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26.05.26 | Soziales Chance statt Vorurteil:

Wie ein Unternehmen mit Mut und Offenheit Inklusion lebt

Ausbilder Manuel Schmidt (v.r.), Arbeitsassistentin Anna Lensdorf), Auszubildender Paul Trometer und Sonja Beier vom IFD Paderborn-Höxter.<br>Foto: Angie Kunz

Ausbilder Manuel Schmidt (v.r.), Arbeitsassistentin Anna Lensdorf), Auszubildender Paul Trometer und Sonja Beier vom IFD Paderborn-Höxter.
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Lichtenau (lwl). Nach 70 vergeblichen Bewerbungen hat Paul Trompeter aufgehört zu zählen, doch aufgegeben hat er nicht. Und er hatte Erfolg: Die mobile Objects GmbH hatte zwar keine Erfahrung mit der Ausbildung von Menschen mit Behinderung, bot dem jungen Mann mit erheblicher körperlicher Beeinträchtigung aber nach zwei Schnuppertagen einen Ausbildungsplatz an. Paul Trompeter begann schließlich am 1. September 2025 seine Ausbildung zum Fachinformatiker in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung.

Der Integrationsfachdienst (IFD) des Kreises Paderborn begleitete Paul Trompeter auf seinem Weg in den Beruf. Im Rahmen eines Modellvorhabens konnte der IFD junge Menschen mit Behinderung erstmals auch an Berufskollegs - und damit über die Sekundarstufe I hinaus - beim Übergang in Arbeit, Ausbildung oder arbeitsmarktnahe Maßnahmen unterstützen. Der IFD arbeitet im Auftrag des LWL-Inklusionsamtes Arbeit. Aufgrund einer angeborenen Stoffwechselerkrankung erlitt Paul Trompeter bereits als Kind eine schwere Krise, die zu einer starken körperlichen Behinderung führte. Seine Bewegungen kann er nur eingeschränkt selbst steuern. Um sich mitzuteilen, nutzt er einen Sprachcomputer ("Talker"). Seine unwillkürlichen Bewegungen machen den Umgang mit technischen Hilfsmitteln oft langsamer und erfordern Geduld.

Nachdem er sich bei der mobile Objects GmbH beworben hatte, bestand im Unternehmen zunächst Unsicherheit. Denn das Unternehmen hatte bisher keine Erfahrungen mit der Ausbildung von Menschen mit Behinderung. Vor diesem Hintergrund wandte sich der Betrieb mit seinem Beratungsbedarf an den IFD. "Im Unternehmen bin ich von Anfang an auf großes Interesse und echte Offenheit gestoßen. Die Atmosphäre war ausgesprochen angenehm und wertschätzend - das hat Paul Trompeter sehr dabei geholfen, schnell anzukommen", sagt Sonja Beier vom IFD Paderborn-Höxter.

Ausbilder Manuel Schmidt begegnete der Bewerbung zunächst mit "Respekt vor der Herausforderung". Schon nach dem ersten Kennenlernen wandelte sich diese Einschätzung: "Einmal drüber schlafen, dann ein persönliches Treffen - und es war sofort klar, dass es passt", so Schmidt. "Die Zusammenarbeit hat uns gezeigt, dass Inklusion keine Einbahnstraße ist - wir lernen genauso viel dazu wie unser Auszubildender", sagt Schmidt heute. Gemeinsam mit dem IFD hat die Agentur für Arbeit im Rahmen intensiver Beratungen von allen Beteiligten den Betrieb auch auf die individuell erforderliche Barrierefreiheit geprüft. Mit Unterstützung der Reha-Beratung der Agentur für Arbeit, die als Leistungsträger im Rahmen der Ausbildung fungiert, konnte das Unternehmen die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Paul Trompeter stehen dafür unter anderem ein Elektrorollstuhl, ein höhenverstellbarer Schreibtisch, spezielle Armstützen, eine angepasste Tastatur sowie ein Joystick zur Verfügung. Darüber hinaus wird er durch eine Arbeitsassistenz unterstützt. Die von der Agentur für Arbeit finanzierte Arbeitsassistenz unterstützt Paul bei alltäglichen Tätigkeiten. Alle nötigen technischen Geräte kann der junge Auszubildende eigenständig bedienen. Die Anfahrt war zunächst eine Herausforderung, hier wurde dafür gesorgt, dass ein Fahrdienst Paul Trompeter sicher zum Arbeitsplatz bringt. Den schulischen Part der Ausbildung absolviert Paul Trompeter in der Berufsschule Holzminden - in räumlicher Nähe zum Elternhaus

"Der Fall verdeutlicht eindrucksvoll, dass berufliche Integration gelingen kann, wenn alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang ziehen. Offenheit, individuelle Unterstützung und der Mut, neue Wege zu gehen, sind dabei entscheidende Erfolgsfaktoren", so Kristina Steffen vom LWL-Inklusionsamt Arbeit. Für die Mutter Simone Trompeter zählt nur eins: "Paul fährt jeden Tag glücklich zur Arbeit und kommt zufrieden zurück." Und Paul Trompeter selbst teilt über seinen "Talker" mit: "Ich bin sehr zufrieden in der Ausbildung."

"Die Ausbildung von Paul Trompeter ist eine Bereicherung für das Unternehmen. Man lernt, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten", sagt Geschäftsführer Karl-Heinz Kolle. Gleichzeitig richtet er einen klaren Appell an andere Unternehmen: "Einfach ausprobieren - lieber versuchen als gar nichts tun."

Der Arbeitsplatz von Paul Trompeter ist so ausgestattet, dass er alle nötigen technischen Geräte eigenständig bedienen kann.<br>Foto: Angie Kunz

Der Arbeitsplatz von Paul Trompeter ist so ausgestattet, dass er alle nötigen technischen Geräte eigenständig bedienen kann.
Foto: Angie Kunz

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