31.08.26 | Soziales Traumberuf in der Kfz-Werkstatt:
Mit Jobcoaching hat Pascal Vogt den Sprung vom Praktikum auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft
Thema Jobcoaching zunächst skeptisch gegenüber. Doch schon bald war er überzeugt, dass die Unterstützung, die Jobcoach Lea Diekmann Pascal Vogt (m.) und dem gesamten Betrieb bot, einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Vermittlung geleistet hat.
Foto: Philipp Kruse
"Der Weg dorthin zeigt, wie wichtig eine frühzeitige und passgenaue berufliche Orientierung, Zeit zum Lernen und individuelle Unterstützung sein können", sagt Kristina Steffen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Vogt besuchte bis 2025 die Schule im FiLB in Gütersloh, eine Schule für junge Menschen mit Förderbedarf im Bereich der geistigen Entwicklung. Im Rahmen der Landesinitiative KAoA-STAR (Kein Abschluss ohne Anschluss - STAR) hat der Integrationsfachdienst (IFD) Bielefeld/Gütersloh im Auftrag des LWL-Inklusionsamtes Arbeit den jungen Mann bei der beruflichen Orientierung begleitet.
Schon früh war klar: Pascal Vogt wollte unbedingt in einer Kfz-Werkstatt arbeiten. Gleichzeitig stellten ihn neue Situationen und schulische Anforderungen wie Lesen, Schreiben und Rechnen vor große Herausforderungen. Bei der Potenzialanalyse und der anschließenden Berufsfelderkundung war er häufig so nervös, dass er Aufgaben möglichst schnell erledigen wollte. Zeitweise dachte er sogar darüber nach, die Berufsorientierung abzubrechen. Sein Berufswunsch blieb jedoch bestehen.
Aus dem Praktikum wurde ein fast zweijähriger Lernprozess
Im September 2023 begann Vogt sein Praktikum bei "Autoservice Bostan". Aus der zunächst kurzen Praxisphase wurde ein außergewöhnlich langer und intensiver Lernprozess. Bis zum Ende seiner Schulzeit im Juni 2025 war er regelmäßig in der Werkstatt. Über fast zwei Jahre lernte er die Abläufe kennen, probierte Tätigkeiten aus und entwickelte Schritt für Schritt mehr Sicherheit.
"Pascal war von Anfang an ein besonderer Praktikant: motiviert, mit echtem Interesse, immer pünktlich und freundlich. Er war sich für keine Arbeit zu schade und wollte neue Dinge und Aufgaben lernen", sagt Geschäftsführer Yasar Bostan. Gleichzeitig war die Situation auch für den kleinen Familienbetrieb eine Herausforderung. Pascal konnte zunächst nur wenige Aufgaben selbstständig übernehmen und traute sich häufig nicht, nachzufragen, wenn er unsicher war.
Ein wichtiger Wendepunkt war deshalb der Beginn des Jobcoachings am Arbeitsplatz im September 2024. Jobcoach Lea Diekmann begleitete Pascal Vogt regelmäßig direkt im Betrieb. Gemeinsam mit ihm und dem Arbeitgeber entwickelte sie Strukturen und Hilfsmittel, die ihm halfen, Arbeitsabläufe Schritt für Schritt selbstständiger zu bewältigen. Dazu gehörten bebilderte Arbeitskarten mit Abhaksystem, klar strukturierte Ablaufpläne, visuell gekennzeichnete Lagerbereiche sowie angepasste Messbecher und Rechenhilfen für Flüssigkeitsmengen und Gewichte.
"An diesem Jobcoaching-Fall sieht man, dass es sich lohnt, in einen Lern- und Entwicklungsprozess über einen so langen Zeitraum zu vertrauen. Über 1,5 Jahre ist hier ein junger Mann kontinuierlich über sich hinausgewachsen und hat Ziele erreicht, die ihm niemand, inklusive mir selbst, zugetraut hätte", sagt Diekmann. "Klar ist aber auch, dass er ohne ein Unterstützungssystem durch Elternhaus, Arbeitgeber und die begleitenden Hilfen des Integrationsfachdienstes und des Jobcoaches heute nicht an diesem Punkt stehen würde."
Neben den Jobcoaching spielte das sogenannte Jobcarving eine wichtige Rolle: Dabei wurden Tätigkeiten identifiziert, die besonders gut zu Pascals Fähigkeiten passten. So konnte er zunehmend mehr Aufgaben eigenständig übernehmen. Gleichzeitig lernte er, bei Unsicherheiten Fragen zu stellen und Unterstützung einzufordern.
"Ich wollte zunächst kein Jobcoaching und war skeptisch. Ich dachte: Was soll ein Jobcoach, der nicht vom Fach ist, Pascal schon beibringen? Nach etwa einem Monat habe ich verstanden, worum es geht - und dass Jobcoaching wirklich helfen kann", sagt Bostan. Sein anfänglicher Vorbehalt wich der Überzeugung, dass die Unterstützung für Pascal und den gesamten Betrieb einen wichtigen Unterschied macht. Auch Pascal selbst bemerkt die Veränderung: "Durch das Jobcoaching habe ich neue Aufgaben bekommen. Rechnen und Geld zählen ist jetzt einfacher als vorher."
Technische Unterstützung schafft zusätzliche Möglichkeiten
Das Jobcoaching war nicht die einzige Maßnahme: Der Technische Beratungsdienst des LWL-Inklusionsamtes Arbeit nahm den Arbeitsplatz unter die Lupe. Gemeinsam mit dem Betrieb prüfte Wolfgang Schmid vom Technischen Beratungsdienst, wie die Arbeitsbedingungen weiter verbessert werden konnten. Dabei zeigte sich, dass eine andere Wuchtmaschine, die zum Auswuchten von Rädern verwendet wird, für Pascal leichter zu bedienen ist. Das LWL-Inklusionsamt Arbeit förderte die Anschaffung und stellte die Maschine dem Betrieb bereits während des Praktikums zur Verfügung.
Seit September 2025 arbeitet Vogt 20 Stunden pro Woche in der Werkstatt der Firma Bostan. Sein Arbeitsplatz wird unter anderem über einen Eingliederungszuschuss der Agentur für Arbeit sowie über das LWL-Budget für Arbeit gefördert. Die finanzielle Unterstützung ist für den Betrieb ein wichtiger Baustein: "Ohne die Unterstützung durch das Jobcoaching und die finanzielle Förderung wäre es vielleicht nicht zu einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis gekommen", sagt Bostan.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war die Haltung des Arbeitgebers. "Mein Motto ist: Zeit geben und geduldig sein. Pascal braucht einfach mehr Zeit zum Lernen - und die geben wir ihm", sagt Bostan. Fehler dürften passieren, entscheidend sei, daraus zu lernen. Diese Haltung werde vom gesamten Team mitgetragen. "Inzwischen ist Pascal für mich ein Mitarbeiter wie jeder andere im Team", sagt Bostan.
Für Pascal Vogt hat sich der lange Weg gelohnt. "Ich fühle mich hier richtig gut aufgenommen. Das Team ist für mich wie eine zweite Familie. Yasar ist der beste Chef der Welt. Die Arbeitsstelle hier ist mein Traumjob", sagt er.
Diese Entwicklung haben auch seine Eltern intensiv begleitet. "Der Weg in Richtung erster Arbeitsmarkt war für uns nicht immer einfach. Wir fühlten uns manchmal zwischen den Stühlen, gerade wenn Pascal lange im Praktikum war und seine Mitschüler bereits Unterrichtsschluss und Freizeit hatten. Umso glücklicher und dankbarer sind wir heute, dass er in seinem Traumberuf arbeiten kann", sagt Pascals Mutter.
"Die Erfolgsgeschichte macht deutlich: Inklusion am Arbeitsplatz braucht nicht nur den Willen eines einzelnen Menschen. Sie braucht Betriebe, die Chancen geben, Unterstützungssysteme, die passgenaue Hilfen ermöglichen, und ein Netzwerk, das gemeinsam nach Lösungen sucht", sagt Steffen.
Jobcoach Lea Diekmann (l.) begleitete Pascal Vogt regelmäßig direkt im Betrieb. Gemeinsam mit ihm und dem Arbeitgeber entwickelte sie Strukturen und Hilfsmittel, die ihm halfen, Arbeitsabläufe Schritt für Schritt selbstständiger zu bewältigen.
Foto: Philipp Kruse
Inklusion am Arbeitsplatz kann nur gelingen, wenn ein Netzwerk gemeinsam nach Lösungen sucht, das sind sich Geschäftsführer Yasar Bostan (v.l.), Pascal Vogt, Jobcoach Lea Diekmann und Yvonne Mehring-Goppold vom IFD einig.
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Pressekontakt
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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