29.09.26 | Kultur "Materia. Holz, Lehm, Stroh, Beton"
Neue Sonderausstellung im LWL-Museum Hellerlecht
v.l.n.r.: Sammlungsleiterin des LWL-Museums Hellerlecht Dr. Alice Anna Schröder-Klaassen (v.l.), LWL-Kulturdezernentin Dr. Rüschoff-Parzinger, Dr. Georg Lunemann, der Direktor des LWL, Museumsdirektorin Dr. Marie Luisa Allemeyer und Kurator Dr. Florian Strob vor einen Originalsegment der Berliner Mauer.
Foto: LWL
Das Besondere: "Materia" nimmt nicht nur das neue Gebäude in den Blick, sondern macht dessen Architektur und Materialien zum Ausgangspunkt einer vielschichtigen Erzählung. In vier Kapiteln widmet sich die Ausstellung den Baustoffen Holz, Lehm, Stroh und Beton und fragt danach, welche kulturellen, gesellschaftlichen und ökologischen Geschichten sich mit diesen Baustoffen verbinden. Verknüpft werden die Kapitel durch das Thema der Nachhaltigkeit, die sich vom Prolog bis zum Epilog unter dem Stichwort "Zeit" durch die Ausstellung zieht.
"Mit der ersten Sonderausstellung im Forum beginnt für das LWL-Museum Hellerlecht ein neues Kapitel. Und 'Materia' ist dafür ein ausgesprochen guter Auftakt", sagt Dr. Georg Lunemann, der Direktor des LWL. "Wir wollen Kultur und Geschichte nicht nur bewahren. Wir wollen immer wieder neue Zugänge schaffen und Menschen dazu einladen, ihre eigene Lebenswelt aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Das neue Forum schafft dafür hervorragende Voraussetzungen."
Westfalen und die Welt
Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Sammlung des LWL-Museums Hellerlecht. Objekte aus der westfälischen Lebenswelt treten in einen Dialog mit künstlerischen Positionen und außergewöhnlichen Leihgaben aus internationalen Museen und Sammlungen. Zu sehen sind unter anderem Arbeiten und Leihgaben aus Paris, London, New York, Rotterdam, Finnland und Japan. Zu den Künstler:innen gehören unter anderem Doris Salcedo, Eija-Liisa Ahtila, Rachel Whiteread und Thomas Struth. Ein besonderer Höhepunkt ist die Originalzeichnung der "Maison Dom-Ino" von Le Corbusier, einer Ikone der Architekturgeschichte.
Für LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger liegt gerade in dieser Verbindung eine besondere Qualität der Ausstellung: "Wir sind in Westfalen verwurzelt - aber wir verstehen diese Region nicht als abgeschlossenen Raum. Westfälische Geschichte und Kultur sind immer Teil größerer Entwicklungen und internationaler Zusammenhänge. 'Materia' macht diese Zusammenhänge auf sehr anschauliche Weise erfahrbar."
Dabei geht es nicht um eine reine Kulturgeschichte von Baustoffen. Die Ausstellung zeigt vielmehr, wie eng Materialien mit menschlichem Wissen, gesellschaftlichem Wandel und Vorstellungen von Zukunft verbunden sind. Holz etwa gehört zu den ältesten Baustoffen der Menschheit und spielt heute eine wichtige Rolle in der Debatte über nachhaltiges Bauen. Lehm hat weltweit eine jahrtausendealte Tradition und wird angesichts seiner ökologischen Potenziale neu entdeckt. Stroh, lange vor allem als landwirtschaftliches Nebenprodukt wahrgenommen, erweist sich als vielseitig nutzbares Material in Architektur, Design und Kunst. Beton wiederum steht exemplarisch für die Möglichkeiten und den Fortschrittsglauben der Moderne - zugleich aber auch für die ökologischen Herausforderungen des Bauens.
Nachhaltigkeit braucht Zeit
Ein zentraler Gedanke der Ausstellung ist die Frage nach der Zeit. Der Begriff der Nachhaltigkeit selbst geht auf die Forstwirtschaft zurück: 1713 formulierte Hans Carl von Carlowitz das Prinzip, nur so viel Holz zu nutzen, wie nachwachsen kann. "Materia" überträgt diesen Gedanken auf die Gegenwart und fragt danach, wie sich unser Umgang mit Materialien verändert, wenn wir nicht nur in Jahren, sondern in Generationen denken.
Am Ende der Ausstellung kehrt der Rundgang zur Zeit zurück. Denn auch die größten und dauerhaftesten Bauwerke sind vergänglich. Damit verbindet "Materia" die Frage nach Nachhaltigkeit mit einer grundsätzlichen Frage nach dem Wert und der Lebensdauer von Dingen: Wie lange nutzen wir etwas? Was bewahren wir? Und kann gerade das Bewusstsein für Vergänglichkeit dazu beitragen, unser materielles Erbe länger zu erhalten?
Von der Materie zum Menschen
Einen bewussten Perspektivwechsel bietet das bewusst offen gestaltete Panorama außerhalb des eigentlichen Ausstellungsraums. Die bereits von außen einsehbare und eintrittsfreie Fläche richtet den Blick nicht auf die Materialien, sondern auf die Menschen, die das neue Gebäude geschaffen haben. Fotografien von Sybille Fendt sowie filmische Arbeiten von Torsten Näser und Oliver Becker geben Einblicke in Arbeitsalltag, handwerkliches Können und den Umgang mit den Materialien.
"Die Materialien sind in 'Materia' nicht einfach Baustoffe. Sie werden zu Trägern von Geschichten und Wissen", so Museumsdirektorin Dr. Marie Luisa Allemeyer. "Hinter jedem Gebäude und hinter jedem Gegenstand stehen Menschen, ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihr handwerkliches Können. Auch das ist kulturelles Erbe."
Ein Museum für das ganze Jahr
Mit dem neuen Forum erweitert das LWL-Museum Hellerlecht sein bisheriges Profil. Während das Freilichtgelände saisonal geöffnet ist, steht das Forum ganzjährig für Besucher:innen offen. Es schafft damit einen neuen Ort für Sonderausstellungen und kulturelle Begegnungen und macht das Museum zu einem ganzjährig zugänglichen Kulturort.
MATERIA. Holz, Lehm, Stroh, Beton
2. Oktober 2026 bis zum 4. April 2027
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 9 bis 18 Uhr
Geschlossen am 1. Januar sowie am 24. und 31. Dezember
Eintrittspreise Wintersaison (ab 1. November)
Erwachsene: 8 Euro
Ermäßigt: 4 Euro
Kinder/Jugendliche unter 18 Jahren: frei
Die große Sonderausstellung "Materia" ist vom 2. Oktober bis 4. Juli im LWL-Museum Hellerlecht zu sehen.
Bild: LWL
Im Ausstellungsbereich "Stroh" ist die extra für die Ausstellung angefertigte Kunstinstallation "Haus aus Licht" von Olaf Holzapfel zu sehen.
Foto: LWL
Unter dem Oberthema "Beton" ist beispielsweise ein Stück der Berliner Mauer zu sehen. Es handelt sich um das Segment Nr. 297 aus dem Bereich zwischen Reichstag und Brandenburger Tor, auf dem ein Kunstwerk des französischen Künstlers Thierry Noir zu sehen ist.
Foto: LWL
Sammlungsleiterin des LWL-Museums Hellerlecht Dr. Alice Anna Schröder-Klaassen (v.l.), Museumsdirektorin Dr. Marie Luisa Allemeyer, Dr. Georg Lunemann, der Direktor des LWL, LWL-Kulturdezernentin Dr. Rüschoff-Parzinger und Kurator Dr. Florian Strob freuen sich auf die Eröffnung der großen Sonderausstellung "Materia".
Foto: LWL
Pressekontakt
Lisa-Marie Möllering, LWL-Museum Hellerlecht, Westfälisches Landesmuseum für Kultur und Geschichte, Tel. 05231/706-110 und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
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