30.07.26 | Kultur Erste prähistorische Siedlung im Südwesten Bochums entdeckt
Keramik und ein rätselhafter Graben
Mit mehreren Sondageschnitten untersuchte die LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Olpe im Juni die Fläche in Bochum-Linden.
Foto: LWL-AfW/Daniel Riemenschneider
Der fruchtbare Boden und die siedlungsgünstige Lage im Umfeld der Ruhr und die Nähe zu anderen Wasserläufen ließen die Fachleute der LWL-Archäologie für Westfalen vermuten, dass die Fläche schon in früheren Zeiten besiedelt wurde. Eine erste Sondierung im Juni brachte dann Gewissheit. "Wir konnten tatsächlich in einem Teilbereich Gruben und Gräben einer Hofstelle erfassen", erläutert LWL-Archäologin Dr. Eva Cichy.
Da die Fläche ein leichtes Gefälle aufweist hatten sich im tiefer gelegenen Osten unterhalb einer durch Erosion entstanden Schicht (Kolluvium) letzte Reste des Siedlungsplatzes erhalten. In einem flachen Graben fand das Team einen verzierten Spinnwirtel aus Keramik (Teil einer Handspindel), der auf Textilherstellung vor Ort verweist.
Ausgrabung bringt 2500 Jahre alte Schüssel und einen rätselhaften Graben ans Licht
Im Juli öffnete eine archäologische Fachfirma um die ersten entdeckten Befunde herum eine Grabungsfläche. Einige weitere große und kleine Gruben kamen zutage, die meisten waren nur noch recht flach erhalten. "Durch die Erosion ist ein Großteil der ehemaligen Siedlungsspuren schon zerstört worden, bevor sich das Kolluvium darüber gebildet hat", erklärt Grabungsleiter Philipp Bockelbrink.
Auffälliger ist ein besonderer Befund: ein noch gut ein Meter tief erhaltener, kurzer Graben: "Er war mit Brandschutt verfüllt worden, und auf der Sohle konnten wir bereits bei der Voruntersuchung ein halbes Gefäß bergen", berichtet Cichy.
Grabungstechnikerin Celine Bariszlovich konnte nun bei der im Juli abgeschlossenen Grabung tatsächlich den zweiten Teil der kleinen Schüssel aus der restlichen Verfüllung bergen, deren Alter die Fachleute auf etwa 2.500 Jahre schätzen. Hier stellt sich die Frage, ob die Keramik vielleicht absichtlich auf dem Boden des tiefen Gräbchens deponiert wurde. Der ungewöhnliche Grabenbefund gibt den Archäolog:innen noch Rätsel auf. Weitere wissenschaftliche Auswertungen werden den offenen Fragen auf den Grund gehen.
Mit kleinen Sondageschnitten kann der Bodenaufbau und die Erhaltungsbedingungen für archäologische Relikte überprüft werden.
Foto: LWL-AfW/Daniel Riemenschneider
Durch eine archäologische Fachfirma wurde im Anschluss eine kleine Grabung im Bereich der entdeckten Siedlungsspuren durchgeführt.
Foto: LQArchaeologie
Schmal, tief und mit Brandschutt verfüllt; ein ungewöhnlicher kurzer Graben lässt die Archäolog:innen rätseln.
Foto: LQArchaeologie
Ein weiterer schöner Fund ist der verzierte Spinnwirtel.
Foto: LWL-AfW/Daniel Riemenschneider
Studentische Volontärin Tabea Blatzheim hat gepuzzelt und die eine Hälfte einer kleinen Schüssel rekonstruiert.
Foto: LWL-AfW/ Thomas Poggel
Pressekontakt
Sandra Görtz, LWL-Archäologie für Westfalen, Tel.: 0251 591-8946 und Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
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