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10.09.26 | Kultur Zwischen Wandervogel und Hip-Hop

Neuer LWL-Band erzählt die Geschichte Jugendlicher in Westfalen

Cover des Bandes "Organisiert und in Bewegung. Jugendliche in Westfalen im 20. Jahrhundert" von Barbara Stambolis.

Cover des Bandes "Organisiert und in Bewegung. Jugendliche in Westfalen im 20. Jahrhundert" von Barbara Stambolis.
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Münster (lwl). 1965 spielten die Rolling Stones in Münster - ein Ereignis, das heute einen festen Platz im Gedächtnis der Region hat. Aber wer weiß noch, dass Kraftwerk, mittlerweile ebenfalls berühmt, 1970 in Soest auftraten - beim "Karussell der Jugend"? Die Jugendlichen aus und um Soest waren zwar zunächst irritiert, wie Mitschnitte des Events zeigen, dann jedoch durchaus begeistert. Für das kommende Jahr wünschten sie sich gleich Pink Floyd oder Frank Zappa auf die Allerheiligenkirmes. Mit 17 hat man schließlich noch Träume - auch in Westfalen. Den Hoffnungen und Wünschen junger Menschen, aber auch ihren Ängsten und Unsicherheiten geht Barbara Stambolis unter dem Titel "Organisiert und in Bewegung - Jugendliche in Westfalen im 20. Jahrhundert" im neuesten Band der Reihe "Regionalgeschichte kompakt" des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte nach.

"Jugendkulturell bedeutsame Entwicklungen in regionaler Perspektive zu untersuchen, ist eine Herausforderung und eine Chance," so die Autorin. "Zum einen geht es darum, Besonderheiten in der 'Nahaufnahme' zu beschreiben, zum anderen darum, internationale Trends angemessen zu berücksichtigen."

Auf 216 Seiten beschäftigt sich die Historikerin mit der Geschichte junger Menschen in Westfalen im 20. Jahrhundert. Sie nimmt Leser:innen mit an westfälische Orte des Jungseins und fragt nicht nur, welche überregionalen Trends und politischen Entwicklungen Jugendliche erreichten, sondern auch, wie diese vor Ort aufgenommen und gelebt wurden. So richtet Stambolis ihren Blick auf die Arbeiterjugend, die Wandervögel und junge jüdische Deutsche, die sich auf die Auswanderung nach Palästina vorbereiteten, ebenso wie auf Heranwachsende in Jugendorganisationen des Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit. Sie geht auf die Rolle der Beat- und Rockmusik als Ausdrucksformen jugendlichen Lebensgefühls sowie in den folgenden Jahrzehnten stark an popkulturellen Entwicklungen orientierten Jugendszenen der 1980er und 1990er Jahre ein. Die Autorin zeigt, wie Träume, Ängste und Freizeitgestaltung junger Menschen von Zeitumständen, Erziehungstraditionen sowie tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandlungsprozessen geprägt waren.

Manchmal kamen Impulse nicht nur in die, sondern auch aus der Region: Immerhin steht in Altena die älteste Jugendherberge der Welt. Doch warum eigentlich hier? "Westfalen eignete sich als Resonanzraum für die Sehnsucht nach heilen Mikrowelten, ländlicher Naturidylle, Burgenromantik und mittelalterlich anmutenden, überschaubaren Klein- und Mittelstädten", schreibt Stambolis.

Zahlreiche Bilder illustrieren den Band und geben einen Eindruck vergangener Lebensgefühle. Links und Literatur machen Lust auf eigene Recherche. Und vielleicht weckt das eine oder andere Bild auch Erinnerungen: an Bandwettbewerbe, die "Bravo" oder die Raucherecke auf dem Schulhof. Wer seine Erinnerungen an die eigene Jugend in Westfalen teilen möchte (mündlich oder schriftlich), ist aufgerufen, sich beim LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte unter wisskomm@lwl.org zu melden. Bei Teilnahme winkt ein Buchgewinn.

Barbara Stambolis: Organisiert und in Bewegung

Jugendliche in Westfalen im 20. Jahrhundert


Reihe: Regionalgeschichte kompakt; Bd. 5

216 Seiten, ca. 54 Abbildungen, 20 Euro
Wallstein Verlag - Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-8353-6228-4

Schulwandergruppe mit Blick auf Burg Altena, um 1912.<br>Fotograf: Richard Schirrmann © LWL-Medienzentrum für Westfalen.

Schulwandergruppe mit Blick auf Burg Altena, um 1912.
Fotograf: Richard Schirrmann © LWL-Medienzentrum für Westfalen.

Band und Jugendliche beim "Karussell der Jugend", um 1965, Soest.<br>Fotograf: Manfred Bauer © Kreisarchiv Soest.

Band und Jugendliche beim "Karussell der Jugend", um 1965, Soest.
Fotograf: Manfred Bauer © Kreisarchiv Soest.

The Navajos, Castrop-Rauxeler Beatband, 1966.<br>Fotograf: Hemut Orwat © LWL-Medienzentrum für Westfalen.

The Navajos, Castrop-Rauxeler Beatband, 1966.
Fotograf: Hemut Orwat © LWL-Medienzentrum für Westfalen.

Pressekontakt

Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

presse@lwl.org

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