24.07.26 | Kultur Architekturwettbewerb zu Stalag-Gedenkstätte hat Gewinner
Ausstellung in Münster
Ausstellung Innenbereich "Prolog"
ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung/Ausstellung/Aktion und nur mit Urhebernennung
Foto: ATELIER BRÜCKNER
Ein Preisgericht hatte über insgesamt 14 Entwürfe für den Neubau des Eingangsgebäudes, die denkmalgerechte Sanierung der drei Bestandsbaracken und eine szenografische Bearbeitung des ehemaligen Lagergeländes aus dem Zweiten Weltkrieg beraten. Eine Ausstellung in Münster zeigt seit Freitag (24.7.) die Entwürfe.
"Unsere Aufgabe ist, die Geschichte des Stammlagers 326 und die Gräueltaten, die dort verübt worden sind, sichtbar zu machen", so die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. Der Architekturwettbewerb habe hierfür einen sehr wichtigen Beitrag geleistet.
"Die Arbeit des ersten Preisträgers zeichnet sich durch den annähernd vollständigen Erhalt des Bestandes auf dem Areal aus", heißt es in der Begründung der Jury. Die "historische Schicht" des Lagers werde in die vorhandenen Zeitschichten eingeschrieben und nachvollziehbar gemacht. Der für das Eingangsgebäude gewählte eingeschossige Gebäudetypus mit seiner unprätentiösen Holzfassade, füge sich schlüssig ins Areal und in die Bestandsflächen ein. Materialweise, Farbgebung und Bauweise überzeugten.
Aus insgesamt 330 eingegangenen Bewerbungen, darunter auch 20 internationale Teams aus verschiedenen europäischen Ländern, waren die 14 Teilnehmenden ausgewählt worden. Die Teilnahme am Architekturwettbewerb war ausschließlich interdisziplinären Teams aus Architektur, Landschaftsarchitektur und Szenografie möglich.
Im Preisgericht waren Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik und Verwaltung, Vertreterinnen und Vertreter des Fördervereins sowie die stimmberechtigten Fach- und Sachpreisrichter:innen zusammengekommen, um die besten Arbeiten zu würdigen.
"Ziel des Wettbewerbs war es, die bestehende Gedenkstätte konzeptionell und gestalterisch weiterzuentwickeln", erläuterte Matthias Gundler, Betriebsleiter beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). "Mit diesem Verfahren wird sichergestellt, dass sowohl gestalterische als auch inhaltliche Aspekte der zukünftigen Gedenkstätte berücksichtigt werden."
"Es gilt nun, einen würdigen Ort des Erinnerns zu schaffen, der die Geschichte sichtbar macht und gleichzeitig neue Formen der digitalen Vermittlung ermöglicht", so Rüschoff-Parzinger weiter. Sie freue sich, dass trotz der "herausragenden zeitgemäßen und multimedialen Vermittlung" der Entwurf unter dem in der Auslobung vorgegebenen Budget liege.
Prof. Volker Droste, der als Architekt das Preisgericht leitete, zeigte sich erfreut über das Wettbewerbsergebnis und betonte "die gesellschaftliche Notwendigkeit, solche herausragenden Projekte im Rahmen von Architektenwettbewerben zu einem sinnhaften Ergebnis zu bringen".
Der zweite Preis ging an das Team JSWD Architekten GmbH & Co. KG, Köln. Der dritte Preis ging an das Team um D lnka Scheible Hoffmann Lewald Architekten BDA, Stuttgart.
Alle 14 Arbeiten sind in einer Ausstellung im LWL-Landeshaus in Münster bis zum 3. August zu sehen (geöffnet montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr). Online sind sie auf den bekannten Architekturplattformen im Internet veröffentlicht.
Hintergrund
Die bisherige Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne, während des Zweiten Weltkriegs das vermutlich größte Kriegsgefangenenlager im Deutschen Reich, soll zu einer Gedenkstätte von nationaler und internationaler Bedeutung weiterentwickelt werden.
Zwischen 1941 und 1945 war das Stammlager, kurz "Stalag", mit mehr als 300.000 internierten Menschen zentraler Bestandteil eines Lagersystems für Kriegsgefangene. Das Stalag 326 in Stukenbrock-Senne, einem Ortsteil der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock im Kreis Gütersloh, diente als Durchgangs- und Verteilungslager für den gesamten "Wehrkreis VI", der in großen Teilen dem heutigen Nordrhein-Westfalen entspricht.
Die Kriegsgefangenen mussten im Bergbau und der Montanindustrie, in kleineren Betrieben und in der Landwirtschaft Zwangsarbeit leisten. Viele von ihnen starben durch Mangelernährung, unzureichende medizinische Versorgung und schlechte hygienische Verhältnisse.
Der nahegelegene "Ehrenfriedhof sowjetischer Kriegstoter" ist eine der größten Kriegsgräberstätten in der Bundesrepublik Deutschland. Besucher:innen werden auf die Zahl von 65.000 Toten hingewiesen, begrabenen in 36 Massengräberreihen. Bislang konnten rund 15.000 Opfer identifiziert werden.
1. Preis
Atelier Brückner GmbH, Stuttgart
Michel Casertano, Architekt mit
Koeber Landschaftsarchitektur GmbH, Stuttgart
Joachim Köber, Landschaftsarchitekt mit
Atelier Brückner GmbH, Stuttgart
Kathrin Milic-Grunwald, Designer, MA European Media & Arts
2. Preis
JSWD Architekten GmbH & Co. KG, Köln
Frederik Jaspert, Dipl.-Ing. Architekt mit
RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn
Prof. Stephan Lenzen, Landschaftsarchitekt mit
Tamschick Media+Space GmbH, Berlin
Marc Tamschick, Szenograf und Mediendesigner
3. Preis
D lnka Scheible Hoffmann Lewald Architekten BDA, Stuttgart
Gabriele D lnka, Albrecht Scheible, Bärbel Hoffmann, Marco Lewald
Bärbel Hoffmann, Architektin
Marco Lewald, Architekt mit
Glück Landschaftsarchitektur GmbH, Stuttgart
Michael Glück, Dipl.-lng. (FH) freier Landschaftsarchitekt mit
jangeld nerves GmbH, Stuttgart
Prof. Thomas Hundt, Architekt
Anerkennung
Neff & Jensen Entwurfsbüro Gbr, München
Jacob Neff, Architekt mit
OTTL.LA Landschaftsarchitekten
Schöberl Hövelmann PartG mbB, München
Lars Schöberl, Landschaftsarchitekt
Lucas Hövelmann, Landschaftsarchitekt mit
h.und.b communication, München
Christian Georg Hölzl, Diplom-Designer (FH)
Link zu Mediendossier über die Stalag-Gedenkstätte: https://www2.lwl.org/de/LWL/portal/presse/dossiers/gedenkstattenausbau-des-kriegsgefangenenlagers-stalag-326/
Ausstellung Außenbereich "Verlorene Elemente"
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Foto: ATELIER BRÜCKNER
Das Preisgericht bei der Arbeit.
Foto: Thomas Geppert / DHP-Sennestadt, Bielefeld
Lageplan.
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Foto: ATELIER BRÜCKNER
Perspektive Eingang.
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Foto: ATELIER BRÜCKNER
(v.l.) Prof. Dr.-Ing. Volker Droste, Leiter des Preisgerichts, Architekt Michel Casertano vom Atelier Brücker GmbH, Stuttgart (1. Preis) und Matthias Gundler, Betriebsleiter beim LWL-Bau- und Liegenschaftsbetrieb.
Foto: LWL/Forbrig
Pressekontakt
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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