05.05.26 | Kultur Vergangenheit blüht für die Zukunft
LWL erklärt Stadtgarten Gelsenkirchen zum Denkmal des Monats Mai 2026
Stadtgarten Gelsenkirchen, Blick über die Zeppelinallee und die Pergola auf den Rosengarten.
Foto: LWL/Christof Baier
Kohle und Stahl ließen Gelsenkirchen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von einem kleinen agrarisch geprägten Kirchdorf zu einer der bedeutendsten deutschen Montanstädte wachsen, neue Stadtviertel und öffentliche Bauten entstanden. "Dieses Wachstum an Größe und Selbstbewusstsein ließ in den 1890er-Jahren auch den Wunsch nach einer stadteigenen repräsentativen Grünanlage entstehen", erklärt LWL-Gartendenkmalpfleger Dr. Christof Baier. "So wurde 1897 westlich der damaligen Stadtgrenze der erste kommunale Park Gelsenkirchens eingeweiht, der "Kaiser-Wilhelm-Garten. Dieser Park war ein so großer Erfolg, dass er in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert werden musste."
In seiner heutigen Gestalt besteht der Stadtgarten aus zwei Teilen, verbunden durch die imposanten Platanenreihen der Zeppelinallee. Im Nordteil dominieren zwei Teiche und ein Rosengarten. "Sehr schön ist ein Parkbild, das sich im Nordosten von einer kleinen Anhöhe herab ergibt", sagt Baier. "Aus einer offenen Schutzhütte heraus, die inmitten eines Platanenrondells steht, öffnet sich den Hang hinab der Blick auf den großen Teich, geschwungene Wege. Sorgsam platzierte Gehölze gestalten einen in der Tiefe gestaffelten, spannungsvollen Raum. Bemerkenswert ist, dass dieses schöne Parkbild aus der Entstehungszeit des Stadtgartens um 1897 stammt."
Im südlichen Teil wird der Park von weitläufigen Rasenflächen geprägt, die durch verschiedene Gehölze eingefasst und strukturiert werden. Quer hindurch zieht sich die Große Allee, die südlich auf das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus zuführt. Im Südteil ist ein viel genutzter Ort der Simonsberg, der im Winter als Rodelberg und ansonsten als erholsamer Aufenthaltsort dient. Benannt ist er nach dem Gartenbaudirektor Ludwig Simon. "Beeindruckend sind die aus den 1920er-Jahren stammenden vielfältigen Sichtachsen, die alten Platanen und die das Aussichtsplateau rahmenden Treppen und Mauerzüge", so Baier. An anderen Stellen wird deutlich, wie sich die Nachkriegszeit einen zukunftsträchtigen Park vorstellte, so am opulenten Wassergarten oder dem großen Spielplatzbereich.
"Im Stadtgarten Gelsenkirchen sind Stadt- und Gartengeschichte ebenso lebendig erfahrbar wie die sich wandelnden Ansprüche der Stadtgesellschaft an den Park als grünen Erholungsraum", erklärt Baier. "Es ist unübersehbar, welch hohen Stellenwert Gartenkultur, Grünplanung und Erholungsfunktion im politischen und planerischen Handeln der Stadt Gelsenkirchen besaßen und besitzen. So sind heute Spuren aus allen Entwicklungsphasen in harmonischem Nebeneinander zu erleben. In Abwandlung des IGA-Mottos lässt sich sagen: 'Vergangenheit.Blüht'."
Hintergrund: Vom Kaiser-Wilhelm-Garten zum Stadtgarten
Kohle und Stahl ließen Gelsenkirchen seit Mitte des 19. Jahrhunderts von einem kleinen agrarisch geprägten Kirchdorf zu einer der bedeutendsten deutschen Montanstädte wachsen. Die Einwohnerzahl stieg von 505 im Jahr 1819 auf 100.000 Einwohner im Jahr 1903. Ein kaum fassbares und schwer steuerbares Wachstum. Verwaltungsstrukturen mussten permanent angepasst und ausgebaut werden, ebenso die städtische Infrastruktur. Es entstanden neue Stadtviertel und neue öffentliche Bauten. Dieses Wachstum an Größe, Bedeutung und Selbstbewusstsein ließ in den 1890er-Jahren auch den Wunsch nach einer stadteigenen repräsentativen Grünanlage entstehen.
1895 beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Ankauf des künftigen Stadtgartengeländes westlich der damaligen Stadtgrenze. Den Entwurf lieferte der Essener Stadtgartendirektor Heinrich J. Stefen. 1897 wurde der Park als "Kaiser-Wilhelm-Garten" eingeweiht. Dieser erste kommunale Park Gelsenkirchens war ein so großer Erfolg, dass er in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert werden musste: 1902, 1912 und um 1925. Verantwortlich zeichnete nun der neue Gelsenkirchener Gartenbaudirektor Ludwig Simon. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren unter Gartenbaudirektor Ernst Max Gey der Gehölzbestand teilweise erneuert, der Rosengarten erhielt eine zeitgemäße Gestalt. Neu entstanden der Dahlien- und Wassergarten, die Pergolen an der Zeppelinallee und zwei Mahnmale.
Neue Straßen, neue Bauten, neuer Park: Plan der Stadt Gelsenkirchen, 1897.
Foto: Landesarchiv NRW
Luftbild von 1926. Arbeiten an der südlichen Erweiterung.
Foto: RVR, 1926, dl-de/by-2-0.
Gartenpartie im südlichen Parkteil nach Entwurf von Ludwig Simon.
Foto: LWL/Christof Baier
Pergola als Parkeingang, Aufenthaltsort und gestalterische Verbindung der beiden Parkteile an der Zeppelinallee.
Foto: "Datenlizenz Deutschland - Zero"
Parkbild von 1897, heutiger Blick vom Hügel mit der Schutzhütte zum großen Teich.
Foto: Jutta Curtius
Blick vom Simonsberg nach Westen. Foto:
LWL/Marcus Weiß
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