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11.09.26 | Psychiatrie Als Ehemaliger zum Forensik-Run: "Aufgeben ist keine Option"

LWL-Zentrum Lippstadt: Zehn-Kilometer-Lauf im gesicherten Klinikgelände

Trotz des regnerischen Wetters: Kurz vorm Startschuss freuen sich die Teilnehmenden des Forensik-Runs auf den Zehn-Kilometer-Lauf über das Klinikgelände des LWL-Zentrums in Eickelborn.<br> Foto: LWL/Schufi

Trotz des regnerischen Wetters: Kurz vorm Startschuss freuen sich die Teilnehmenden des Forensik-Runs auf den Zehn-Kilometer-Lauf über das Klinikgelände des LWL-Zentrums in Eickelborn.
Foto: LWL/Schufi
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Lippstadt/Kreis Soest (lwl). 29 Jahre lang war er hier Patient, heute ist er mit Zug und Bus aus dem Bergischen Land angereist. In Sportkleidung wartet Frank* mit anderen Läuferinnen und Läufern an der Pforte des LWL-Zentrums für Forensische Psychiatrie Lippstadt: Heute ist Forensik-Run auf dem Gelände der forensischen Fachklinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). "Die Lauftherapie war damals total wichtig für mich", erinnert sich der ehemalige Patient, "da habe ich gelernt, was man erreichen kann, wenn man dranbleibt."

An diesem Freitagabend (4.9.) ist er einer von 68 externen Teilnehmenden, die bei dem Zehn-Kilometer-Lauf innerhalb des gesicherten Klinikgeländes starten. Einige Laufgemeinschaften aus der Umgebung sind vertreten, einige Mitarbeitende des LWL laufen mit sowie mehrere Patientinnen und Patienten, aktuelle und ehemalige. In deren Lauftherapie fing alles an: Gemeinsam mit ihrem Lauftherapeuten Mirko Stellmacher hatten sie die Idee, einen Lauf innerhalb des Zauns zu veranstalten. Unter dem Motto "Wenn wir nicht zum Lauf können, holen wir den Lauf eben zu uns" wurde der Forensik-Run geboren und hat nun schon zum sechsten Mal interne und externe Laufbegeisterte im LWL-Zentrum zusammengeführt - insgesamt 87 Mitlaufende waren dabei, die meisten einzeln, einige auch als Staffelgruppe.

Lauftherapie hat geholfen

"Die ersten Jahre im Maßregelvollzug war ich innerlich eher anti", erzählt Frank, "ich dachte, das brauch' ich alles nicht." Er war fast zwanzig Jahre untergebracht, als eine schlechte Prognose in der jährlichen richterlichen Anhörung die Wende brachte. "Ich war vierzig und hab mich gefragt: Was will ich, will ich hier sterben?" Dieser Gedanke habe ihn zum Umdenken gebracht. "Ich habe mich darauf eingelassen, Medikamente zu nehmen, das hatte ich vorher immer abgelehnt", erinnert sich der heute 58-Jährige. Auch in den Therapiegesprächen habe er sich ehrlich gemacht und das aufgearbeitet, was er vorher immer vermieden habe. "Aufgeben ist keine Option", habe er sich gedacht. Dabei habe ihm auch das Training in der Lauftherapie geholfen, mit der er gleichzeitig angefangen habe.

Inzwischen ist Frank seit acht Jahren 'draußen', und zwar komplett, wie er betont: "Fünf Jahre Führungsaufsicht hab' ich bestanden, auch aus der forensischen Nachsorge bin ich raus". Nur einen gesetzlichen Betreuer habe er noch. "Der hilft mir ein bisschen bei so Verwaltungssachen, ansonsten schaffe ich alles allein", sagt er sichtlich stolz. Seit sechs Jahren lebt er in einer eigenen Wohnung und arbeitet in einem inklusiven Betrieb zur beruflichen Teilhabe. "Jetzt übernehme ich selber Verantwortung und tue was für die Gesellschaft", sagt er und schildert seine Arbeit in der Garten- und Anlagenpflege 'fast wie ein Hausmeister'. Das Laufen ist heute ein Hobby für ihn. Er ist Mitglied in einer Laufgemeinschaft und nimmt regelmäßig an Laufveranstaltungen teil.

Wichtiger ist das Dabeisein
Die Geschwindigkeit beim Forensik-Run geben jedoch andere vor: Carsten Hönig vom Gymnasium Antonianum Geseke gewinnt mit 35:54,0 Minuten vor Markus Elbracht (LG Burg Wiedenbrück) und Stephan Meiwes (LG Burg Wiedenbrück). Siegerin der Frauen wird Luciene Cramer (Laufladen Endspurt Running Team) mit 44:00,3 vor Carolin Heyser und Yvonne Kustosz (beide Team Modifit). In einer eigenen Wertung platzieren sich auch drei Patienten auf dem Siegertreppchen.

Noch wichtiger aber ist das Dabeisein: Jeder Zieleinlauf wird gefeiert, alle Teilnehmenden erhalten eine handgefertigte Medaille aus der Holzwerkstatt, von den Stationshöfen gibt es Applaus. Nach dem Lauf versorgt das Team des Kulturzentrums die Teilnehmenden mit Getränken und Würstchen. Vor der Siegerehrung versammelt Stellmacher seine Kolleginnen und Kollegen aus der Sporttherapie und der Arbeits- und Ergotherapie und bedankt sich bei ihnen und allen Mitwirkenden aus anderen Berufsgruppen für die "großartige Zusammenarbeit im Team, ohne die dieses Event nicht möglich gewesen wäre".

Frank hat an diesem Abend noch einen langen Heimweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln vor sich. Aber das ist es ihm wert. Wenn er zum Forensik-Run in die Klinik zurückkehre, merke er auch, was er in den letzten Jahren geschafft habe. "Das Laufen ist ein Ausgleich für mich, das tut mir gut", sagt er. Diese Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, das habe er auch in der Klinik gelernt. Nach der Laufveranstaltung geht er durch die Pforte, bekommt seinen Ausweis zurück und verlässt die Klinik als "Externer".



Hintergrund
Im LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt in Eickelborn werden im Jahresdurchschnitt 335 Menschen behandelt, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung straffällig geworden sind und vom Gericht zur Therapie und Sicherung untergebracht wurden. Als einzige Klinik in Westfalen-Lippe bietet die Eickelborner Klinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe auch Behandlungsplätze für Frauen. Die Unterbringung nach Paragraf 63 StGB für psychisch kranke Rechtsbrüchige ist grundsätzlich unbefristet. Eine Entlassung hängt vom Therapieerfolg ab.

*Der Name des ehemaligen Patienten ist zu seinem Schutz anonymisiert.

Der Forensik-Run wird von der Sport- und Ergotherapie des LWL-Zentrums organisiert. Vor der Siegerehrung bedankt sich Lauftherapeut Mirko Stellmacher (l.) bei seinen Kolleginnen und Kollegen für die großartige Unterstützung im Team.<br> Foto: LWL/Schufi

Der Forensik-Run wird von der Sport- und Ergotherapie des LWL-Zentrums organisiert. Vor der Siegerehrung bedankt sich Lauftherapeut Mirko Stellmacher (l.) bei seinen Kolleginnen und Kollegen für die großartige Unterstützung im Team.
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Genau ausgemessene 17 Runden geht es für die Läuferinnen und Läufer innerhalb des Sicherheitszaunes über das Gelände des LWL-Zentrums für Forensische Psychiatrie Lippstadt.<br> Foto: LWL/Schufi

Genau ausgemessene 17 Runden geht es für die Läuferinnen und Läufer innerhalb des Sicherheitszaunes über das Gelände des LWL-Zentrums für Forensische Psychiatrie Lippstadt.
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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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