01.09.26 | Kultur Spicken verboten
Zum Schulstart zeigt Dalheimer Ausstellung kuriose Prüfungshilfe aus den 1950er Jahren
Gut getarnt ist halb gelernt: Für viele ein Kavaliersdelikt, kann schon das Mitführen eines Spickers bei Prüfungen als Täuschungsversuch gewertet werden. Dieser ausgefeilte Spickzettel in einer Armbanduhr stammt aus den 1950er Jahren und ist eine Leihgabe des Schulmuseums Nürnberg.
Foto: Georg Pöhlein, Erlangen
Statt eines klassischen Zifferblatts verbirgt sie einen handgeschriebenen Spickzettel auf einer drehbaren Rolle. Die dezente Prüfungshilfe am Handgelenk ist eine Leihgabe des Nürnberger Schulmuseums und aktuell in der Sonderausstellung "Die Macht der Regeln! Zwischen Freiheit und Kontrolle" der Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur zu sehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. Mai 2027.
"Regelbrüche gehören zu unserem Alltag. Sie locken uns mit dem Reiz des Verbotenen oder verschaffen einen persönlichen Vorteil", weiß Dr. Ingo Grabowsky, Direktor des Museums. "Der Spickzettel ist ein absoluter Klassiker, wenn es ums Schummeln in der Schule geht. Seine Vorbereitung erfordert Kreativität, Geschick und die Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsstoff. Wer heute mit Hilfe Künstlicher Intelligenz schummelt, braucht das nicht mehr unbedingt."
Während manche das Spicken oder Schummeln für ein Kavaliersdelikt halten, gilt es an Schulen und Universitäten als unerlaubter Täuschungsversuch und kann erhebliche Konsequenzen haben - bis hin zum Nichtbestehen einer Prüfung. Grabowsky: "Der Blick auf sogenannte Kavaliersdelikte zeigt, dass die rechtliche Bewertung eines Regelbruchs nicht immer mit der persönlichen Einschätzung übereinstimmt. Regelbrüche fordern unser Wertesystem heraus. Deshalb verhandeln wir privat wie gesellschaftlich immer wieder darüber, welches Verhalten akzeptabel ist - und welches nicht."
Für den Schulstart gilt also weiterhin: Spicken verboten. Wer trotzdem einen Blick auf die ungewöhnliche Lernhilfe am Handgelenk werfen möchte, ist in Dalheim genau richtig.
Hintergrund
Die Sonderausstellung "Die Macht der Regeln! Zwischen Freiheit und Kontrolle" lädt dazu ein, Regeln aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Sie zeigt, warum Menschen Regeln aufstellen, warum sie sie befolgen - und weshalb sie sie manchmal brechen. Anhand ungewöhnlicher Objekte und anschaulicher Geschichten geht die Ausstellung der Frage nach, wie Regeln den Alltag prägen und wo die Grenze zwischen Freiheit und Kontrolle verläuft.
"Die Macht der Regeln! Zwischen Freiheit und Kontrolle" ist noch bis zum 30. Mai 2027 in der Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur zu sehen.
Pressekontakt
Maria Tillmann, Stiftung Kloster Dalheim - LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Telefon: 05292 9319-114, maria.tillmann@lwl.org und Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
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