20.07.26 | Psychiatrie Stute Ellie stärkt Vertrauen und Selbstwirksamkeit
Zentrum für Sozialpsychiatrie der LWL-Klinik Lippstadt bietet tiergestützte Therapie
Dr. Friederike Reilmann-Lollies mit ihrer Stute Ellie.
Foto: LWL/Enrica Gore
Die Station AL02 gehört zum Zentrum für Sozialpsychiatrie der LWL-Klinik Lippstadt. Behandelt werden dort Menschen mit psychischen Störungen. Viele Patientinnen und Patienten erleben Phasen, in denen Antrieb, Vertrauen, Konzentration oder der Kontakt zu anderen Menschen schwerfallen. Der Kontakt zu Pferden kann hier einen besonderen Zugang eröffnen: ruhig, unmittelbar und niedrigschwellig.
Geleitet wird das Angebot von Dr. Friederike Reilmann-Lollies, psychologische Psychotherapeutin im Zentrum für Sozialpsychiatrie. Regelmäßig macht sich eine kleine Gruppe von Teilnehmenden vom Klinikgelände auf den Weg zu einem nahegelegenen Reitstall. Viele Patientinnen und Patienten nehmen das Angebot mit spürbarer Vorfreude wahr - auch diejenigen, denen es im Klinikalltag manchmal schwerfällt, sich zu Aktivitäten zu motivieren.
Am Reitstall beginnt die Einheit mit praktischen Tätigkeiten: Mähne kämmen, Schweif bürsten, striegeln oder mit Massagebürsten arbeiten. So entstehen Nähe zum Tier und ein erster Zugang zur gemeinsamen Arbeit. Unter Anleitung lernen die Patientinnen und Patienten auch entspannungsfördernde Griffe und faszienlösende Massagen am Pferd kennen. Diese Techniken erfordern Aufmerksamkeit und Feingefühl: Die Teilnehmenden beobachten genau, wie das Pferd auf Berührung, Druck und Bewegung reagiert. Zugleich erleben sie unmittelbar, dass ihre eigene Ruhe, Konzentration und behutsame Berührung Wirkung zeigen.
Im Mittelpunkt steht nicht das Reiten, sondern die Begegnung mit dem Tier. Pferde reagieren sensibel auf Körpersprache, Haltung und Stimmung. Beim Führen und Longieren auf dem Reitplatz erfahren die Patientinnen und Patienten, wie viel schon kleine, klare Signale bewirken können. "Ich hätte nicht gedacht, dass so kleine, gezielte Bewegungen so viel auslösen", berichtet eine Teilnehmerin.
Die gemeinsame Erfahrung in der Gruppe spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Während einzelne Patientinnen und Patienten mit dem Pferd arbeiten, beobachten die anderen, geben Rückmeldungen und unterstützen sich gegenseitig. Das stärkt Selbstvertrauen und fördert soziale Kontakte.
Dass die Wirkung über den Moment hinausreichen kann, beschreibt ein Patient so: "Auf dem Weg zum Stall war ich noch sehr angespannt. Nach der Einheit habe ich gemerkt, wie die Anspannung nachgelassen hat - und dieses Gefühl der Ruhe hat mich auch nach der Rückkehr auf die Station lange begleitet."
Solche Rückmeldungen zeigen, wie wertvoll das Angebot für viele Teilnehmende ist: Sie erleben nicht nur einen besonderen Moment außerhalb der Station, sondern nehmen Ruhe, Zuversicht und neue Motivation mit zurück in den Klinikalltag.
Keine Einheit gleicht der anderen. Auch die Pferde bringen ihre eigene Stimmung mit. Mal sind sie neugierig, mal brauchen sie mehr Ruhe oder klare Orientierung. Gerade das macht das Angebot wertvoll: Die Patientinnen und Patienten üben, sich auf unterschiedliche Situationen einzulassen und angemessen darauf zu reagieren.
Mit dem tiergestützten Angebot im Rahmen der Therapie ergänzt die LWL-Klinik Lippstadt ihr Behandlungsspektrum um einen erfahrungsorientierten Baustein. Er verbindet Bewegung, Beziehung und Selbstwirksamkeit - und kann Patientinnen und Patienten Momente von Ruhe, Freude und neuer Zuversicht schenken.
Pressekontakt
Enrica Gore, LWL-Gesundheitseinrichtungen Kreis Soest, Tel.: 0151-40637082 und Thorsten Fechtner, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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