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30.09.26 | Der LWL Der LWL verleiht seinen Karl-Zuhorn-Preis an Dr. Markus Lauert aus Paderborn sowie an Gisela Möllenhoff aus Münster und Rita Schlautmann-Overmeyer aus Ibbenbüren

Der Preisträger des Karl-Zuhorn-Preises in der Kategorie Nachwuchsförderung Dr. Markus Lauert (3.v.l.) mit Dr. Christian Schulze Pellengahr (v.l./Vorsitzender des LWL-Kulturausschusses), Anneli Hegerfeld-Reckert (Präsidium LWL-Landschaftsversammlung), Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (LWL-Kulturdezernentin), Eva Irrgang (Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung), Ludger Samson (Präsidium LWL-Landschaftsversammlung).<br>Foto: LWL

Der Preisträger des Karl-Zuhorn-Preises in der Kategorie Nachwuchsförderung Dr. Markus Lauert (3.v.l.) mit Dr. Christian Schulze Pellengahr (v.l./Vorsitzender des LWL-Kulturausschusses), Anneli Hegerfeld-Reckert (Präsidium LWL-Landschaftsversammlung), Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (LWL-Kulturdezernentin), Eva Irrgang (Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung), Ludger Samson (Präsidium LWL-Landschaftsversammlung).
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Münster (lwl). Dr. Markus Lauert aus Paderborn sowie Gisela Möllenhoff aus Münster und Rita Schlautmann-Overmeyer aus Ibbenbüren (Kreis Steinfurt) haben am Montag (28.9.) aus den Händen von LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger den Karl-Zuhorn-Preis entgegengenommen. Den mit jeweils 10.000 Euro dotier­ten LWL-Wissenschaftspreis für westfälische Landes­kunde hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in diesem Jahr in Kooperation mit der Historischen Kommission für Westfalen im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster verliehen.

Lauert erhält den Preis im Bereich Nachwuchsförderung für seine Erforschung der Veröffentlichung "Theatrum Europaeum" des Verlegers Matthäus Merians. Er hat analysiert, wie die sechsbändige Veröffentlichung als eine Art der zeitgenössischen Zeitgeschichtsschreibung über den Dreißigjährigen Krieg die politischen und militärischen Ereignisse publizistisch verarbeitet und ihnen dadurch erst Wirkung verlieh. Möllenhoff und Schlautmann-Overmeyer engagieren sich seit 1987 im Themenfeld jüdische Lokal- und Regionalgeschichte in Westfalen und in der Biografieforschung zu jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern im 20. Jahrhundert. Sie arbeiten überwiegend gemeinsam.

"Gisela Möllenhoff, Rita Schlautmann-Overmeyer und Dr. Markus Lauert veranschaulichen auf unterschiedliche Weise fundierte historische Forschung, die neue Erkenntnisse gewinnt und zugleich weit über die Wissenschaft hinaus Wirkung entfaltet. Was ihre Arbeit verbindet, ist die besondere Sorgfalt im Umgang mit Quellen, der Mut, neue Fragen zu stellen, und der Anspruch, Geschichte für andere verständlich und zugänglich zu machen. Dies macht ihr jeweiliges Schaffen in besonderer Weise preiswürdig", sagt LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.

Karl-Zuhorn-Preis 2026, Kategorie Nachwuchsförderung

"Markus Lauert hat eine Dissertation vorgelegt, in der er die Kenntnisse über das 'Theatrum Europaeum' und sein weiteres Umfeld enorm erweitert hat", heißt es in der Begründung des Rates für westfälische Landeskunde. Erst durch seine Forschungen sei klar geworden, dass die imposanten Bände des Werks in veränderten Fassungen schnell neu aufgelegt worden seien, um sie besser zu machen oder um die Tendenz der Texte zu korrigieren. Außerdem hätten Lauerts Recherchen ans Licht gebracht, woher die grundlegenden Informationen für die Bände kamen. Dadurch habe sich nicht nur ein deutlicherer Blick auf das Werk und seine Produktion, sondern auch eine erhebliche Erweiterung der Kenntnisse über die Druckmedien im Dreißigjährigen Krieg ergeben. So habe Lauert an Flugschriften, Flugblättern und Kupferstichen belegt, wie der Krieg Modernisierungsschübe für die Kommunikation mit sich brachte. Mit dem Westfalenfeldzug des Carl Gustav Wrangel 1646 hat Lauert zudem ein auch regional bedeutendes Thema näher in den Blick genommen.

Dr. Markus Lauert ist 1991 geboren und lebt in Paderborn. Er studierte Deutsch und Geschichte an der Universität Paderborn. Von 2017 bis 2024 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Historischen Institut im Bereich Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Paderborn und promovierte in 2024. Seit November 2025 arbeitet er als Lehrer an einer Realschule in Höxter.

Karl-Zuhorn-Preis 2026, Kategorie ehrenamtliche Forschung

"Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer ist es wichtig, ihre Forschungen möglichst breiten Kreisen zuganglich zu machen. War die Motivation in den 1980er-Jahren, überhaupt erst für das Schicksal der Jüdinnen und Juden in Nazi-Deutschland zu interessieren und Versöhnung anzustreben, geht es heute auch darum, das Gedenken und den Versöhnungsgedanken in einer Zeit wachzuhalten, in der die meisten Zeitzeugen nicht mehr leben. Beide öffnen sich dafür auch neuen, digitalen Methoden. Über Jahrzehnte haben sie zahlreiche Vorträge gehalten und in Sammelbänden, Ausstellungskatalogen, Zeitschriften und Zeitungen publiziert. Auch über Westfalen hinaus war ihre Expertise immer wieder gefragt. Wissenschaftliche Forschung und wissenschaftliche Aufarbeitung ist im Werk von Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer die Grundlage für Kontaktpflege und vor allem für Aussöhnung: Viele der von ihnen Kontaktierten sahen in den Gesprächen die erste Möglichkeit, überhaupt über ihre Erinnerungen an die Verfolgung zu sprechen", so die Begründung des Rates für westfälische Landeskunde.

Möllenhoff hat als Mitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit bereits 1983 an der Vorbereitung der Ausstellung "Deutsche Juden und ihr Beitrag zur deutschen Kultur" in Münster mitgearbeitet. Sie lernte Schlautmann-Overmeyer 1987 kennen, als beide gemeinsam an der Ausstellung "Geschichte der Juden in Münster" mitwirkten. Im Rahmen der Vorbereitung dieser Ausstellung war klargeworden, dass es nur wenige Informationen über die 1933 in Münster lebende jüdische Bevölkerung gab. Beide Historikerinnen entschlossen sich, diese Forschungslücke zu schließen. Das Ergebnis ist ein dreibändiges, bis heute aktuelles Werk, das sie überwiegend in ehrenamtlicher Arbeit erstellt haben. Der erste Band ist ein biografisches Lexikon mit Beiträgen zu 564 Familien und Informationen zu etwa 1.500 Einzelpersonen. Die Arbeiten daran erstreckten sich über die Jahre 1990 bis 2001.

Bis heute arbeiten beide Frauen wissenschaftlich weiter: Sie haben mit Ortsartikeln an dem von der Historischen Kommission für Westfalen herausgegebenen vierbändigen "Historischen Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe" mitgewirkt.

Gisela Möllenhoff (* 1938) hat Geschichte und Französisch studiert und ist Realschullehrerin. Ihre Berufstätigkeit hat sie 1966 aufgegeben. Rita Schlautmann-Overmeyer (* 1955) studierte als gelernte Krankenschwester auf dem zweiten Bildungsweg Geschichte, Osteuropäische Geschichte und Englisch und schloss das Studium 1991 mit dem Magister Artium in Geschichte ab.

Hintergrund:

Der LWL verleiht den Karl-Zuhorn-Preis seit 1979. Der LWL-Wissenschaftspreis ist zweigeteilt und mit jeweils 10.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung wird jährlich an Forschende gleicher Fachrichtung in den Kategorien Nachwuchsförderung und ehrenamtliche Forschung verliehen. Der Forschungsgegenstand muss einen Westfalenbezug aufweisen und relevant für die westfälische Landeskunde und Geschichte sein. Veranstaltungen wie Vorträge der Preisträger:innen sollen dazu beitragen, den Preis in der Region zu verwurzeln. Die Preisträger:innen des Karl-Zuhorn-Preises werden vom Rat für westfälische Landeskunde vorgeschlagen und vom LWL-Kulturausschuss beschlossen. In der Kategorie Nachwuchsförderung sollen junge Wissenschaftler:innen unterstützt werden. In der Kategorie ehrenamtliche Forschung kann sowohl die gesamte bisherige Arbeit als auch ein einzelnes Projekt ausgezeichnet werden.

Die Preisträgerinnen des Karl-Zuhorn-Preises in der Kategorie Ehrenamtliche Forschung Rita Schlautmann-Overmeyer (2.v.l.)  und Gisela Möllenhoff (3.v.l.) mit  Dr. Christian Schulze  Pellengahr (v.l./Vorsitzender des LWL-Kulturausschusses), Anneli Hegerfeld-Reckert (Präsidium LWL-Landschaftsversammlung), Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (LWL-Kulturdezernentin), Eva Irrgang (Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung) und Ludger Samson (Präsidium LWL-Landschaftsversammlung).<br>Foto: LWL

Die Preisträgerinnen des Karl-Zuhorn-Preises in der Kategorie Ehrenamtliche Forschung Rita Schlautmann-Overmeyer (2.v.l.) und Gisela Möllenhoff (3.v.l.) mit Dr. Christian Schulze Pellengahr (v.l./Vorsitzender des LWL-Kulturausschusses), Anneli Hegerfeld-Reckert (Präsidium LWL-Landschaftsversammlung), Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (LWL-Kulturdezernentin), Eva Irrgang (Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung) und Ludger Samson (Präsidium LWL-Landschaftsversammlung).
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Pressekontakt

Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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