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02.06.26 | Kultur Die Deckenmalerei im Jagdzimmer von Haus Wittringen in Gladbeck

LWL erklärt Deckengemälde zum Denkmal des Monats Juni

Haus Wittringen in Gladbeck. Der kleine Standerker mit grünem Dach ist das Jagdzimmer.<br>Foto: LWL/Thorsten Arendt

Haus Wittringen in Gladbeck. Der kleine Standerker mit grünem Dach ist das Jagdzimmer.
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Gladbeck (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erklärt die Deckenmalerei im Jagdzimmer von Haus Wittringen in Gladbeck (Kreis Recklinghausen) zum Denkmal des Monats Juni . Das Neurenaissance-Schlossgebäude mit Restaurant und städtischem Festsaal entstand vor rund 100 Jahren, ab 1926, und steht seit 1987 unter Denkmalschutz. 2022 erfolgte eine umfassende Neuerfassung durch die LWL-Denkmalpflege.

Der mittelalterliche Adelssitz Wittringen gehörte seit 1697 der Familie von Vittinghoff gen. Schell. 1922 verkaufte man an die Stadt Gladbeck. Die Gemeinde hatte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts durch den Bergbau große Veränderungen erlebt: Die Bevölkerung wuchs rasant, es wurde viel und oft planlos gebaut, die politischen Gegensätze nahmen zu - vor dem Hintergrund des verlorenen Weltkriegs, der Kämpfe der Roten Ruhrarmee, der belgischen Militärbesatzung und kommunistischer Wahlerfolge.

"Es herrschte ein Klima des Umbruchs und der Unsicherheit, in dem man sich nach Stabilität sehnte", erklärt LWL-Denkmalpfleger Dr. Heinrich Otten. Eine Antwort auf diesen Wunsch in der Bevölkerung war der Bau der stadtnahen Freizeitstätte Haus Wittringen. Die Stadt Gladbeck ließ die ursprünglichen Wirtschaftsbauten und das Fachwerk-Herrenhaus abbrechen, nur das Torhaus von 1706 blieb bestehen. "Dafür wurde ab 1926 ein märchenhaft schönes Neurenaissance-Schlossgebäude mit Restaurant im Erdgeschoss und städtischem Festsaal im Obergeschoss gebaut", so LWL-Denkmalpfleger Otten.

Im großzügigen Park mit seinen Seen, Wiesen und Flanierwegen entstanden zudem ein Stadion, ein Freibad, verschiedene Sportanlagen, Außengastronomie, ein Ehrenmal, eine Marathonbahn und ein neues Heimatmuseum. "Somit verband der Bau der Freizeitstätte Haus Wittringen Aspekte bergmännischer Gesundheitsfürsorge mit gediegener bürgerlicher Traditionsästhetik", sagt Dr. Otten.

Das Jagdzimmer ist ein kleiner Gesellschaftsraum mit Erker, Holzparkett, Vertäfelung und Kreuzgewölbe, auf diesem eine Deckenmalerei aus gelblich-beigefarbenen Figuren sowie Ast- und Blattwerk auf dunkelbraunem Grund. "Die Komposition ist frei und flächig, die Figuren sind traditionell, die skizzenhafte Malweise erscheint zeitgenössisch", erklärt Otten. "Derzeit ist nicht bekannt, wer die Malereien geschaffen hat."

Die Achteck-Kartusche im Zentrum trägt eine Umschrift:

EIN JEDER HAT AM WAIDWERK TEIL WAIDMANNS HEIL!

JAG ER DEN HIRSCH DIE FRAU DEN FLOH HORRIDOH!

Um das Achteck gruppieren sich Jagdszenen, darunter Soziales (Wilddieb, Brennholz-Klau), Menschliches (Jägerlatein) und Mythologisches (Wilde Jagd), aber auch lustige Umdeutungen wie der Jäger im Anstand mit der Gladbecker Zeitung in der Hand oder der Hirsch auf dem Hirschwechsel mit einer Schuldverschreibung (der "Wechsel"). "Im beherzten Schürzenjäger oder im grimmigen Kammerjäger mag sich der eine oder andere Zecher im Jagdzimmer auch persönlich wiedererkannt haben", so Otten.

"Haus Wittringen als neu erbautes Schloss mit städtischem Repräsentationsanspruch und die Jagdzimmer-Malereien mit ihren humorvollen Selbstbespiegelungen suchen eine gediegene und traditionelle Bürgerlichkeit", ordnet Otten die Malereien ein. "Diese Gestaltungen sind ein bemerkenswertes Zeugnis für den Versuch, eine technisch entwickelte Bergbaustadt der 1920er-Jahre mit ihren politischen Spannungen in einer - allerdings neu entworfenen - Tradition zu verankern."

Blick in das Gewölbe mit Schriftkartusche sowie Wilder Jagd (oben links), Hirschwechsel (mitte links) und Jägerlatein (mitte rechts).<br>Foto: LWL/Heinrich Otten

Blick in das Gewölbe mit Schriftkartusche sowie Wilder Jagd (oben links), Hirschwechsel (mitte links) und Jägerlatein (mitte rechts).
Foto: LWL/Heinrich Otten

Ausschnitt aus der Deckenmalerei mit Darstellung früherer Formen der Insektenbekämpfung.<br>Foto: LWL/Heinrich Otten

Ausschnitt aus der Deckenmalerei mit Darstellung früherer Formen der Insektenbekämpfung.
Foto: LWL/Heinrich Otten

Bildszene mit humoristischer Darstellung von Versuchen zwischenmenschlicher Annäherung.<br>Foto: LWL/Heinrich Otten

Bildszene mit humoristischer Darstellung von Versuchen zwischenmenschlicher Annäherung.
Foto: LWL/Heinrich Otten

Teilbild der Malerei mit frei erfundenem Tierwesen als eines Produktes übertreibender menschlicher Phantasie.<br>Foto: LWL/Heinrich Otten

Teilbild der Malerei mit frei erfundenem Tierwesen als eines Produktes übertreibender menschlicher Phantasie.
Foto: LWL/Heinrich Otten

Pressekontakt

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