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01.06.26 | Der LWL Der LWL verleiht seinen Karl-Zuhorn-Preis

an Dr. Markus Lauert aus Paderborn sowie an und Gisela Möllenhoff aus Münster und Rita Schlautmann-Overmeyer aus Ibbenbüren

Der Historiker Dr. Markus Lauert wird mit dem Karl-Zuhorn-Preis ausgezeichnet.<br>Foto: privat

Der Historiker Dr. Markus Lauert wird mit dem Karl-Zuhorn-Preis ausgezeichnet.
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Hattingen/Münster/Ibbenbüren/Paderborn (lwl). Der Land­schafts­ver­band Westfalen-Lippe (LWL) vergibt seinen Karl-Zuhorn-Preis (LWL-Wissenschaftspreis) in der Kategorie Nachwuchsförderung in die­sem Jahr an Dr. Markus Lauert aus Paderborn. In der Kategorie ehrenamtliche Forschung geht der Preis gemeinschaftlich an Gisela Möllenhoff aus Münster und Rita Schlautmann-Overmeyer aus Ibbenbüren (Kreis Steinfurt). Das hat der LWL-Kul­turaus­schuss jetzt be­schlossen und folgt somit der Empfehlung des Rates für westfälische Landeskunde, der die Vorschläge einbrachte. Beide Preise sind mit 10.000 Euro dotiert.

Lauert erhält den Preis für seine Erforschung der Veröffentlichung "Theatrum Europaeum" des Verlegers Matthäus Merians. Lauert hat analysiert, wie die sechsbändige Veröffentlichung als eine Art der zeitgenössischen Zeitgeschichtsschreibung über den Dreißigjährigen Krieg die politischen und militärischen Ereignisse publizistisch verarbeitet und ihnen dadurch erst Wirkung verlieh. Möllenhoff und Schlautmann-Overmeyer engagieren sich seit 1987 im Themenfeld jüdische Lokal- und Regionalgeschichte in Westfalen und in der Biografieforschung zu jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern im 20. Jahrhundert. Sie arbeiten überwiegend gemeinsam.

"Dr. Markus Lauert sowie Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer leisten auf sehr unterschiedliche Weise bedeutende Beiträge zur westfälischen Landeskunde und Kulturgeschichte. Sie beschäftigen sich intensiv mit verschiedenen wissenschaftlichen Fragestellungen und haben besondere Wege gefunden, ihr Wissen zu vermitteln", sagt LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.

Dr. Markus Lauert

"Markus Lauert hat eine Dissertation vorgelegt, in der er die Kenntnisse über das 'Theatrum Europaeum' und sein weiteres Umfeld enorm erweitert hat", heißt es in der Begründung des Rates für westfälische Landeskunde. Erst durch seine Forschungen sei klar geworden, dass die imposanten Bände des Werks in veränderten Fassungen schnell neu aufgelegt worden seien, um sie besser zu machen oder um die Tendenz der Texte zu korrigieren. Außerdem hätten Lauerts Recherchen ans Licht gebracht, woher die grundlegenden Informationen für die Bände kamen. Dadurch habe sich nicht nur ein deutlicherer Blick auf das Werk und seine Produktion, sondern auch eine erhebliche Erweiterung der Kenntnisse über die Druckmedien im Dreißigjährigen Krieg ergeben. So habe Lauert an Flugschriften, Flugblättern und Kupferstichen belegt, wie der Krieg Modernisierungsschübe für die Kommunikation mit sich brachte. Mit dem Westfalenfeldzug des Carl Gustav Wrangel 1646 hat Lauert zudem ein auch regional bedeutendes Thema näher in den Blick genommen. "Die Dissertation überzeugt durch intellektuellen Überblick und sprachliche Präzision, zudem durch das stete Bestreben, neue Quellen aufzuspüren und Probleme immer wieder aus neuen Blickwinkeln anzugehen", heißt es weiter.

Dr. Markus Lauert ist 1991 geboren und lebt in Paderborn. Er studierte Deutsch und Geschichte an der Universität Paderborn. Von 2017 bis 2024 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Historischen Institut im Bereich Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Paderborn und promovierte 2024. Seit November 2025 arbeitet er als Lehrer an einer Realschule in Höxter.

Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer

"Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer ist es wichtig, ihre Forschungen möglichst breiten Kreisen zuganglich zu machen. War die Motivation in den 1980er-Jahren, für das Schicksal der Jüdinnen und Juden in Nazi-Deutschland zu interessieren und Versöhnung anzustreben, geht es heute auch darum, das Gedenken und den Versöhnungsgedanken in einer Zeit wachzuhalten, in der die meisten Zeitzeugen nicht mehr leben. Beide öffnen sich dafür auch neuen, digitalen Methoden. Über Jahrzehnte haben sie zahlreiche Vorträge gehalten und in Sammelbänden, Ausstellungskatalogen, Zeitschriften und Zeitungen publiziert. Auch über Westfalen hinaus war ihre Expertise immer wieder gefragt. Wissenschaftliche Forschung und wissenschaftliche Aufarbeitung sind im Werk von Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer die Grundlage für Kontaktpflege und vor allem für Aussöhnung: Viele der von ihnen Kontaktierten sahen in den Gesprächen die erste Möglichkeit, überhaupt über ihre Erinnerungen an die Verfolgung zu sprechen", so die Begründung des Rates für westfälische Landeskunde.

Möllenhoff hat als Mitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit bereits 1983 an der Vorbereitung der Ausstellung "Deutsche Juden und ihr Beitrag zur deutschen Kultur" in Münster mitgearbeitet. Sie lernte Schlautmann-Overmeyer 1987 kennen, als beide gemeinsam an der Ausstellung "Geschichte der Juden in Münster" mitwirkten. Im Rahmen der Vorbereitung dieser Ausstellung war klargeworden, dass es nur wenige Informationen über die 1933 in Münster lebende jüdische Bevölkerung gab. Beide Historikerinnen entschlossen sich, diese Forschungslücke zu schließen. Das Ergebnis ist ein dreibändiges, bis heute aktuelles Werk, das sie überwiegend in ehrenamtlicher Arbeit erstellt haben. Der erste Band ist ein biografisches Lexikon mit Beiträgen zu 564 Familien und Informationen zu etwa 1.500 Einzelpersonen. Die Arbeiten daran erstreckten sich über die Jahre 1990 bis 2001. "Das dreibändige Werk zur jüdischen Geschichte Münsters kann bis heute als Standardwerk und als Vorbild gelten: nur wenige andere Städte haben etwas Vergleichbares erreicht. Viele positive Rezensionen belegen den Wert dieser Arbeit", heißt es in der Begründung weiter.

Bis heute arbeiten beide Frauen wissenschaftlich weiter: Beide haben mit Ortsartikeln an dem von der Historischen Kommission für Westfalen herausgegebenen vierbändigen "Historischen Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe" mitgewirkt.

Gisela Möllenhoff (* 1938) hat Geschichte und Französisch studiert und ist Realschullehrerin. Ihre Berufstätigkeit hat sie 1966 aufgegeben. Rita Schlautmann-Overmeyer (* 1955) studierte als gelernte Krankenschwester auf dem zweiten Bildungsweg Geschichte, Osteuropäische Geschichte und Englisch und schloss das Studium 1991 mit dem Magister Artium in Geschichte ab.

Hintergrund:

Der Karl-Zuhorn-Preis wird seit 1979 verliehen. Der LWL-Wissenschaftspreis ist zweigeteilt und jeweils mit 10.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung wird in alternierender Kooperation mit den sechs wissenschaftlichen Kommissionen des LWL - Altertumskommission für Westfalen, Geographische Kommission für Westfalen, Historische Kommission für Westfalen, Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens, Literaturkommission für Westfalen, Kommission Alltagskulturforschung für Westfalen - sowie dem LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte jährlich an Forschende gleicher Fachrichtung in den Kategorien Nachwuchsförderung und ehrenamtliche Forschung verliehen. Der Forschungsgegenstand muss einen Westfalenbezug aufweisen und relevant für die westfälische Landeskunde und Geschichte sein. Veranstaltungen wie Vorträge der Preisträger:innen sollen dazu beitragen, den Preis in der Region zu verwurzeln. Die Preisträger:innen des Karl-Zuhorn-Preises werden vom Rat für westfälische Landeskunde vorgeschlagen und vom LWL-Kulturausschuss beschlossen. In der Kategorie Nachwuchsförderung sollen junge Wissenschaftler:innen unterstützt werden. In der Kategorie ehrenamtliche Forschung kann sowohl die gesamte bisherige Forschung als auch eine einzelne Arbeit oder ein Projekt ausgezeichnet werden.

In der Kategorie ehrenamtliche Forschung geht der Preis an Gisela Möllenhoff (l.) und Rita Schlautmann-Overmeyer.<br>Foto: LWL/Carsten Pöhler

In der Kategorie ehrenamtliche Forschung geht der Preis an Gisela Möllenhoff (l.) und Rita Schlautmann-Overmeyer.
Foto: LWL/Carsten Pöhler

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Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

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