15.07.26 | Kultur Minden-Päpinghausen
Neue Hofstellen aus der vorrömischen Eisenzeit entdeckt
Neues Gewerbegebiet auf altem Siedlungsplatz
Die archäologische Untersuchung unter der Leitung von Andreas Thümmel wurden notwendig, da hier ein Gewerbegebiet erschlossen werden soll. Hochgepflügte Keramikscherben gaben die ersten Hinweise auf ein Bodendenkmal. Hinzu kommt die Topografie des Geländes: Im digitalen Geländemodell wird in dem Bereich ein ehemaliger Gewässerlauf als flache Mulde sichtbar, die vor Ort mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen ist. Die Bereiche daneben bilden demgegenüber sanfte Geländekuppen, die auch bei Hochwasserereignissen trocken blieben und so gute Siedlungsvoraussetzungen boten. An derartigen Standorten hatten Menschen früher Vorfahren regelhaft ihre Höfe angelegt.
"Da wir hier bereits vor der Erschließung Bodendenkmäler vermutet hatten, kann nun ein Stück Ortsgeschichte vor seiner unwiederbringlichen Zerstörung dokumentiert werden", ordnet LWL-Archäologe Sebastian Düvel die Untersuchungen ein. Auf eine frühzeitige Nachfrage der Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (MEW) hatte der LWL als archäologisches Fachamt für Bodendenkmalpflege und sogenannter Träger öffentlicher Belange Stellung genommen. Jörg Schermer von der MEW kennt das Prozedere bereits gut: "Wir arbeiten seit Jahren sehr erfolgreich mit den Archäolog:innen zusammen und stellen sicher, dass im Vorfeld der Baumaßnahmen alle Bedenken beiseite geräumt werden und wir im Bauablauf keine Komplikationen durch unerwartete Bodendenkmäler haben. Dabei bringen wir auch hin und wieder ein Stück unserer Mindener Geschichte ans Tageslicht."
Die als Verfärbungen sichtbaren Spuren der Pfosten von den einstigen Wohnhäusern aus Holz und Lehm sind noch gut im Boden zu erkennen. Daneben sind es vor allem Siedlungsgruben, in denen damals der Müll entsorgt wurde, der wichtige Erkenntnisse zum Leben der damaligen Menschen liefert. Es konnten mindestens zwei, wahrscheinlich sogar drei Hofstellen entdeckt werden, die von der mittleren bis in die späte Eisenzeit reichen, also etwa aus dem 5. bis 3. Jahrhundert v. Chr. stammen.
Dichte Besiedlung während der Eisenzeit rund um Minden
Durch die archäologischen Untersuchungen zeichnet sich ein immer deutlicheres Bild einer intensiven eisenzeitlichen Besiedlung rund um Minden ab. "Wir finden hier unten genau die gleichen Scherben, wie auf der im 3. Jahrhundert v. Chr. erbauten Wittekindsburg, wodurch wir davon ausgehen, dass zumindest eine der Hofstellen gleichzeitig mit der Wallburg existiert hat. Wir haben womöglich sogar die Erbauer vor uns", so Düvel, wissenschaftlicher Referent bei der LWL-Archäologie für Westfalen. Das für diese Zeit durchaus monumentale Bauwerk konnte allerdings nicht von den Menschen einer einzigen Hofgemeinschaft errichtet werden, es bedurfte der Zusammenarbeit von vielen und einer gewissen gesellschaftlichen Organisation. Die Weser als wichtige Handelsstraße und die fruchtbaren Lössböden entlang des Wiehen- und Wesergebirges waren hierfür die Grundlage.
LWL-Einrichtung:
LWL-Archäologie für Westfalen
Außenstelle Bielefeld
Am Stadtholz 24 a
33609 Bielefeld
Luftbildaufnahme der aktuellen Grabungsfläche in Minden-Päpinghausen mit der Porta Westfalica im Hintergrund. Die im Wald neben dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal liegende Wallanlage "Wittekindsburg" wurde bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. errichtet und dann viele Jahrhunderte später im frühen Mittelalter erneut genutzt.
Foto: LWL-AfW/A. Koch
Grabungsleiter Andreas Thümmel mit einer typischen Keramikscherbe des 5. bis 4. Jahrhunderts v. Chr. Solche Funde geben Hinweise auf die zeitliche Einordnung der einstigen Hofstellen.
Foto: LWL-AfW/S. Düvel
Durch Verfärbungen im Boden werden die Standorte der fast 2.500 Jahre alten Wohnhäuser sichtbar. Die Wissenschaftler: innen geben den einzelnen Verfärbungen Nummern und messen sie zentimetergenau genau ein. Zur besseren Sichtbarkeit werden sie mit Fähnchen markiert.
Foto: LWL-AfW/S. Düvel
Archäologin Myrtille Correè zeichnet eine der neben den Häusern angelegten Siedlungsgruben. Durch dieses Vorgehen kann Sie die einzelnen Schichten in den archäologischen Befunden genau dokumentieren und interpretieren.
Foto: LWL-AfW/S. Düvel
Pressekontakt
Dr. Julia Großekathöfer, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591- 8946 und Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
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