30.06.26 | Kultur Skulptur Projekte Münster 2027 geben erste Standorte und Künstler:innen bekannt
Träger der Skulptur Projekte sind der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Stadt Münster. Veranstalter ist das LWL-Museum für Kunst und Kultur.
Seit ihrer Ernennung im Sommer 2024 hat die künstlerische Leitung, das Kuratorinnenkollektiv What, How & for Whom / WHW, gemeinsam mit dem Team der Skulptur Projekte 2027 intensiv in Münster gearbeitet. Die Beziehungen und lokalen Netzwerke, die während dieser Zeit entstanden sind, bilden die Grundlage für die künstlerischen Projekte der kommenden Ausgabe der Ausstellung. Die Werke für 2027 entstehen aus dem Austausch mit lokalen Gemeinschaften, Initiativen und Institutionen. Ausgehend davon stellen die Künstler:innen der Skulptur Projekte 2027 vielfach Verbindungen zwischen der Stadt Münster und anderen Orten und Lebensrealitäten her.
Wie hat sich gemeinschaftliches Leben in den verschiedenen Stadtteilen angesichts sozialer und wirtschaftlicher Veränderungen in den vergangenen zehn Jahren entwickelt? Mit einem besonderen Fokus auf Stadtteile wie Kinderhaus, Berg Fidel und das York-Quartier sowie die aus früheren Ausgaben bekannte Innenstadt richten die Skulptur Projekte 2027 den Blick auf lokale Perspektiven und stellen die Frage, wie wir heute und in Zukunft leben wollen.
What, How & for Whom / WHW erläutert ihren kuratorischen Ansatz so: "Wir gehen der Frage nach, wie offen und zugänglich die Stadt für unterschiedliche Menschen und Perspektiven ist. Dabei interessieren wir uns für die vielen 'Städte in der Stadt' sowie für Themen wie Teilhabe, Ausgrenzung und Gemeinschaft. Die Gespräche mit den Künstler:innen sind geprägt von einem Interesse für geteilte Geschichten und gemeinsame Objekte, die Bedeutung tragen: Auch wenn die einzelnen Perspektiven jeweils im Spezifischen verankert sind, bestehen Verbindungen zwischen Münster und vielen anderen Orten."
Erste Orte und Künstler:innen
Im Norden Münsters, in Kinderhaus, das im 14. Jahrhundert als Heim für Kranke außerhalb der Stadtmauern entstand und in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts durch Wohnbebauung erheblich erweitert wurde, ist ein Schwerpunkt mit mehreren künstlerischen Arbeiten geplant. Der Stadtteil macht in seiner städtebaulichen Struktur ein in den Nachkriegsjahren modellhaft umgesetztes Konzept bis heute sichtbar: Mehrfamilienhäuser, die in den 1970er Jahren errichtet wurden, stehen hier neben vororttypischen Einfamilienhäusern und landwirtschaftlichen Höfen.
Aufbauend auf ihre langjährige Auseinandersetzung mit dem Ländlichen, realisiert die Künstlerin Iza Tarasewicz (1981, Bialystok, Polen) eine Arbeit auf dem Gut Kinderhaus. Der ehemalige Bauernhof ist heute eine Wohn- und Arbeitsgemeinschaft, in der Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen leben und arbeiten. Tarasewicz entwickelt eine künstlerische Arbeit, die sich an jahreszeitlichen Zyklen und agrarwirtschaftlichen Abläufen orientiert. Im Mittelpunkt steht dabei ein Austausch von Wissen und Praktiken, der dem Zusammenleben von Menschen, Tieren und Natur sowie gemeinschaftlichen Formen von Arbeit und Fürsorge zugrunde liegt.
In der Stadtmitte realisiert Hew Locke (*1959, Edinburgh, Großbritannien) eine Installation im Haus der Niederlande im Krameramtshaus. 1589 erbaut, diente es lokalen Kaufleuten als Versammlungsort und Verwaltungssitz. Locke verarbeitet in seinen Skulpturen gefundene Objekte. Er zeigt historische wie erfundene Figuren, die als mächtige Repräsentant:innen inszeniert sind, und hinterfragt die traditionelle Formsprache von Monumenten und Wahrzeichen. Durch die Wahl des Ortes, an dem Verhandlungen zum Westfälischen Frieden stattfanden, mit dem 1648 auch der Achtzigjährige Krieg zwischen den Niederlanden und Spanien endete, verbindet Locke einen konkreten lokalen Kontext mit größeren historischen Zusammenhängen von Kolonialismus, Migration und ungleich verteilter politischer Macht.
Auf dem ehemaligen Hörster Friedhof, einer im 19. Jahrhundert angelegten Begräbnisstätte, präsentiert Selma Selman (*1991, Bihac, Bosnien) eine Installation, die weibliche Perspektiven und Herkunftsgeschichten zum Ausgangspunkt nimmt. Aus ihrer eigenen Familienbiografie heraus macht Selman Kreisläufe globalisierter Arbeit sichtbar, indem sie Material verwendet, das andernorts als Schrott entsorgt würde. Dem historischen Ort des Erinnerns und Gedenkens fügt die Künstlerin eine poetische Erzählung aus marginalisierten Perspektiven hinzu.
Die Künstlerin Roza El-Hassan (*1966, Budapest, Ungarn) entwickelt ihren Beitrag für die Skulptur Projekte mit Blick auf zwei Orte: den Botanischen Garten am barocken Schloss sowie den Stadtteil Berg Fidel. Das Wohngebiet im Süden Münsters entstand in den späten 1960er und 70er Jahren als eines der ersten großangelegten, modernen Stadtbauprojekte Münsters mit unterschiedlichen Wohn- und Bautypen. Berg Fidel ist von demografischer Vielfalt geprägt, darunter ein hoher Anteil von Bewohner:innen mit internationaler Geschichte. El-Hassan beschäftigt sich anhand von persönlichen und kollektiven Migrationsgeschichten mit Themen wie Vertreibung und Flucht, zugleich mit Schutzbedürftigkeit, Fragilität und gegenseitiger Unterstützung, und verbindet so intime Erfahrungen mit übergeordneten sozialen und politischen Fragen.
Weiter südöstlich hat das York-Quartier - die ehemalige York-Kaserne - einen der größten Transformationsprozesse in der jüngeren Stadtgeschichte Münsters durchlaufen. Der in der Zeit des Nationalsozialismus errichtete und bis 2012 von den britischen Streitkräften genutzte Ort beherbergt derzeit unter anderem Geflüchtete und wird aktuell zu einem neuen Wohnquartier umgebaut. Im ehemaligen Offizierskasino entsteht dabei ein Raum für Gemeinschaft und Demokratie. Hier entwickelt Oscar Murillo (*1986, La Paila, Kolumbien) eine Installation, die gemeinsames Kochen und kollektives Teilen in den Mittelpunkt stellt. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit lokalen Agrarbetrieben und Bürger:innengruppen und reflektiert dabei, wie Arbeit und ökonomischer Austausch in Produktionsprozessen verflochten sind.
Die Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen, den Entstehungsprozess der Ausgabe 2027 zu begleiten und daran mitzuwirken. Das Vorprogramm Skulptur Projekte Sessions, das bis zur Eröffnung 2027 läuft, begann im April mit einem öffentlichen Gespräch mit den künstlerischen Leiterinnen. Weitere Programmangebote im Rahmen der Skulptur Projekte Sessions entstehen unter anderem in Zusammenarbeit mit verschiedenen Hochschulen, darunter die Münster School of Architecture sowie der Kunstakademie Münster. Die nächste Skulptur Projekte Session ist Teil der "Münster Lectures" der Kunstakademie: Am Dienstag, den 7. Juli 2026, um 18 Uhr laden die Skulptur Projekte in Kooperation mit der Hochschule zu einem Gastvortrag von der Black Studies- und Medienwissenschaftlerin Nelly Y. Pinkrah ein. Die Veranstaltung bildet den Auftakt zu weiteren Gastvorträgen als Teil der "Münster Lectures".
Der Direktor des LWL, Dr. Georg Lunemann, erklärt: "Als Träger der Skulptur Projekte teilen wir die Vorfreude, die in der Region bereits spürbar ist. Wir freuen uns darauf, die Skulptur Projekte in weniger als einem Jahr zu eröffnen."
Der Oberbürgermeister der Stadt Münster, Tilman Fuchs, begrüßt das Konzept: "Die Skulptur Projekte widmen sich 2027 in besonderer Weise der Vielfalt unserer Stadt: die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Stadtteilen macht urbane Transformationsprozesse sichtbar und bringt die Skulptur Projekte in Dialog mit neuen Nachbarschaften."
Kulturministerin Ina Brandes: "Markenzeichen der Ausstellung Skulptur Projekte Münster ist der freie Zugang zu Kunstwerken auf internationalem Spitzenniveau. So erreichen Künstlerinnen und Künstler ein Publikum, das nicht zu den Stammgästen in Museen und Galerien zählt, und machen Lust auf Kunst und Kultur. Deshalb fördern wir diese Ausstellung seit 50 Jahren sehr gerne. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!"
Cornelia Wilkens, Kulturdezernentin der Stadt Münster: "Die Skulptur Projekte gehören seit fünfzig Jahren zu Münster und prägen das kulturelle Selbstverständnis unserer Stadt. Gleichzeitig machen sie Münster weit über die Region hinaus als internationalen Kunststandort sichtbar. Besonders wichtig ist uns für 2027, dass die Ausstellung nicht nur in der Innenstadt stattfindet, sondern bewusst auch Stadtteile wie Kinderhaus, Berg Fidel oder das York-Quartier einbezieht. Dadurch entstehen neue Begegnungen zwischen Kunst und den Menschen, die diese Orte prägen."
Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Kulturdezernentin, erklärt: "Ein Projekt wie die Skulptur Projekte ist nur mit breiter Unterstützung möglich. Als Gastgeber sind wir dankbar für das starke Engagement öffentlicher und privater Förderer, von denen viele die Ausstellung über viele Jahre hinweg begleitet haben und sie auch im Jahr ihres fünfzigjährigen Bestehens weiterhin unterstützen. Wir freuen uns zudem, dass das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster erneut Veranstalter und zentraler Knotenpunkt der Ausstellung ist."
Für die Skulptur Projekte 2027 werden rund dreißig Künstler:innen eingeladen. Diese werden bis zur Eröffnung am 12. Juni 2027 sukzessive bekannt gegeben. Weitere Veranstaltungen im Rahmen des Vorprogramms Skulptur Projekte Sessions werden zudem auf der Website http://www.skulptur-projekte.de angekündigt.
Hintergrund
Biografien der Künstler:innen
Roza El-Hassan (*1966, Budapest) ist Künstlerin, Aktivistin und Dozentin und lebt und arbeitet in Budapest. Sie studierte Malerei an der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste in Budapest, heute Universität der Bildenden Künste. Nach einem Studienaufenthalt an der Städelschule in Frankfurt am Main im Jahr 1991 kehrte sie an die Ungarische Akademie zurück und nahm dort ein Studium im Fachbereich Intermedia auf. El-Hassan promovierte im Fach Sozial- und Ökodesign sowie Architektur mit einer Dissertation über traditionelles Roma-Handwerk und lehrte als Professorin an der Ungarischen Universität der Bildenden Künste sowie an der ETH Zürich. Seit 1992 stellt El-Hassan ihre Arbeiten international aus. 1997 vertrat sie Ungarn auf der 47. Biennale von Venedig. Zu ihren Einzelausstellungen zählen The Non-Violent Revolution Is Feasible, Kohta, Helsinki (2026), May All Tears Be Followed by a Smile, Longtermhandstand, Budapest (2025) und Inbetween, Kunstmuseum Basel (2012). El-Hassans Arbeiten wurden 2005 auf der 7. Sharjah-Biennale und 1998 auf der 20. Biennale von São Paulo gezeigt. Im Jahr 2024 wurde El-Hassan mit dem Klara-Herczeg-Preis für ihr künstlerisches Schaffen gewürdigt. Die Jury hob dabei ihr "Verantwortungsbewusstsein und soziales Engagement" hervor.
El-Hassans Werk umfasst Zeichnung, Malerei, Performance, Skulptur, Videoinstallation und nachhaltiges Design. In ihren Arbeiten untersucht sie, wie Menschen mit physischen Räumen interagieren, und betrachtet dies aus sozialer, politischer, psychologischer und ökologischer Perspektive. Sie setzt sich mit den sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen auseinander, denen geflüchtete Menschen und von humanitären Krisen Betroffene häufig ausgesetzt sind.
Zudem ist sie Herausgeberin des Blogs Syrian Voices Mediation and Art, einer offenen Plattform für Kunst, ökologisches Bauen und gesellschaftlichen Diskurs rund um die Perspektiven und das kulturelle Erbe von Syrer:innen.
Hew Locke (*1959, Edinburgh) lebt und arbeitet in London. Locke, der in Guyana aufwuchs, studierte Bildende Kunst an der Falmouth School of Art und Bildhauerei am Royal College of Art in London.
Im Jahr 2000 wurde Locke mit dem Künstler:innenpreis der Paul Hamlyn Foundation sowie dem EASTinternational Award ausgezeichnet. 2022 wurde er zum Mitglied der Royal Academy of Arts in London gewählt. Im folgenden Jahr wurde Locke zum Offizier der Order of the British Empire (OBE) ernannt und erhielt 2024 zudem die Ehrendoktorwürde der Universität Edinburgh. Locke hat zahlreiche Ausstellungen realisiert und seine Werke wurden u.a. für die Sammlungen des Metropolitan Museum of Art in New York und der Tate Gallery in London erworben. Passages, eine Überblicksausstellung zu Lockes Werk, wurde 2025 und 2026 im Yale Center for British Art in New Haven, im Wexner Center for the Arts in Columbus, Ohio, und im Museum of Fine Arts in Houston gezeigt. Zu seinen Einzelausstellungen zählen What Have We Here? im British Museum, London (2024), The Procession, Tate Britain Commission, Duveen Hall, London (2022), sowie Here's the Thing in der Ikon Gallery, Birmingham (2019). Lockes Arbeiten waren auf der Hangzhou Triennale für Textilkunst (2016), der Prospect New Orleans Contemporary Art Biennial in New Orleans (2014) und der Folkestone Triennale (2011) zu sehen.
Locke arbeitet medienübergreifend, unter anderem mit Zeichnung, Skulptur und gefundenen Objekten. In seiner künstlerischen Praxis untersucht er visuelle Codes und Symbole von Macht, Imperialismus, Krieg, Handel und Kultur und hinterfragt, wie Identitäten durch Symbole der Autorität geprägt werden. Locke eignet sich Büsten, Statuen, Kostüme und Staatsinsignien an, manipuliert und verziert sie, und thematisiert in dieser Bedeutungsverschiebung die gewaltvolle Geschichte von Kolonialismus, Besitzverhältnissen und wirtschaftlicher Macht.
Oscar Murillo (*1986, La Paila) lebt und arbeitet an verschiedenen Orten. Er studierte Bildende Kunst an der University of Westminster und am Royal College of Art in London. Zu seinen jüngsten Einzelausstellungen zählen u.a.: Collective Osmosis, DAS MINSK Kunsthaus und Museum Barberini, Potsdam (2026), el pozo de agua, Kurimanzutto, Mexiko-Stadt (2026) und The flooded garden, Turbine Hall, Tate Modern, London (2024). Murillo war außerdem mit Einzelausstellungen in der Fundação de Serralves, Porto (2024), im WIELS, Brüssel (2024), in der Kunsthalle Wien (2024), in der Fondazione Memmo, Rom (2021) und im Aspen Art Museum, Colorado (2019) vertreten. Sein langfristiges Projekt Frequencies wurde 2015 auf der 56. Biennale von Venedig gezeigt sowie anschließend auf der 2. Hangzhou-Triennale für Textilkunst in China (2016) und der 3. Aichi-Triennale in Japan (2016), im Haus der Kunst, München (2017), im Museum of Contemporary Art, Cleveland, Ohio (2017), im PinchukArtCentre, Kiew (2017), im Yorkshire Sculpture Park, West Bretton (2019), im Swiss Institute, New York (2021), im Mori Art Museum, Tokio (2021), im Coachella Valley, Kalifornien (2021), im TANK Shanghai (2021) sowie im Javett Art Centre der Universität Pretoria (2023). Seine Werke befinden sich in zahlreichen institutionellen Sammlungen weltweit. Murillo war einer von vier Künstler:innen, denen 2019 der britische Turner-Preis kollektiv verliehen wurde. Im Jahr 2023 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der University of Westminster verliehen.
Murillos facettenreiches Werk umfasst Malerei, Video, Sound und Installation sowie kollektive und soziale Projekte. Er setzt sich mit globalen Arbeitsbedingungen, mit Migration und mit Identitätsbildung auseinander, die sich zwischen Kulturen und unter globalem ökonomischen Druck abspielt. Dabei zieht er sowohl Rezepte traditioneller kolumbianischer Küche, Bezüge zu indigenen Sprachen als auch Zitate aus der Kunstgeschichte heran. Häufig sind Mitwirkende dazu eingeladen, sich einzubringen und Prozesse aktiv mitzugestalten, um so einen Rahmen für gemeinschaftliches Agieren und geteilte kulturelle Erfahrungen zu schaffen.
Selma Selman (*1991, Bihac) lebt und arbeitet zwischen Amsterdam und New York. Sie studierte Bildende Kunst an der Universität Banja Luka und schloss 2018 ihr Studium in der Transmedia-Fakultät des College of Visual and Performing Arts an der Syracuse University in New York ab. Von 2021 bis 2023 war Selman Residenz-Stipendiatin an der Rijksakademie in Amsterdam und wurde 2025 mit dem Tajsa-Preis für Roma-Kulturerbe des ERIAC (European Roma Institute for Arts and Culture) ausgezeichnet. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen und Performances zählen 600 Years of Migrant Mothers, Kunsthuis SYB, Beetsterzwaag, Letters to Omer, Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich (beide 2025), Sleeping Guards, Stedelijk Museum, Amsterdam (2025), Flowers of Life, Schirn Kunsthalle, Frankfurt (2024) sowie You Have no Idea, Manifesta 14, Pristina (2022). Ihre Arbeiten waren Teil zahlreicher Gruppenausstellungen, darunter To Pass from One Dream to Another, 18. Lyon Biennale - Zeitgenössische Kunst, House of Nisaba, Moderna Museet, Stockholm (beide 2026), The Three-Legged Cat, 18. Istanbul-Biennale (2025), The Gatherers, MoMA PS1, New York (2025) und documenta fifteen, Kassel (2022).
Ausgehend von persönlicher Erfahrungen thematisiert Selman Aspekte kollektiver weiblicher Emanzipation von Unterdrückung und Marginalisierung. Sie zeigt Zusammenhänge globaler Arbeitsprozesse auf, indem sie auch ihre eigene Familiengeschichte miteinbezieht. In ihren Arbeiten verwendet sie industrielle Materialien und Werkzeuge, und verbindet ihre skulpturale Arbeit mit Malerei, Text und Performance. Im Jahr 2017 gründete Selman in ihrer Heimatstadt Bihac die Stiftung "Get the Heck to School", die sich für Bildung von Roma-Mädchen einsetzt.
Iza Tarasewicz (*1981, Bialystok) lebt und arbeitet in Kolonia Koplany bei BiaÅ¿ystok. Sie studierte Bildhauerei und Darstellende Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Posen. Im Jahr 2015 erhielt sie den Views Award der Deutsche Bank Foundation, der gemeinsam mit ZachÄ¿ta, der Nationalen Kunstgalerie in Warschau, organisiert wurde, sowie 2019 den Bayerischen Kunstförderpreis. Tarasewicz eröffnet 2026 in der Secession in Wien eine Einzelausstellung. Weitere Solopräsentation waren Boom, 66P, Breslau (2026), It Is Stable? Yes. It Is Unstable? Yes, Again. Unstable? Yes, Again, Common Arts Foundation, Warschau (2024) sowie The Rumble of a Tireless Land, Tramway, Glasgow (2022). Ihre Werke werden seit vielen Jahren international ausgestellt, unter anderem im Rahmen von Planetary Peasants, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) (2025), The Gleaners Society, 40. EVA International Biennale für zeitgenössische Kunst, Limerick (2023), One Swallow Does not Make a Summer, Kunsthaus Dresden (2020), der 32. Biennale von São Paulo, der 5. Internationalen Biennale für junge Kunst in Moskau und der 11. Gwangju-Biennale (alle 2016). Im Jahr 2018 vertrat Tarasewicz in Zusammenarbeit mit Centrala Polen auf der 16. Architekturbiennale in Venedig.
Tarasewicz arbeitet medienübergreifend in Form von ortsspezifischen Skulpturen, Installationen, Zeichnungen und Performances sowie mit einer Vielzahl von Materialien: Stahl, Glas, Ton, Beton, Gips, Teer und organische Produkte, die oft in modularen, skalierbaren und flexiblen Konfigurationen und Systemen organisiert sind. Sie verbindet ihr Wissen über ländliche Rituale, Arbeit und Gemeinschaft mit ihrem Interesse an Wissenschaft, Diagrammen und Science-Fiction zu einer Praxis, die auf die Gestaltung eines utopisch-funktionalen Zusammenlebens abzielt.
Die künstlerische Leitung: What, How & for Whom / WHW
What, How & for Whom / WHW ist ein 1999 gegründetes Kuratorinnenkollektiv mit Sitz in Zagreb und Berlin. Die Mitglieder des Kollektivs sind Ivet Curlin, Ana Devic, Natasa Ilic und Sabina Sabolovic. WHW kuratierte von 2003 bis 2023 das Programm der städtischen Galerija Nova in Zagreb und wird ab 2026 die Leitung eines neuen Ausstellungsraums in der Stadt übernehmen. 2018 gründete das Kollektiv mit der WHW Akademija ein internationales Studienprogramm für Nachwuchskünstler:innen in Zagreb.
Von 2019 bis 2024 waren drei Mitglieder des Kollektivs - Ivet Curlin, Natasa Ilic und Sabina Sabolovic - als künstlerische Leiterinnen der Kunsthalle Wien tätig. 2024 wurden sie zur künstlerischen Leitung der Skulptur Projekte Münster 2027 berufen.
WHW hat über die Jahre hinweg Produktions-, Ausstellungs-, Vermittlungs- und Publikationsprojekte in unterschiedlichen geografischen und kulturellen Kontexten sowie auf verschiedenen institutionellen Ebenen realisiert. Die Arbeit des Kollektivs verbindet kuratorische Praxis mit historischer Forschung sowie diskursiven und vermittelnden Formaten und folgt der Überzeugung, dass Kunst eine entscheidende Rolle dabei spielt, gesellschaftliche Denk- und Handlungsweisen gemeinsam zu hinterfragen und zu verändern.
Projektteam
Die Skulptur Projekte Münster 2027 stehen unter der künstlerischen Leitung von What, How & for Whom / WHW (Ivet Curlin, Natasa Ilic, Sabina Sabolovic), in enger Zusammenarbeit mit den Kurator:innen Vincent Schier und Eva Wilson sowie der Projektleitung Verena Putzer.
Vincent Schier, der 2025 zum Team der Skulptur Projekte kam, ist Kurator mit einem Schwerpunkt auf ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit sowie auf Fragen der Teilhabe. Zuvor war er unter anderem am Kunstverein Göttingen, am Kunsthaus Dresden und bei den Uferhallen Berlin tätig und arbeitete zudem kuratorisch bei der nGbK Berlin, der Kunsthalle Osnabrück, dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien und dem KW Institute for Contemporary Art.
Eva Wilson verstärkt das Team ebenfalls seit 2025 als Kuratorin für Publikationen. Sie ist Autorin, Kuratorin und Herausgeberin und beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit dem Publizieren als kuratorischer Praxis. Sie war unter anderem für die documenta 14, den Schinkel Pavillon Berlin und TBA21 in Wien tätig und hat Margaret Raspeâ¿¿Automatik (2023) sowie die Buchreihe " " (quotation mark quotation mark, NERO, Rom) mit herausgegeben.
Verena Putzer verantwortet das Projekt seit 2024 als Projektleitung insbesondere in Produktions-, Verwaltungs- und internen Kommunikationsprozessen. Nach ihrem Studium der Betriebswirtschaft arbeitete sie als PR-Managerin bei BAM Berlin mit Kunden wie Gucci, Google und Converse. Anschließend war sie bei Nike im Bereich Energy und Culture Marketing für die Marke Converse tätig. Sie ist Gründerin der Plattform Creavings, mit der sie während der Corona-Pandemie Künstler:innen der freien Szene unterstützte.
Für die Bereiche Vermittlung, Administration und Kommunikation sind Barbara Zoé Kiolbassa (Leitung Vermittlung), Tobias Winkelmann (Leitung Administration) und Ann-Charlotte Günzel (Leitung Kommunikation) gemeinsam mit ihren Teams verantwortlich.
Partner der Skulptur Projekte 2027
Träger der Skulptur Projekte sind der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Stadt Münster. Veranstalter ist das LWL-Museum für Kunst und Kultur.
Die Ausstellung wird gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sowie durch die Kulturstiftung des Bundes. Die Skulptur Projekte 2027 setzen außerdem die Partnerschaft mit der Sparkasse Münsterland Ost und der Provinzial Versicherung sowie der Sparkassen-Finanzgruppe, dem Sparkassen-Kulturfonds des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und den Sparkassen in Westfalen-Lippe, fort. Sie treten als Hauptförderer des Projekts auf. Als langjährige Partnerin fördert zudem die Kunststiftung NRW die Realisierung der Ausstellung. Auch Brillux ist erneut Förderer der Skulptur Projekte 2027. Als Projektförderer unterstützen die Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale, die LBS NordWest und das ATLANTIC Hotel Münster die Ausgabe 2027.
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Skulptur Projekte Münster Ann-Charlotte Günzel Leiterin Kommunikation T +49 251 591 1761 press@skulptur-projekte.de Landschaftsverband Westfalen Lippe Frank Tafertshofer Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit T +49 251 591 235 presse@lwl.org Stadt Münster Thomas Reisener Leiter des Amts für Kommunikation T +49 251 492 1300 thomas.reisener@stadt-muenster.de
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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