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22.05.26 | Kultur Ein Riff aus dem Devon entsteht

Blick hinter die Kulissen der neuen Ausstellung "Überleben zwischen Dinos und Schuppenbäumen"

Mayla Renz-Kiefel, geologisch-paläontologische Präparatorin im LWL-Museum für Naturkunde, hat mit ihren Kolleg:innen viele Wochen lang an der Riff-Nachbildung gebaut.<br>Foto: LWL/Pott

Mayla Renz-Kiefel, geologisch-paläontologische Präparatorin im LWL-Museum für Naturkunde, hat mit ihren Kolleg:innen viele Wochen lang an der Riff-Nachbildung gebaut.
Foto: LWL/Pott
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Münster (lwl). Mit Gips, Farbe, 3D-Druck und ganz viel Recherche entsteht im LWL-Museum für Naturkunde in Münster gerade Stück für Stück ein 4,5 mal 2 mal 3 Meter großes Riff aus dem Devon. Die Präparator:innen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) machen mit Handwerk, Wissenschaft und Kreativität diesen hunderte Millionen Jahre alten Lebensraum wieder sichtbar. Ab dem 10. Juli können Museumsbesuchende die urzeitliche Unterwasserwelt sehen.

Mit Hilfe von Dachlatten, Spanplatten, Styrodur, Kaninchendraht und Gips bauen die Fachleute des LWL das Riff wieder auf. Die Planungen und der Bau erster Objekte begannen bereits 2024. Doch die dargestellte Lebenswelt ist so viel älter: Vor rund 420 bis 359 Millionen Jahren, im Devon, lag das heutige Westfalen unter einem tropischen Flachmeer am Südrand eines großen Kontinents. Hier entstanden gewaltige Riffe, aufgebaut vor allem von Schwämmen und Korallen. Zwischen ihnen lebten Seelilien, Muscheln, Brachiopoden, Schnecken, Kopffüßer und frühe Fische.

"Riffe haben sich mehrfach in der Erdgeschichte entwickelt, zum Beispiel im Devon. Auch hier in der Region gab es Riffe", erzählt Mayla Renz-Kiefel. Die Geologisch-paläontologische Präparatorin aus dem Team von Werkstattleiter Michael Ludorf hat mit ihren Kolleg:innen bereits Monate lang an der Riff-Nachbildung gebaut.

Das Riff besteht aus rund 1.400 Objekten, die nun Stück für Stück in der Nachbildung eingesetzt werden. Die einzelnen Objekte wurden teils von Hand, teils digital in 3D modelliert und anschließend durch Abgusstechnik oder per Scan und 3D-Druck vervielfältigt. Für die farbliche Gestaltung nutzen die Präparator:innen Airbrush, Acrylfarben und Pigmente.

"Riffe sind die artenreichsten Lebensräume überhaupt, damals wie heute. Auf den ersten Blick sieht unsere Riff-Nachbildung den heutigen Riffen ähnlich", so Renz-Kiefel. "Der Betrachter erkennt Korallen und Schwämme. Es schwimmen Fische und Kopffüßer durch das Riff. Erst auf dem zweiten Blick wird klar, dass die Fische, die im Riff herumschwimmen eher urtümlich aussehen. Auch die Korallen sehen anders aus als die heutigen, denn die Arten, die wir zeigen, sind heute ausgestorben."

Riffbildende Korallen hatten Ansprüche an ihre Umwelt: Die Wassertiefe durfte 35 Meter nicht überschreiten und die Temperatur musste zwischen 20 und 29 Grad Celsius liegen. Zudem durfte das Wasser nicht zu trüb und der Salzgehalt nicht zu niedrig sein.

Aufgrund dieser Anforderungen waren die Riffgemeinschaften durch die Klima- und Meeresspiegelschwankungen gefährdet, die im späten Devon letztlich zum Zusammenbruch der Riffökosysteme führten. Sie führten dazu, dass viele Fische nicht überlebten. "Als Präparatorin habe ich nun die spannende Aufgabe, diesen ausgestorbenen Lebensraum und seine Bewohner wieder zum Leben zu erwecken", sagt Renz-Kiefel.

Hintergrund

Die Ausstellung "Überleben zwischen Dinos und Schuppenbäumen" ist ab dem 10. Juli in Münster zu sehen. Das Projekt wird von der LWL-Kulturstiftung gefördert. Es ist Teil des Kulturprogramms zum Jubiläum "1250 Jahre Westfalen", das 2025 unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gefeiert wurde und bis in 2026 hineinwirkt. Außerdem wird die Ausstellung gefördert von der Sparkasse Münsterland Ost.

Die Paläontologische Landesausstellung Nordrhein-Westfalen ist ein gemeinsames Ausstellungsprojekt des Ruhr Museums in Essen, des LWL-Museums für Naturkunde in Münster und des Lippischen Landesmuseums Detmold. Initiiert und gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen. Von April 2026 bis September 2027 erzählen die drei Häuser in unterschiedlichen Ausstellungen vom Wandel des Lebens über gewaltige Zeiträume hinweg, von urzeitlichen Pflanzenwelten über Dinosaurier bis zu den Tieren der Eiszeit.

Ort: LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Str. 285, 48161 Münster

Stück für Stück entsteht im LWL-Museum für Naturkunde ein Riff aus dem Devon: Mayla Renz-Kiefel bringt die urzeitliche Unterwasserwelt mit handwerklichem Geschick und wissenschaftlicher Genauigkeit in Form.<br>Foto: LWL/Leckelt-Hüls

Stück für Stück entsteht im LWL-Museum für Naturkunde ein Riff aus dem Devon: Mayla Renz-Kiefel bringt die urzeitliche Unterwasserwelt mit handwerklichem Geschick und wissenschaftlicher Genauigkeit in Form.
Foto: LWL/Leckelt-Hüls

Seelilien bereit für ihren Platz im Devon-Riff: Auch diese Tiere gehörten zu den Bewohnern der tropischen Meere, die einst weite Teile des heutigen Nordrhein-Westfalens bedeckten.<br>Foto: LWL/Puschmann

Seelilien bereit für ihren Platz im Devon-Riff: Auch diese Tiere gehörten zu den Bewohnern der tropischen Meere, die einst weite Teile des heutigen Nordrhein-Westfalens bedeckten.
Foto: LWL/Puschmann

Urtümliche Fische im devonischen Riff: Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass diese Unterwasserwelt heutigen Riffen ähnelt - und doch von längst ausgestorbenen Arten geprägt ist.<br>Foto: LWL/Fialla

Urtümliche Fische im devonischen Riff: Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass diese Unterwasserwelt heutigen Riffen ähnelt - und doch von längst ausgestorbenen Arten geprägt ist.
Foto: LWL/Fialla

Noch warten die einzelnen Riffelemente auf ihren Einsatz: Viele Objekte wurden von Hand gefertigt, digital modelliert, abgegossen oder per 3D-Druck vervielfältigt.<br>Foto: LWL/Fialla

Noch warten die einzelnen Riffelemente auf ihren Einsatz: Viele Objekte wurden von Hand gefertigt, digital modelliert, abgegossen oder per 3D-Druck vervielfältigt.
Foto: LWL/Fialla

Eine urzeitliche Welt nimmt Gestalt an: Das bisher fertiggestellte Riff gibt bereits einen Eindruck davon, was Besucher:innen ab dem 10. Juli im LWL-Museum für Naturkunde erwartet.<br>Foto: LWL/Fialla

Eine urzeitliche Welt nimmt Gestalt an: Das bisher fertiggestellte Riff gibt bereits einen Eindruck davon, was Besucher:innen ab dem 10. Juli im LWL-Museum für Naturkunde erwartet.
Foto: LWL/Fialla

Korallen, Schwämme und weitere Meeresbewohner werden zeigen, wie artenreich die tropischen Flachmeere im heutigen Nordrhein-Westfalen vor Millionen Jahren waren.<br>Foto: LWL/Fialla

Korallen, Schwämme und weitere Meeresbewohner werden zeigen, wie artenreich die tropischen Flachmeere im heutigen Nordrhein-Westfalen vor Millionen Jahren waren.
Foto: LWL/Fialla

Pressekontakt

Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

presse@lwl.org

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Der LWL im Überblick

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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