17.07.26 | Kultur "Gestern, heute, immer"
Projekt zur Stärkung der Gedenkstätten in Westfalen-Lippe gestartet
v. l. n r.: Kirsten John Stucke, stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW e.V., Werner Liedmann, Vorsitzender des Vereins Geschichtswerkstatt Französische Kapelle Soest e.V., Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Kulturdezernentin und Heike Kropff, Leiterin des LWL-Museumsamtes für Westfalen.
Foto: LWL / Thorsten Arendt
"Gerade heute, in Zeiten von Verunsicherung und massiven Angriffen auf die Demokratie, kommt den 17 NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorten in Westfalen Lippe eine besondere Bedeutung zu", so LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.
"Mit dem Projekt entwickelt der LWL seine Förderpraxis weiter. Das große kulturpolitische Projekt zielt auf den Aufbau nachhaltiger Kooperationen und Wissenstransfer. Im Zusammenspiel sollen die Institutionen ihre Relevanz als Lern- und Reflexionsräume noch stärker als bisher herausstellen und festigen." Das Projekt unterstütze der LWL mit insgesamt 350.000 Euro.
Das LWL-Museumsamt, das mit der Beratung und Förderung der Gedenkstätten in Westfalen-Lippe betraut ist, setzte den Impuls. Bis September 2027 Jahren soll erprobt werden, was Förderung, die auf Vernetzung und Kooperation ausgerichtet ist, bewirken kann. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung der historisch-politischen Bildung.
Die Projektbeteiligten legten sich auf zwei Formate fest: Workshops für Schüler:innen und Fortbildungen für Mitarbeiter:innen der historisch-politische Bildung, sogenannte historisch-politische Bildern:innen. Workshops und Fortbildungen werden nun an den verschiedenen Standorten umgesetzt. Außerdem ist ab Herbst eine Veranstaltungsreihe geplant, die die die gegenwärtigen Herausforderungen von Gedenkstätten zur Diskussion stellt.
Eine Besonderheit des Projekts liegt in seinem mobilen und dezentralen Ansatz: Ein Kleintransporter, der "Gedenkstättensprinter", ist bestückt mit didaktischen Konzepten, Materialien und einem mobilen Kommunikationssetting. Er bringt die Formate direkt an die 17 NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorte.
Kirsten John-Stucke, stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW e.V., begrüßte die Initiative: "Wir freuen uns, dass in Westfalen-Lippe der Vernetzungsgedanke, der auch unserem Arbeitskreis zugrunde liegt, durch das Projekt gestärkt und in eine Förderstrategie übertragen wird. Herausstellen möchte ich, dass in dem Projekt 17 sehr unterschiedliche Einrichtungen kooperativ und konkret zusammenarbeiten. Sie teilen ihr Wissen, reflektieren ihre Erfahrungen und entwickeln sich weiter. Dieser Ansatz ist bei-spielhaft - auch über Westfalen-Lippe hinaus."
Heike Kropff, Leiterin des LWL-Museumsamtes für Westfalen und Initiatorin des Projektes: "Wichtig ist es, dass wir gemeinsam aus der Praxis lernen und erfahrbar machen, wie wichtig Gedenk- und Erinnerungsorte für unsere Gegenwart und Zukunft sind. Das zeigt sich insbesondere in den Workshops für Schüler:innen. Das Thema 'Antisemitismus', mit dem wir beginnen, ist in hohem Maße relevant - für Gedenkstätten, für Schüler:innen, für die Gesellschaft und für unsere Demokratie. Ein weiteres wichtiges Format sind die Fortbildungen für die historischen Bildner:innen vor Ort. In diesen Fortbildungen werden Kompetenzen erweitert und kollegialer Austausch angeregt."
Die Workshops zum Thema "Antisemitismus" richten sich an Schüler:innen der Klassen 8 bis 12. In Auseinandersetzung mit den historischen Orten sowie den Opfern des Nationalsozialismus sollen die Schüler:innen dazu motiviert werden, über die heutige Gesellschaft nachzudenken: Wie lassen sich antisemitische Äußerungen und Handlungen erkennen? Welche Handlungsoptionen gibt es, dagegen vorzugehen?
Über einen Zeitraum von 17 Monaten fährt der Gedenkstättensprinter die 17 Gedenkstätten an, um über 200 Workshops für Schüler:innen durchzuführen. Angeleitet werden die Veranstaltungen von historisch-politischen Bildner:innen des LWL-Museumsamtes und der Gedenkstätten.
An diese festangestellten, selbständig oder ehrenamtlich agierenden Mitarbeiter:innen richtet sich ein differenziertes Fortbildungsprogramm. Die Fortbildungen zielen darauf, eine gemein-same Arbeitsgrundlage zu schaffen, die Auseinandersetzung mit aktuellen Diskursen der Gedenkstättenarbeit zu befördern und das methodisch-didaktische Repertoire zu erweitern. In kollegialem Austausch können die historisch-politischen Bildner:innen neue Handlungsoptionen und Handlungssicherheit entwickeln.
Werner Liedmann, Vorsitzender des Vereins Geschichtswerkstatt Französische Kapelle Soest e.V.: "Die Nachfrage der Schulen nach dem Angebot ist groß. Viele der Schüler:innen besuchen die Gedenkstätte Französische Kapelle im Zuge der Workshops zum ersten Mal. Wir begreifen die Zusammenarbeit auch als Chance, unsere Arbeit vor Ort weiterzuentwickeln. Alle Gedenkstätten - egal ob groß oder klein - bringen alle ihre Erfahrungen und Kompetenzen in das Projekt ein. Diese Vielfalt macht den Austausch für uns besonders wertvoll."
Die Gedenkstättenlandschaft der Region
Kennzeichnend für die Gedenkstättenlandschaft Westfalen-Lippes sind ihre heterogenen und dezentralen Strukturen. Die Einrichtungen befinden sich sowohl in urbanen Ballungsräumen wie im östlichen Ruhrgebiet als auch in ländlich geprägten Gebieten wie Ostwestfalen-Lippe. Sie unterscheiden sich erheblich in Größe, Trägerschaft und in den verfügbaren Mitteln. Gerade kleinere, zivilgesellschaftlich getragene Erinnerungsorte wie ehemalige Landsynagogen arbeiten mit begrenzten finanziellen, personellen und räumlichen Ressourcen. Besonders deutlich werden die unterschiedlichen Gestaltungsräume in der historisch-politischen Bildungsarbeit.
Bis September 2027 tourt das Projekt durch Westfalen-Lippe. Den Auftakt für die Workshops machte im Mai das Jüdische Museum Westfalen in Dorsten. Aktuell ist das Projekt in der Französischen Kapelle in Soest zu Gast. Diese Gedenkstätten und Erinnerungsorte nehmen teil:
- Gedenk- und Erinnerungsort Nordbahnhof Bochum
- Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933 - 1945, Büren
- Jüdisches Museum Westfalen, Dorsten
- Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Dortmund
- Ehemalige Synagoge Drensteinfurt
- Dokumentationsstätte "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus"
- Informations- und Gedenkstätte Stalag VI A Hemer
- Gedenkstätte Zellentrakt, Herford
- Gedenkstätte Frenkel-Haus, Lemgo
- Ge-Denk-Zellen Altes Rathaus, Lüdenscheid
- Geschichtsort Villa ten Hompel, Münster
- Alte Synagoge Petershagen
- KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica
- Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne, Schloß Holte-Stukenbrock
- Alte Synagoge Selm-Bork
- Aktives Museum Südwestfalen, Siegen
- Französische Kapelle - Gedenkstätte und Museum für Zeitgeschichte in Soest
Weitere Kooperationspartner:innen:
- Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW e.V.
Pressegespräch: "Gestern, heute, immer" Projekt zur Stärkung der Gedenkstätten in Westfalen-Lippe gestartet.
Foto: LWL / Thorsten Arendt
Heike Kropff, Leiterin des LWL-Museumsamtes für Westfalen und Initiatorin des Projektes.
Foto: Juliane Eirich, 2026
Der "Gedenkstättensprinter" (rechts) - bestückt mit Konzepten, Materialien, Möbeln und Personal - bringt die Formate direkt an die 17 NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorte.
Foto: LWL/Thorsten Arendt, 2026
Der historisch-politische Bildner Henrik Oberhag im Dialog mit einer Dorstner Klasse, Jüdisches Museum Westfalen.
Foto: LWL/Thorsten Arendt, 2026
Workshop: "Gestern, heute, immer" Projekt zur Stärkung der Gedenkstätten in Westfalen-Lippe gestartet.
Foto: LWL / Thorsten Arendt
"Gestern, heute, immer" Projekt zur Stärkung der Gedenkstätten in Westfalen-Lippe gestartet.
Foto: LWL / Thorsten Arendt
Pressekontakt
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Joana Gelhart, LWL-Museumsamt für Westfalen, Tel.: 0251 591-4659
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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