Münster (lwl). Die Vereinigung der Denkmalfachämter in den Ländern (VDL) hat auf ihrer Jahrestagung vom 8. bis 10. Juni in Leipzig eine Erklärung zur Zukunft der Denkmalpflege in Deutschland verabschiedet. Über 420 Teilnehmende setzten damit ein deutliches Signal an Politik und Gesellschaft. LWL-Chefdenkmalpfleger Dr. Holger Mertens ordnet die "Leipziger Erklärung" ein.
Was sind die Kernbestandteile der Erklärung?
Mertens: Zunächst möchte ich die Leipziger Erklärung zitieren. Dort heißt es: "Denkmalpflege und Denkmalschutz sind unverzichtbare Zukunftsaufgaben". Zudem wird deutlich gemacht, dass Bau- und Kulturdenkmäler weit mehr als Zeugnisse vergangener Zeiten sind, da sie Identitäten schaffen, Lebensqualität sichern und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
Wir Denkmalfachämter rufen die politischen Entscheidungsträger auf, Denkmalpflege und Denkmalschutz als wesentlichen Beitrag zu Nachhaltigkeit und Umbaukultur anzuerkennen, welche eine wesentliche Zielsetzung für das gesamte aktuelle Baugeschehen sind bzw. sein sollten.
Zudem sollen wissenschaftlich fundierte und objektiv nachvollziehbare Entscheidungen im Bereich der Denkmalpflege sichergestellt werden. Die fachliche Unabhängigkeit von uns Denkmalfachämtern muss daher bewahrt werden. Und dazu gehört, dass diese Fachbehörden personell sowie finanziell ausreichend ausgestattet werden.
Auch wir sind selbstverständlich dafür, Verwaltungsabläufe zu optimieren und wenn nötig zu modernisieren - jedoch bitte gemeinsam mit uns.
Und "gemeinsam" ist ein weiteres wichtiges Stichwort. Für eine gelingende Denkmalpflege ist das Partnerumfeld unverzichtbar und muss gestärkt werden: Dazu gehören Handwerk, Restaurierung, Forschung und alle, die sich zivilgesellschaftlich engagieren.
Was ist der Hintergrund der Leipziger Erklärung?
Mertens: Die Jahrestagung der Vereinigung der Denkmalfachämter in den Ländern bot auch die Gelegenheit, sich über die aktuell laufenden Novellierungsverfahren zu Denkmalschutzgesetzen der Länder auszutauschen. In mehreren Bundesländern wurden Verwaltungsstrukturen bereits verändert und Zuständigkeiten neu geordnet oder sollen es werden. So soll auch das sächsische Denkmalschutzgesetz gravierenden Veränderungen unterzogen werden, die die Rolle des Denkmalfachamtes im Vollzug des Gesetzes betreffen.
Natürlich haben wir Denkmalpflegenden vor Augen, dass Denkmalpflege in Wissenschaft und Verwaltung stets Veränderungen unterlag. Zudem begrüßen wir Maßnahmen, die Bürokratie abbauen, Verfahren beschleunigen und Effizienz steigern. Doch allzu oft drängen die Reformen in aus unserer Sicht unnötiger Art und Weise die Fachlichkeit aus den Verfahren.
Gilt das auch für Westfalen-Lippe?
Mertens: In NRW wurde 2022 ein neues Denkmalschutzgesetz eingeführt, das genau dies bewirkt hat. Und leider ist dieser Prozess noch nicht zu einem Ende gekommen, denn aktuell berät der NRW-Landtag den Entwurf einer Novelle, die nicht nur Änderungen der Landesbauordnung 2018 vorsieht, sondern in diesem Zusammenhang auch im Bereich der Denkmalpflege. Begründet werden sie mit neuen sicherheitspolitischen Vorgaben der Bundesregierung. Sie sollen Verfahren erleichtern, die Anlagen der Landesverteidigung und des Katastrophenschutzes betreffen. Geplant ist deshalb, zahlreiche öffentliche Bauten und Anlagen von den üblichen denkmalrechtlichen Verfahren auszunehmen und die Beteiligung der Denkmalfachämter auszuschließen. Wir meinen, dass das nachvollziehbare Anliegen der Abwehr von Gefahren für die Bevölkerung auch gelingen kann, wenn denkmalfachliche Aspekte in die Verfahren einfließen dürfen. Dafür stehen wir gerne zur Verfügung.
Das gilt auch für andere aktuelle Herausforderungen: Klimaanpassung, Barrierefreiheit und Ressourcenschonung seien stellvertretend genannt. Doch gerade die staatliche Denkmalpflege trägt hier entscheidend zu Lösungen bei. Sie versteht sich sogar als Vorreiter in Themen der Nachhaltigkeit. Denn was gibt es Nachhaltigeres, als ein Bauwerk weiterzunutzen?
Welchen Stellenwert sehen Sie für Denkmalpflege in Umbruchszeiten?
Mertens: Wie eingangs erwähnt bewahren Bau- und Kulturdenkmäler unser kulturelles Gedächtnis. Mit der "MehrWert"-Kampagne der VDL, die wir 2025 bundesweit gestartet haben, zeigen wir auf, wie wichtig Denkmäler für die Gesellschaft sind. Gerade in Umbruchszeiten sind sie unverzichtbar, denn sie bieten Orientierung und haben bereits vielfach ihre Wandlungsfähigkeit bewiesen. Denkmalpflege und Denkmalschutz garantieren den Erhalt des (bau-)kulturellen Erbes und lenken notwendige Veränderungsprozesse in gute Bahnen. Sie sind deshalb zentrale Zukunftsaufgaben.
Ein Video in Deutscher Gebärdensprache wird angezeigt.
Der Vorsitzende der VDL, Prof. Dr. Thomas Drachenberg überreicht Ministerin Regina Kraushaar, sächsische Ministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung auf Schloss Hubertusburg die Leipziger Erklärung. Foto: LfD Hessen/Britta Schack
Die Amtsleitungskonferenz der VDL vor der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Foto: LfD Sachsen/Thomas Noack
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000
Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen,
20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für
Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten-
und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit
wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen
Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die
Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein
Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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