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01.09.26 | Kultur Verborgener Streifenputz aus dem 16. Jahrhundert gerettet

LWL erklärt Hausfassade in Herford zum Denkmal des Monats September

Ansicht der Hauptfassade.<br>Foto: Markus Schmidt

Ansicht der Hauptfassade.
Foto: Markus Schmidt
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Herford (lwl). Manchmal sind es verborgene Orte, an denen sich außergewöhnliche Zeugnisse der Baugeschichte erhalten. So auch an der östlichen Trauffassade des Hauses Radewiger Straße 35 in Herford, deren historische Oberfläche über Jahrhunderte nahezu unberührt blieb. Dort haben sich seltene Reste eines Streifenputzes erhalten, einer dekorativ strukturierten Putzgestaltung der Renaissance. Der Putz wurde nun mit Unterstützung der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen gesichert und ist für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Denkmal des Monats September.

Das giebelständige Steinhaus wurde 1555 errichtet und gehört zu den bedeutenden Profanbauten der Herforder Altstadt. "Während die Schauseite des Gebäudes stets im öffentlichen Blick stand, war ursprünglich auch die östliche Trauffassade mit einer aufwändigen Putzoberfläche repräsentativ gestaltet", erklärt LWL-Restauratorin Franziska Tretow. "Durch unterschiedliche Bearbeitungstechniken wurden hier plastische Muster aus Rauten und Streifen sowie ein fein abgestuftes Licht- und Schattenspiel erzeugt." Wiederentdeckt hat die Putzreste im Jahr 2020 im Rahmen einer bauhistorischen Untersuchung der damilige LWL-Denkmalpfleger Dr. Fred Kaspar.

"Der Erhaltungszustand war jedoch kritisch", so LWL-Restauratorin Tretow. "Eindringendes Regenwasser, dauerhafte Feuchtigkeit und dichter Pflanzenbewuchs hatten die historische Substanz erheblich geschädigt. Die Folge waren lockere Putzpartien, Hohlstellen und aufstehende Putzränder." Der Eigentümer hat die restauratorische Erfassung und Notsicherung mit fachlicher und finanzieller Unterstützung des LWL-Denkmalfachamtes und der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Herford veranlasst. Im Mittelpunkt der Maßnahmen stand die Sicherung des Originals. "Nach einer behutsamen Reinigung wurden gefährdete Bereiche mit speziell abgestimmten, zementfreien Kalkmörteln gesichert, Hohlstellen hinterfüllt und geschwächte Partien gefestigt", erklärt Tretow. "Sämtliche Mörtelrezepturen orientieren sich an den historischen Baustoffen."

Die Arbeiten stellten den Restaurator vor besondere Herausforderungen: Der Traufgang zwischen den Gebäuden ist so schmal, dass kein Standard-Gerüst hineinpasste, eine individuelle Holzkonstruktion musste angefertigt werden.

"Der Streifenputz von der Radewiger Straße 35 zeigt eindrucksvoll, dass sich selbst - oder manchmal erst recht - an unscheinbaren Gebäudeseiten bedeutende Zeugnisse der Bau- und Handwerksgeschichte erhalten können", so Tretow. "Ihre Erforschung und Sicherung erweitert unser Wissen über die historische Gestaltung von Stadtarchitektur und bewahrt in Herford zugleich ein seltenes Original für die Zukunft."

Hintergrund: Besondere Putztechnik der Renaissance

Die Untersuchungen zeigen, dass der Kalkputz mit einer raffinierten Kombination aus Press-, Ritz- und Kratztechniken gestaltet wurde. Diagonal und horizontal verlaufende Linien formen ein lebendiges Muster aus Streifen und Rauten. Unterschiedlich bearbeitete Oberflächen erzeugen ein fein abgestuftes Licht- und Schattenspiel. Technologisch zählt die Ausführung im weitesten Sinne zu den Sgraffitotechniken und zeigt eine hohe handwerkliche Qualität der Gestaltung. Darüber hinaus konnten Reste einer vermutlich bauzeitlichen ockerfarbenen Kalkfassung nachgewiesen werden. Mit der Notsicherung konnte ein seltenes Zeugnis der Fassadengestaltung des 16. Jahrhunderts dauerhaft stabilisiert werden. Zugleich liefern die Untersuchungen neue Erkenntnisse über die qualitätvolle Gestaltung bürgerlicher Steinbauten der Renaissance in Westfalen.

Eingang durch den grünen Bewuchs in das Traufgässchen.<br>Foto: Markus Schmidt

Eingang durch den grünen Bewuchs in das Traufgässchen.
Foto: Markus Schmidt

Rautenförmiges Detail der Gestaltung.<br>Foto: Markus Schmidt

Rautenförmiges Detail der Gestaltung.
Foto: Markus Schmidt

Detailaufnahme der diagonalen Streifen.<br>Foto: Markus Schmidt

Detailaufnahme der diagonalen Streifen.
Foto: Markus Schmidt

Detailaufnahme des Licht- und Schattenspiels.<br>Foto: Markus Schmidt

Detailaufnahme des Licht- und Schattenspiels.
Foto: Markus Schmidt

Zustand vor der Notsicherung, Hohlstellen, Vergrünung und aufstehende Putzkanten.<br>Foto: Franziska Tretow

Zustand vor der Notsicherung, Hohlstellen, Vergrünung und aufstehende Putzkanten.
Foto: Franziska Tretow

Gesicherte Putzbereiche. Die Hohlstellen im Putz wurden vorsichtig hinterfüllt und die abstehenden Kanten des Streifenputzes mit einem angepassten Kalkmörtel angeböscht.<br>Foto: Markus Schmidt

Gesicherte Putzbereiche. Die Hohlstellen im Putz wurden vorsichtig hinterfüllt und die abstehenden Kanten des Streifenputzes mit einem angepassten Kalkmörtel angeböscht.
Foto: Markus Schmidt

Pressekontakt

Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

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