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26.08.26 | Psychiatrie "Nicht von null auf hundert!"

LWL-Expert:innen geben Tipps für einen gelungenen Schulstart

Geben Tipps zum Schulstart: Prof. Dr. Tobias Falke und Dr. Heidi Igl.<br>Bild: LWL/privat

Geben Tipps zum Schulstart: Prof. Dr. Tobias Falke und Dr. Heidi Igl.
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Dortmund (lwl). Die Sommerferien gehen zu Ende, der Schulstart steht bevor. Für Kinder und Jugendliche bedeutet das, wieder in einen strukturierten Alltag mit festen Zeiten, Unterricht und sozialen Kontakten zurückzufinden. Dr. Heidi Igl und Prof. Dr. Tobias Falke vom Klinikum Marl-Dortmund-Elisabeth-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) geben Tipps, wie Eltern ihren Kindern dabei helfen können.

Frage: Wie können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, den Wechsel von den Ferien in den Schulalltag gut zu bewältigen?

Prof. Dr. Tobias Falke:
Vor allem sollten Eltern nicht versuchen, von null auf hundert umzuschalten. Ein paar Tage vor Schulbeginn können sie wieder mehr Struktur schaffen: morgens etwas früher aufstehen, Mahlzeiten und Abläufe regelmäßiger gestalten und gemeinsam letzte Vorbereitungen treffen. Ein "Ferienende-Trainingslager" braucht es aber nicht.

Frage: Welche Rolle spielt der Schlaf beim Wiedereinstieg?

Dr. Heidi Igl:
Der Schlaf spielt eine große Rolle. Nach den Ferien muss sich der Körper vieler Kinder und Jugendlicher erst wieder an die früheren Schlaf- und Aufstehzeiten gewöhnen. Deshalb ist es sinnvoll, diese Zeiten einige Tage vor Schulbeginn schrittweise anzupassen. Wichtig ist dabei nicht die perfekte Uhrzeit, sondern ausreichend und möglichst regelmäßig zu schlafen. Das unterstützt Aufmerksamkeit, Stimmung und die Fähigkeit, mit Gefühlen und Anforderungen umzugehen.

Frage: Und was ist mit den Mitschülerinnen und Mitschülern, die man in den Ferien vielleicht kaum gesehen hat?

Prof. Dr. Tobias Falke:
Das würde ich ausdrücklich mitdenken. Schule ist nicht nur ein Lernort, sondern auch ein wichtiger sozialer Lebensraum. Es kann Kindern helfen, vor dem ersten Schultag wieder Kontakt zu Mitschülerinnen und Mitschülern aufzunehmen, etwa durch eine Nachricht oder eine Verabredung. Bei einem Schul- oder Klassenwechsel geht es eher darum, erste Kontakte anzubahnen. Wichtig ist: Das sollte ein Angebot sein und kein zusätzlicher Pflichttermin.

Frage: Wie sollten Eltern reagieren, wenn ihr Kind mit Sorgen und Ängsten auf den Schulstart blickt?

Dr. Heidi Igl:
Zunächst einmal zuhören und konkret nachfragen: Worauf freust du dich? Was wird wahrscheinlich schwierig? Gibt es etwas, das dir Sorgen macht? Negative Gefühle sollte man nicht mit einem "Das wird schon" abtun. Besser ist es, diese erst zu nehmen und gemeinsam zu überlegen, was helfen könnte. Wenn Ängste überhandnehmen und körperliche Beschwerden auftreten oder ein Kind den Schulbesuch vermeiden möchte, heißt es: genau hinschauen und sich frühzeitig Unterstützung holen. Hierzu stehen zum Beispiel Beratungsstellen der Jugendhilfe sowie die Kinder- und Jugendpsychiatrie zur Verfügung.

Frage: Sollten Eltern mit ihren Kindern vor Schulbeginn noch einmal üben?

Prof. Dr. Tobias Falke:
Das ist in der Regel nicht notwendig. Sinnvoller ist es, Orientierung herzustellen: Wo ist meine Schultasche? Wie sieht mein Stundenplan aus? Wie läuft der Morgen ab? Was fehlt noch an Materialien? Kinder können dabei altersentsprechend mitentscheiden und Verantwortung übernehmen.

Frage: Was ist ihr gemeinsamer Rat für die erste Schulwoche?

Dr. Heidi Igl:
Nicht jedes Zeichen von Müdigkeit und Unlust problematisieren. Der Wiedereinstieg kostet die jungen Menschen viel Energie. Deshalb sind ausreichend Schlaf, Bewegung, freie Zeit und verlässliche Abläufe gerade jetzt sehr wichtig.

Prof. Dr. Tobias Falke: Und den Kalender möglichst nicht wieder komplett füllen. Schule, Freunde und Alltag bringen in dieser Woche bereits genug Veränderungen mit sich. Ein Nachmittag an der frischen Luft kann hilfreicher sein als ein zusätzliches Arbeitsblatt.

Fünf LWL-Tipps für einen guten Schulstart:

Rhythmus langsam zurückholen


Schlafens- und Aufstehzeiten in den letzten Ferientagen schrittweise wieder an den Schulalltag anpassen.

2. Kontakte auffrischen

Mitschüler und Mitschülerinnen wiedersehen oder erste Kontakte anbahnen.

3. Gemeinsam vorbereiten

Schultasche, Stundenplan und notwendige Materialien in Ruhe organisieren.

4. Gefühle ernst nehmen

Vorfreude, Unlust und Sorgen ansprechen, zuhören und gemeinsam nach Lösungen suchen.

5. Luft lassen

Die erste Schulwoche nicht mit zusätzlichen Terminen und Lernprogrammen überfrachten. Zeit zum Schlafen, Bewegen, Erholen und Ankommen einplanen.

INFO

Am 30. September geben Dr. Heidi Igl, Prof. Tobias Falke und Anja Esch Einblicke in das Thema Schulabsentismus. Sie vermitteln Eltern und anderen Interessierten konkrete Tipps, wie sie betroffene Kinder und Jugendliche unterstützen können, und bieten Raum für Austausch und Fragen. Diese Veranstaltung findet im LWL-Klinikum Marl-Dortmund - Elisabeth-Klinik, Mausbruchstraße 162a, 44287 Dortmund, statt und richtet sich an alle Interessierten. Weitere Informationen folgen.

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Pressekontakt

Kerstin Seifert, LWL-Klinikum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Marl-Dortmund - Haardklinik, Tel.: 02365/802-2126, E-Mail: kerstin.seifert@lwl.org und Thorsten Fechtner, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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