Transkript anzeigen Abspielen Pausieren

20.07.26 | Kultur Neues "Schatzregal" im LWL-Museum für Archäologie und Kultur

Aktuelle archäologische Funde in der Dauerausstellung

Das Schatzregal ist neues Ausstellungselement im LWL-MAK.<br>Foto: LWL/ C. Steimer

Das Schatzregal ist neues Ausstellungselement im LWL-MAK.
Foto: LWL/ C. Steimer
Nutzungsrechte und Download Zu weiteren Bildern

Herne (lwl). Das neue "Schatzregal" des LWL-Museums für Archäologie und Kultur in Herne bietet Besuchenden die Möglichkeit, aktuelle archäologische Funde aus nächster Nähe zu sehen. Mit diesem besonderen Präsentationskonzept eröffnet das Museum privaten Finder:innen eine Plattform, um Familie, Freunden und allen Interessierten ihre Funde zu zeigen.

Dr. Ulrich Lehmann, wissenschaftlicher Referent für Sondengehen und Magnetangeln beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): "Das sogenannte Schatzregal ist in den Denkmalschutzgesetzen der Bundesländer festgelegt. Für Nordrhein-Westfalen besagt es sinngemäß, dass herrenlose Gegenstände, die uns Aufschluss über archäologische Fundplätze geben, in das Eigentum des Landes übergehen."

Da die Arbeit von Sondengehenden für die Archäologie immer bedeutsamer wird, hat sich das LWL-Museum als Westfälisches Landesmuseum entschieden, in einer kleinen Präsentation immer wieder neue Funde aus diesem Bereich auszustellen. Lehmann: "25.000 Funde werden der LWL-Archäologie für Westfalen jährlich gemeldet. Über 600 Sondengehende und Magnetangler:innen sind für uns mit offizieller Erlaubnis - denn anders geht es nicht - im Einsatz. Ihnen verdanken wir absolute Fund-Highlights. Deshalb ist ihre Arbeit für uns unverzichtbar."

Eine vergoldete Schalenfibel aus Recke (Kreis Steinfurt, Finder ist Christian Dellbrügge) aus dem 5. Jahrhundert oder die neuzeitliche Medaille der schwedischen Gelehrtengesellschaft "Utile Dulci" (Finder ist Thorsten Kloppenborg) sind nur zwei von 42 Objekten oder Fundsammlungen, die aktuell im Schatzregal zu sehen sind. Darunter ist der Bogenschütze von Saerbeck (Kreis Steinfurt) mit neun Pfeilspitzen. Cornelia Moors, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum: "Gemeint ist ein neolithisches Grab. Es wird allgemein als Grab eines Bogenschützen interpretiert, da neun Pfeilspitzen dicht hinter seinem Kopf geborgen wurden. Wahrscheinlich hatte man dem Verstorbenen einen Köcher mit neun Pfeilspitzen mit ins Grab gegeben."

Ein Schatzregalfund kann auf ganz unterschiedliche Weise entdeckt werden - etwa bei Bauarbeiten, beim Spazierengehen, bei einer archäologischen Ausgrabung oder auch auf einem Acker mit einer Metallsonde. Das LWL-Museum für Archäologie und Kultur bietet diesen Zufallsfunden, aber auch solchen von aktuellen Grabungen sowie deren Finder:innen ab sofort eine Plattform. Dr. Susanne Jülich, stellvertretende Museumsleiterin und Kuratorin der Dauerausstellung: "Wir zeigen hier nicht nur Funde von Privatpersonen, sondern eingestreut auch verborgene Schätze von Ausgrabungen in ganz Westfalen-Lippe, deren Entdeckung noch nicht lange her ist. Unsere Besucher:innen und Besucher haben so die aktuellen Kulturschätze unserer Region vor Augen."

Ob kunsthandwerkliche Meisterwerke, kuriose Fundstücke oder selten gezeigte Exponate - das neue Herner Schatzregal lädt dazu ein, die Vielfalt und den Reichtum der Museumssammlung neu zu erleben. Jülich: "Ob Lanze oder Keramik, ob aus Emaille oder Gold - jedes Objekt erzählt seine eigene Geschichte. Mein Lieblingsobjekt ist das scheibenförmige Riemen-Ende einer römischen Gürtelgarnitur. Es stammt aus Minden-Häverstädt und zeigt zwei Tierdarstellungen. Ronald Jakumait hat dieses Stück von zirka 400 nach Christus gefunden. Ich finde, es sieht aus wie ein früher Entwurf des Raumschiffs Enterprise - obwohl ich natürlich weiß, dass es das nicht ist."

Das Museum verfolgt mit dem Schatzregal das Ziel, Museumsbestände lebendig zu präsentieren und "den Dialog zwischen den Exponaten und den Besuchenden zu fördern". Jülich: "Die Funktion der Funde erschließt sich nicht unbedingt auf den ersten Blick. Daher fordern wir unsere Besuchenden auf, uns ihre Ideen mitzuteilen. Ein Block mit Haftnotizen und ein paar Bleistifte und alle können kreativ mitmachen."

Nähere Information zum Antragsverfahren für Sondengehen du Magnetangeln im Internet unter: https://www.lwl-archaeologie.de/de/sondengehen-und-magnetangeln/

Im Schatzregal entdecken Besuchende aktuelle Funde aus Westfalen-Lippe.<br>Foto: LWL/ C. Steimer

Im Schatzregal entdecken Besuchende aktuelle Funde aus Westfalen-Lippe.
Foto: LWL/ C. Steimer

Insgesamt 42 Objekte bzw. Fundsammlungen sind hier mit Hintergrundinformationen versehen.<br>Foto: LWL/ S. Görtz

Insgesamt 42 Objekte bzw. Fundsammlungen sind hier mit Hintergrundinformationen versehen.
Foto: LWL/ S. Görtz

Pressekontakt

Dr. Carolin Steimer, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591-3504 und Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

presse@lwl.org

LWL-Museum für Archäologie und Kultur Herne

Westfälisches Landesmuseum
Europaplatz 1
44623 Herne Karte und Routenplaner

Der LWL im Überblick

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

Zu allen Pressemitteilungen des LWL Zu allen Pressemitteilungen dieser LWL-Einrichtung