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14.09.26 | Der LWL Jubiläum: 25 Jahre "Partizipation und Demokratie fördern"

LWL fördert elf Projekte der Jugendarbeit gegen Antisemitismus und Rassismus

Münster (lwl). Jubiläum eines Programms, das ein Zeichen für die Zukunft setzt: Mit dem Programm "Partizipation und Demokratie fördern" unterstützt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) seit mittlerweile 25 Jahren den Dialog zwischen Kindern, Jugendlichen und der Kommunalpolitik. Seit 2001 fördert der LWL jährlich Projekte, die junge Menschen in ihrer politischen Mitbestimmung stärken. Diesen Anlass feiert der LWL am 23. November in Münster mit einer Jubiläumsveranstaltung. In diesem Jahr erhalten elf Projekte Zuschüsse in Höhe von insgesamt rund 51.000 Euro. Am Montag (14.9.) hat der LWL-Landesjugendhilfeausschuss in Münster beschlossen, welche Projekte in diesem Jahr eine Förderung erhalten. Dabei gab es bei der Auswahl der Projekte eine Priorisierung: Angesichts zunehmender antisemitischer und rassistischer Vorfälle hat der LWL Projekte auch in diesem Jahr priorisiert, die sich gezielt gegen Antisemitismus und Rassismus richten.

"Es freut mich sehr, dass das Interesse an dem Förderprogramm und insbesondere dem neuen Förderschwerpunkt weiterhin groß ist", sagt Birgit Westers, LWL-Jugend- und Schuldezernentin. "Es gab viele unterschiedliche Ideen, wie junge Menschen in Westfalen-Lippe Politik mitgestalten können."

Insgesamt erhalten die elf Projekte eine Förderung zwischen 3.200 Euro und 5.000 Euro. Womit sich die einzelnen Projekte inhaltlich beschäftigen, ist sehr unterschiedlich:

Die Bandbreite reicht von einer Podcast-Produktion, einem musikpädagogischen Beteiligungsprojekt, einem Anti-Rassismus-Spaziergang und Bildungsfahrten über Diskussionsrunden mit Kommunalpolitiker:innen bis hin zur Gründung eines Jugendparlamentes.

"Wir stellen die jungen Menschen in den Mittelpunkt", erklärt Westers. "Nicht die Erwachsenen initiieren den Dialog, sondern die Jugendlichen selbst geben den ersten Impuls. Sie bringen ihre Perspektiven zu Rassismus und Antisemitismus ein und entwickeln gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort konkrete Handlungsstrategien. Diese Zusammenarbeit macht junge Menschen fit für Demokratie und zeigt das Potenzial lokaler Veränderungen."

Die geförderten Projekte starten im September und haben eine Laufzeit von bis zu zwölf Monaten. In dieser Zeit werden sie von Sachbereich Jugendförderung des LWL-Landesjugendamtes mit seiner Fachstelle für Kinder- und Jugendbeteiligung begleitet.

Weitere Informationen zum Förderprogramm "Partizipation und Demokratie fördern" erhalten Interessierte auf der Webseite https://www.lwl-landesjugendamt.de/finanzielle-foerderung/lwl-programm-partizipation-und-demokratie-foerdern/.

Hintergrund

Das LWL-Landesjugendamt organisiert das Förderprogramm "Partizipation und Demokratie fördern". Bisher hat der LWL bereits über 280 Projekte freier und öffentlicher Träger der Jugendhilfe in Westfalen-Lippe mit jeweils bis zu 5.000 Euro gefördert. Die Vielfalt an Ideen ist dabei Programm: Die Erfahrung aus bereits geförderten Projekten zeigt, dass es kein universelles Beteiligungsformat gibt, das in jeder Kommune gleich erfolgreich ist. Die Projekte erproben passende Ansätze in der jeweiligen Situation und entwickeln sie gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen weiter.

Das LWL-Landesjugendamt begleitet und qualifiziert die geförderten Projekte über Fachberatung und gemeinsame Fachtage (Austausch über Konzeptionen, Projekterfahrungen, kollegiale Beratung). Den Abschluss der einjährigen Projektphase bildet die Projektpräsentation mit den teilnehmenden Jugendlichen und den Verantwortlichen der Kommunalpolitik im LWL-Landeshaus in Münster.

Angegliedert ist das Förderprogramm "Partizipation und Demokratie fördern" bei der Servicestelle für Kinder und Jugendbeteiligung in NRW. Seit 2014 existiert die Servicestelle und wird aus den Mitteln des Kinder- und Jugendförderplans NRW gefördert. Die Servicestelle hat ihren Sitz beim LWL-Landesjugendamt in Münster und arbeitet eng mit dem Kompetenzteam eigenständige Jugendpolitik und Partizipation des LVR-Landesjugendamtes Rheinland zusammen.

Die vom LWL geförderten Projekte im Überblick:

,,Vielfalt verbindet''

Kamen (Kreis Unna)
: Das Projekt "Vielfalt verbindet" des AWO-Unterbezirks Ruhr-Lippe-Ems ist ein ganzjähriges Beteiligungsvorhaben in Kooperation mit der Gesamtschule Kamen. Ziel ist es, Demokratiebildung, Rassismusprävention, Erinnerungskultur und den Dialog mit der Kommunalpolitik aktiv im Schulalltag zu verankern. Die Umsetzung erfolgt kontinuierlich über die Schülervertretung, einen Projektkurs der Oberstufe sowie eine neu eingerichtete AG. Das Projekt beinhaltet u.a. einen Auftaktworkshop, eine Demokratiewoche und als Abschluss ein Fest, auf dem die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert werden und das als Basis für eine nachhaltige Fortführung dient.

3. Kalletaler Jugendforum - Für Respekt und Demokratie

Kalletal (Kreis Lippe)
: Als partizipative Plattform lädt das Jugendforum Kinder und Jugendliche dazu ein, in Workshops eigene Ideen, Wünsche und Sorgen zur Gemeindeentwicklung zu erarbeiten. Der Schwerpunkt des diesjährigen Jugendforums liegt auf den Themen Respekt, Demokratie sowie der Auseinandersetzung mit Rassismus und Antisemitismus, um für diskriminierende Strukturen zu sensibilisieren. Die erarbeiteten Vorschläge stellen die Jugendlichen anschließend direkt in einer Ratssitzung vor, um unmittelbare kommunale Veränderungen anzustoßen. Darüber hinaus werden die Jugendlichen auch bei der möglichen Umsetzung einzelner Maßnahmen aktiv eingebunden. Die Projektförderung dient der Weiterentwicklung des bestehenden Jugendforums und ermöglicht die zusätzliche Umsetzung des neuen Themenschwerpunkts zu Respekt, Demokratie sowie der Auseinandersetzung mit Rassismus und Antisemitismus.

Engagierte Orte gegen Rassismus in der Stadt Paderborn

Paderborn
: In dem Projekt setzen sich junge Menschen in Workshops und im Austausch mit Betroffenen intensiv mit Rassismus auseinander und entwickeln Kriterien für "gutes Engagement gegen Rassismus". Darauf aufbauend gestalten sie ein eigenes Label, um "engagierte Orte" im Stadtgebiet auszuzeichnen und auf einer digitalen Landkarte sichtbar zu machen. Durch Formate wie einen Anti-Rassismus-Spaziergang mit dem Bürgermeister treten sie direkt mit der Kommunalpolitik in

"VoiceUp Hagen - Deine Stadt. Deine Zukunft."

Hagen
: In einem dreitägigen Beteiligungscamp setzen sich Jugendliche intensiv mit Identität, Teilhabe sowie Rassismus und Chancengerechtigkeit auseinander. In einer kreativen Schreibwerkstatt entwickeln sie eine Graphic Novel über ihre Zukunftsvisionen für ein vielfältiges und inklusives Miteinander in ihrer Stadt. Durch den Austausch mit diversen "Vorbildern" aus Politik und Wissenschaft sowie direkte Dialogformate mit der Kommunalpolitik lernen die Teilnehmenden ihre Rechte kennen und bringen ihre Perspektiven aktiv in lokale Entscheidungsprozesse ein.

"Misch dich ein! Plettenberg - Demokratie lebt von dir!"

Plettenberg (Märkischer Kreis)
: Das Projekt zielt darauf ab demokratische Haltungen von Jugendlichen zu stärken sowie gezielt Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung im städtischen Alltag entgegenzuwirken. Neben lokalen Stadtspaziergängen zur Aufarbeitung der historischen Stadtgeschichte und einer dreitägigen Bildungsfahrt nach Berlin treten die Teilnehmenden in einen direkten Austausch mit lokalen Politikvertreter:innen. Auf dieser Grundlage entwickeln die Jugendlichen eigenständig konkrete Projektideen für ihre Heimatstadt und stellen ihre Ergebnisse sowie Forderungen abschließend im öffentlichen Jugendhilfeausschuss vor. In drei aufeinander aufbauenden Projektformaten setzen sich muslimische und als muslimisch wahrgenommene Jugendliche mit Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus auseinander - in einem geschützten Raum, der auf Respekt basiert und ihre Erfahrungen ernst nimmt. Zum Projekt gehören eine Tagesfahrt zum Anne-Frank-Haus sowie ein moderierter Austausch mit Kommunalpolitiker:innen über Diskriminierungserfahrungen und politischer Teilhabe.

AntiRa-Scouts 2.0

Coesfeld
: Das Projekt "AntiRa-Scouts 2.0" bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 22 Jahren aus mehreren Berufskollegs in Coesfeld eine partizipative Plattform, um im Umgang mit Alltagsrassismus und Vorurteilen selbst aktiv zu werden. Der Havixbeck Modell e.V. hat als Träger langjährige Erfahrungen in der Jugendsozialarbeit. Basierend auf einer zuvor durchgeführten Umfrage entwickeln die Teilnehmenden über einen Peer-Education-Ansatz eigenständig konkrete Handlungsideen, Workshop-Formate und Aktionen für ein respektvolles und demokratisches Miteinander. Die erarbeiteten Ergebnisse und Formate werden abschließend öffentlich sowie gegenüber Vertretern aus Schule und Politik präsentiert.

"Politik erlebbar machen"

Borchen (Kreis Paderborn)
: Das Projekt zielt darauf ab, die Medien- sowie Handlungskompetenz von Jugendlichen im Umgang mit Politik, Parteien und Behördenstrukturen nachhaltig zu stärken. Über praxisnahe Bausteine wie Gespräche mit Kommunalpolitiker:innen, Exkursionen zu politischen Institutionen, Medienworkshops und die Gründung eines eigenen Jugendparlaments erleben die Teilnehmenden demokratische Prozesse sowie Mitbestimmung direkt vor Ort. In Workshops setzen sich die Teilnehmenden intensiv mit Diskriminierung, Antisemitismus und Rassismus auseinander, um das Vertrauen in demokratische Entscheidungsstrukturen zu festigen sowie Haltung und Zivilcourage zu fördern.

Junge Stimmen stärken - Politische Teilhabe für Jugendliche mit Flucht- und

Rassismuserfahrung

Dortmund
: Das Projekt stärkt die politische Teilhabe von jungen Menschen mit Flucht-, Migrations- und Rassismuserfahrungen, indem es bestehende Zugangsbarrieren abbaut und ihren eigenen Anliegen direkt Gehör verschafft. Durch Workshops, bedarfsorientierte Schulungen sowie direkte Dialogformate mit der Kommunalpolitik lernen die Teilnehmenden politische Entscheidungsprozesse kennen und erarbeiten eigene Forderungen. Durch eigene Reflexion wird Diskriminierung aktiv entgegengewirkt, während zugleich nachhaltige Beteiligungsmöglichkeiten und Selbstwirksamkeitserfahrungen für die Jugendlichen geschaffen werden.

Voice of Democracy - Rap your Voice

Gütersloh
: In dem musikpädagogischen Beteiligungsprojekt setzen sich Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 24 Jahren kreativ mit Themen wie Demokratie, Rassismus, Diskriminierung und gesellschaftlichem Zusammenhalt auseinander. Gemeinsam mit Profis schreiben sie eigene Texte, produzieren Beats und nehmen ihre Songs in einem mobilen Tonstudio auf, um ihren alltäglichen Ausgrenzungserfahrungen eine hörbare Stimme zu verleihen. Bei einer abschließenden öffentlichen Präsentation treten die Teilnehmenden in den direkten Dialog mit Vertreter:innen der Kommunalpolitik, um ihre Perspektiven und Anliegen im lokalen Raum sichtbar zu machen.

Junge Stimmen für Sprockhövel - Demokratie im Dialog

Sprockhövel (Ennepe-Ruhr-Kreis)
: In dem Projekt entwickeln Kinder und Jugendliche ab der 4. Klasse ein eigenes Podcastformat, um ihre persönlichen Anliegen aktiv in den Austausch mit der Kommunalpolitik und der Stadtgesellschaft einzubringen. In begleitenden Vorbereitungsworkshops setzen sich die Teilnehmenden neben der technischen und journalistischen Praxis intensiv mit Demokratiebildung, Diskriminierung sowie der Prävention von Rassismus und Antisemitismus auseinander. Die eigenständig produzierten Podcastfolgen schaffen direkte Dialogsituationen mit Lokalpolitiker:innen und sollen langfristig in die Arbeit des lokalen Kinder- und Jugendparlaments integriert werden.

"No Filter - Real Talk aus Gladbeck"

Gladbeck (Kreis Recklinghausen)
: Das Projekt bietet Jugendlichen eine niedrigschwellige Plattform, um sich intensiv mit gesellschaftsrelevanten Themen wie Rassismus, Antisemitismus und demokratischer Teilhabe auseinanderzusetzen. Durch zielgerichtete Qualifizierungen in Medienkompetenz und Podcast Produktion sowie durch die fachliche Begleitung externer Expert:innen bereiten die Teilnehmenden eigenständig Interviewfragen vor. In selbst produzierten Podcastfolgen treten sie anschließend in einen direkten Dialog auf Augenhöhe mit lokalen Politiker:innen. Dadurch sollen Vorurteile abgebaut, Kommunikationsfähigkeiten gestärkt und ihre eigenen Anliegen in der Kommune öffentlich sichtbar gemacht werden.

Pressekontakt

Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

presse@lwl.org

Der LWL im Überblick

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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