17.09.26 | Psychiatrie Wenn die Biografie zum Schlüssel wird
Laura Mersmann (l.) berät als Demenz-Coach im Zentrum für Altersmedizin des LWL-Klinikums Gütersloh Katja Schäfer als Angehörige, deren Mutter an Demenz erkrankte.
Bild: LWL/Nikolaus Urban
Gütersloh (lwl). Die Diagnose Demenz ist für viele Familienangehörige ein Schock, erst recht, wenn klar wird, dass der oder die Demenzerkrankte nicht mehr selbstständig in der eigenen Wohnung leben kann. Deshalb beginnt im Zentrum für Altersmedizin des Klinikums Gütersloh im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Arbeit mit demenzkranken Patient:innen schon vor der Aufnahme. Laura Mersmann ist sogenannte "Demenz-Coach", sie spricht schon vor der Aufnahme von Demenzerkrankten mit ihren Angehörigen - und bringt deren Wissen in den Stationsalltag ein.
Das Angebot der sogenannten vorstationären Biografiearbeit in der LWL-Klinik hat Laura Mersmann selbst entwickelt. Sie ist Altenpflegerin, hat in einer Demenz-WG gelernt und später eine zweijährige Weiterbildung zum Demenz-Coach absolviert. "Ich liebe es, mit Demenzerkrankten zu arbeiten", sagt sie. "Wir hatten natürlich die medizinischen Informationen. Aber wir wussten nicht, was für ein Mensch wirklich dahintersteckt." Das sei aber gerade bei fortgeschrittener Demenz entscheidend, weil viele Betroffene selbst nicht mehr erzählen könnten, was sie früher gearbeitet haben, was ihnen Freude macht oder warum sie in bestimmten Situationen so reagieren. "Und dann sind die Angehörigen für uns unglaublich wichtig."
Im Jahr 2024 bekam Katja Schäfers damals 84-jährige Mutter die einschneidende Diagnose: Demenz. Um sie grundlegend zu diagnostizieren und medikamentös einzustellen, wurde die Mutter auf die Station G1 des LWL-Klinikums Gütersloh aufgenommen, die darauf spezialisiert ist, herausfordernde Verhaltensweisen von dementen Patientinnen und Patienten zu behandeln. Für Katja Schäfer war das ein großer Schritt: Sie musste ihre Mutter anderen Menschen anvertrauen. Umso wichtiger wurde ein Gespräch, das stattfand, bevor ihre Mutter überhaupt auf der Station angekommen war. "Ich konnte erzählen, was meine Mutter gerne isst, dass sie immer gerne draußen war und sich viel bewegt hat", sagt Katja Schäfer. Es ging um Gewohnheiten und Vorlieben und darum, wie sich das Verhalten der Mutter durch die Demenz verändert hatte. "Ich fand es sehr gut, dass sie das alles vorher wissen wollten."
Laura Mersmanns Arbeit endet nicht mit der Aufnahme. Sie versucht, eine Schnittstelle zwischen Angehörigen, Pflege und Sozialdienst zu sein. Bei Katja Schäfers Mutter wurde das wichtig, als klar war, dass diese nach dem Klinikaufenthalt eine neue Einrichtung brauchte. "Mir war wichtig, dass Frau Schäfer nicht fünf Leute anrufen musste, um ans Ziel zu kommen", sagt Laura Mersmann. Sie stellte Kontakte her und unterstützte sie bei der Suche nach einer geeigneten weiteren Versorgung.
Wenn Katja Schäfer heute auf die Zeit im LWL-Klinikum zurückblickt, erinnert sie sich vor allem daran, wie gut sie sich und ihre inzwischen verstorbene Mutter begleitet fühlte: "Meine Mutter wurde hier eben nicht nur als Patientin gesehen, sondern als ganzer Mensch."
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Wir vermitteln Ihnen gerne Laura Mersmann als Gesprächspartnerin zum Thema Demenz-Coach.
Biografiearbeit gehört als Schlüssel zur Arbeit mit Demenzerkrankten dazu.
Bild: LWL/Nikolaus Urban
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