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07.05.26 | Kultur 165 Millionen Jahre alter Raubsaurier für neue Ausstellung in Münster

LWL-Museum für Naturkunde zeigt Skelett-Rekonstruktion von "Wiehenvenator albati"

Der Raubsaurier eröffnet seltene Einblicke in die Lebenswelt an Land in einer Zeit, aus der in Nordrhein-Westfalen sonst vor allem Meeresfossilien bekannt sind.<br>Foto: LWL/Fialla

Der Raubsaurier eröffnet seltene Einblicke in die Lebenswelt an Land in einer Zeit, aus der in Nordrhein-Westfalen sonst vor allem Meeresfossilien bekannt sind.
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Münster (lwl). Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster bereitet gerade eine große, neue Ausstellung vor. Mit der Paläontologischen Landesausstellung "Überleben zwischen Dinos und Schuppenbäumen" kehren in Münster die Dinosaurier zurück ins Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Das Museumsteam arbeitet gerade an der Ausstellung, die ab 10. Juli ihre Türen für die Öffentlichkeit öffnet. Ein beeindruckendes neues Objekt ist auf der neuen Ausstellungsfläche eingetroffen: Mit "Wiehenvenator albati" wird dort künftig einer der größten bekannten Raubsaurier Mitteleuropas zu sehen sein.

Die Skelett-Rekonstruktion des etwa 165 Millionen Jahre alten Theropoden wurde anhand originaler, fossiler Funde und Vergleiche mit der nahe verwandten Gattung Torvosaurus erst digital erstellt und dann mit 3D-Drucken und Modellierungsarbeiten analog umgesetzt.

Die wissenschaftlich fundierte Skelett-Rekonstruktion ist rund 2,2 Meter hoch und über 8,5 Meter lang. "Der Wiehenvenator ist für uns in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Tier", erklärt Ausstellungsmacher Frithjof Malte Leopold. "Zum einen gehört er zu den größten bekannten Raubsauriern Deutschlands. Zum anderen eröffnet er seltene Einblicke in die Lebenswelt an Land in einer Zeit, aus der wir in Westfalen sonst vor allem Meereslebewesen kennen."

Die Entdeckung von Wiehenvenator geht auf das Jahr 1998 zurück. Bei einer Routinebegehung im Wiehengebirge wurden Knochen und Zähne entdeckt, die sich später als Überreste eines großen Raubsauriers erwiesen. Bis zur vollständigen wissenschaftlichen Auswertung und Veröffentlichung vergingen rund 15 Jahre. Die Untersuchungen zeigten: Die Fossilien stammen von einem einzigen Individuum, das etwa zehn Jahre alt und mit einer Körperlänge von acht bis neun Metern nahezu ausgewachsen war. "Der wissenschaftliche Name verweist auf den Fundort im Wiehengebirge und ehrt den Finder Friedrich Albat", sagt Ausstellungskuratorin Lisa Wong.

Besonders bemerkenswert ist der Fundkontext. Im Jura war der nördliche Teil des heutigen Westfalens von einem subtropischen Flachmeer bedeckt. Die Überreste eines großen Landtieres sind ein seltener Ausnahmefall. Vermutlich wurde der Raubsaurier nach seinem Tod vom Festland ins Meer gespült und dort von Sediment bedeckt. Mineralien ersetzten das organische Material, und so blieb er als Fossil für die Nachwelt erhalten.

Als seltener "Exot" unter den Fossilien aus marinen Ablagerungen macht der Fund deutlich, wie lückenhaft das Wissen über die Festland-Ökosysteme des Mitteljuras in Zentraleuropa bis heute ist - und welche wissenschaftliche Bedeutung einzelne Entdeckungen haben können.

Hintergrund

Die Ausstellung "Überleben zwischen Dinos und Schuppenbäumen" ist ab dem 10. Juli in Münster zu sehen. Das Projekt wird von der LWL-Kulturstiftung gefördert. Es ist Teil des Kulturprogramms zum Jubiläum "1250 Jahre Westfalen", das 2025 unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gefeiert wurde und bis in 2026 hineinwirkt. Außerdem fördert die Sparkasse Münsterland Ost die Ausstellung.

Die Paläontologische Landesausstellung Nordrhein-Westfalen ist ein gemeinsames Ausstellungsprojekt des Ruhr Museums in Essen, des LWL-Museums für Naturkunde in Münster und des Lippischen Landesmuseums Detmold. Initiiert und gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen. Von April 2026 bis September 2027 erzählen die drei Häuser in unterschiedlichen Ausstellungen vom Wandel des Lebens über gewaltige Zeiträume hinweg, von urzeitlichen Pflanzenwelten über Dinosaurier bis zu den Tieren der Eiszeit.

Ort: LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Str. 285, 48161 Münster

Der Dinosaurier-Fund geht auf das Jahr 1998 zurück, als er im Wiehengebirge gefunden wurde. Die Originalknochen sind in der neuen Ausstellung zu sehen.<br>Foto: LWL/Fialla

Der Dinosaurier-Fund geht auf das Jahr 1998 zurück, als er im Wiehengebirge gefunden wurde. Die Originalknochen sind in der neuen Ausstellung zu sehen.
Foto: LWL/Fialla

Deutschlands größter Raubsaurier Wiehenvenator albati ist in der neuen Ausstellung "überLeben zwischen Dinos und Schuppenbäumen" zu sehen.<br>Foto: LWL/Fialla

Deutschlands größter Raubsaurier Wiehenvenator albati ist in der neuen Ausstellung "überLeben zwischen Dinos und Schuppenbäumen" zu sehen.
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Pressekontakt

Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

presse@lwl.org

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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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