21.08.26 | Psychiatrie Wenn Gaming zur Sucht wird
LWL-Uniklinikum Bochum hilft bei Abhängigkeit von Computerspielen oder Social Media
Jonas Cioch (23) geriet als Student in Bochum in eine Social Media- und Computerspiel-Sucht.
Bild: LWL/Nikolaus Urban
Bochum (lwl). Zur Gamescom 2026 werden ab Mittwoch (26.8.) mehr als 300.000 Besucher:innen in Köln erwartet. Für viele ist Gaming ein Hobby - für manche wird es allerdings zur Sucht. Mehr als eine Million Kinder und Jugendliche haben laut einer DAK-Studie einen riskanten oder krankhaften Medienkonsum. Die Universitätsklinik Bochum für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) kann dabei helfen.
Jonas Cioch hat das hautnah erlebt: "Es ging nichts mehr ohne Handy oder PC. In den Hochphasen hatte ich eine Bildschirmzeit von zehn Stunden am Tag", erzählt der 23-jährige Student aus Bochum. Was als Ablenkung in einer schwierigen Lebensphase begann, entwickelte sich zu einer Sucht. "Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich es alleine nicht da 'rausschaffe", sagt er.
Der übermäßige Medienkonsum führte dazu, dass er andere Lebensbereiche stark vernachlässigte. "Mein Privatleben und mein Studium haben darunter sehr gelitten. Ich wollte endlich wieder ein Leben außerhalb meines Zimmers führen", sagt Cioch.
Seit rund einem Jahr besucht er deshalb eine Gruppentherapie für Mediensüchtige an der LWL-Universitätsklinik in Bochum und hat die Kontrolle über sein Leben zurückgewonnen. "Die LWL-Klinik hat mir auf jeden Fall sehr geholfen", sagt er.
Prof. Dr. Georgios Paslakis, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LWL-Universitätsklinikum Bochum, erklärt: "Digitale Süchte sind gut behandelbar. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) hilft nachweislich dabei, problematische Nutzungsmuster zu erkennen, zu verändern und gesunde Strategien im Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln."
In unserer LWL-Story erzählt Georgios Paslakis, warum eine Mediensucht entsteht, welche Warnsignale Betroffene ernst nehmen sollten und weshalb professionelle Hilfe oft entscheidend ist.
Das kann auch Jonas Cioch bestätigen: "Wenn ich meinem ehemaligen Ich einen Rat geben würde, ist das auf jeden Fall, mach die Therapie. Hol dir Hilfe, weil wir beide wissen, das wird alleine nichts."
Hintergrund
Die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LWL-Universitätsklinikum Bochum macht in Sachen Mediensucht mit OMPRIS aus einem erfolgreichen Forschungsprojekt ab dem 1. September 2026 ein regelmäßiges Hilfsangebot: OMPRIS ist ein Onlinebasiertes Motivationsprogramm zur Reduktion des problematischen Medienkonsums und Förderung der Veränderungsmotivation bei Menschen mit Computerspielabhängigkeit und Internetsucht.
Wer das Gefühl hat, keine Kontrolle mehr über die Internet- und Smartphonenutzung zu haben, und die eigene Computerspiel- oder Streamingzeit reduzieren möchte, es aus eigener Kraft bisher aber nicht geschafft hat, kann sich an OMPRIS richten. Hier unterstützen Expert:innen über mehrere Wochen hinweg durch regelmäßige Online-Einzelgespräche dabei, das eigene Internetnutzungsverhalten zu verändern und Motivation zur Verhaltensänderung zu stärken.
Kontakt: Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, LWL-Universitätsklinikum Bochum, Alexandrinenstraße 1-3, Tel: 0234 5077-3333
Achtung Redaktionen
Gern vermitteln wir Ihnen die Gesprächspartner für Interviews oder Hintergrundgespräche.
Gesprächspartner:
- Jonas Cioch (23): Betroffener aus Bochum, der offen über seine Social-Media- und Computerspielsucht, den Weg in die Therapie und seine Rückkehr ins echte Leben spricht.
- Prof. Dr. Georgios Paslakis: Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LWL-Universitätsklinikum Bochum, der das Phänomen medizinisch einordnet und praktische Hinweise für Betroffene und Angehörige gibt.
Zusammen mit Jonas Cioch (l.) bespricht Prof. Dr. Georgios Paslakis von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LWL-Universitätsklinikum Bochum die nächsten Therapieschritte.
Bild: LWL/Nikolaus Urban
Prof. Dr. Georgios Paslakis ist Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LWL-Universitätsklinikum Bochum.
Bild: LWL/Nikolaus Urban
Pressekontakt
Thorsten Fechtner, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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