecht, Detmold.
Foto: LWL
Historische Fotografie der Marktfrau Elisabeth Becker (1858-1932), etwa 1920er Jahre. Leihgabe: Sauerland-Museum des HSK, Arnsberg.
Foto: Sauerland-Museum des HSK, Arnsberg
Schwarze Kappe der Heuerlingsfrau Theresia Altemeier (1882-1980), um 1905. Leihgabe: LWL-Museum Hellerlecht, Detmold.
Foto: LWL
Gesindebuch der Dienstmagd Emma Weiß (1891-1975), 1905. Leihgabe: LWL-Museum Hellerlecht, Detmold.
Foto: LWL
Reisekoffer des lippischen Wanderzieglers Fritz Hofmeister (1910-1995), um 1925. Leihgabe: LWL-Museum für Industriekultur, Dortmund.
Foto: LWL/Julia Gehrmann
Pressekontakt
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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