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04.05.26 | Kultur Schrecken ohne Ende: Neuer Wettbewerb für Bürgerwissenschaftler:innen

Aufruf zum Beobachten und Melden von Heuschrecken, Ohrwürmern und Co.

Die Sumpfschrecke Stetophyma grossum ist im feuchten Grünland häufig. Einzigartig ist ihre Tonerzeugung: Sie macht Knickgeräusche durch ruckartiges Strecken der Hinterbeine.<br>Foto: Martin Husemann

Die Sumpfschrecke Stetophyma grossum ist im feuchten Grünland häufig. Einzigartig ist ihre Tonerzeugung: Sie macht Knickgeräusche durch ruckartiges Strecken der Hinterbeine.
Foto: Martin Husemann
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Münster/Karlsruhe (lwl). Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster startet am Freitag (1.5.) zusammen mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe, der Naturbeobachtungsplattform Observation.org sowie weiteren regionalen Partnern die "Orthopteroidea-Challenge" "Schrecken, Schrecken ohne Ende". Interessierte können ab sofort fotografische Beobachtungen von Heuschrecken, Fangschrecken, Ohrwürmern und einigen weiteren Arten im Internet über Observation.org oder in der Smartphone-App "ObsIdentify" melden und bis zum 30. November zur Erforschung der Natur beitragen. Der Wettbewerb ist länderübergreifend und fordert Interessierte in Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz zum Mitmachen auf.

Zusammen mit den Ohrwürmern, Schaben und Termiten wurden Heuschrecken, Fangschrecken und Stabschrecken traditionell der Verwandtschaftsgruppe der "Orthopteroidea" zugeordnet. Auch wenn diese Einordnung aus heutiger Sicht nicht mehr Bestand hat, werden die Tiere dennoch häufig gemeinsam erforscht.

Deshalb haben die Initiatoren der Challenge entschieden, für diese Insekten einen gemeinsamen bürgerwissenschaftlichen Wettbewerb. Die Beobachtungen der Bürger:innen helfen, Lücken im Wissen über die Verbreitung der Tiere zu füllen, seien es scheue Ohrwürmer, große Heuschrecken oder eingeschleppte Schaben. Die Daten aus der Challenge sind für die Forschung und den Naturschutz wichtig und würden unter anderem in die Roten Listen, die Verzeichnisse gefährdeter Tierarten, einfließen.

Manche Orthopteroidea sind unscheinbar und leben versteckt, sodass ihre Verbreitung nicht ausreichend bekannt ist wie bei den Ohrwürmern oder Schaben. Andere, wie Heuschrecken und Fangschrecken, gehören zu den größten heimischen Insekten. Viele Arten ändern gerade massiv ihr Verbreitungsgebiet - beispielsweise sind sie durch den Schwund ihrer Lebensräume gefährdet, wie der Warzenbeißer, das Insekt des Jahres 2026.

Manche wiederum, durch den Klimawandel begünstigt, erweitern gerade ihr Areal in Richtung Norden. Ein gutes Beispiel dafür sind die Europäische Gottesanbeterin oder das Weinhähnchen. Mit dem zunehmenden internationalen Verkehr und durch Aussetzung von Tieren aus privater Haltung gelangen immer wieder selbst tropische und subtropische Arten nach Mitteleuropa, darunter Stabschrecken oder Termiten.

Wo "Schrecken" zu finden sind
Heuschrecken leben vor allem im Grünland. Manche mögen kahle Bodenflecken, manche krautige Vegetation und einige leben auf Bäumen. Vielversprechende Fundorte können Bahntrassen, Gewässerufer oder Städte sein. Die Gottesanbeterinnen lauern auf ihre Beute auf Vegetation aller Art. Ohrwürmer und Schaben leben wiederum versteckt in Bodenstreu, unter Steinen oder Baumrinde und an schattigen Orten. Manche Arten, vor allem Schaben, haben menschliche Wohnungen oder Gewächshäuser der botanischen Gärten als Lebensraum für sich erschlossen.

Teilnahmebedingungen
Es zählen Meldungen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz. Nachweise aus Wohnungen oder Gewächshäusern werden nur akzeptiert, wenn die Tiere selbst nicht aus der Zucht stammen. Hochgeladene Fotos aus heimischen Terrarien, Zoo-Expositionen oder Ähnlichem werden aussortiert.

Unter den ersten 10 der Teilnehmenden, die die meisten Arten fotografiert und über die App ObsIdentify oder über die Internetseite observation.org hochgeladen haben, werden Preise ausgelost. Hauptpreis: Teilnahme an einem Kursus der Wahl im Bildungs- und Forschungszentrum Heiliges Meer des LWL-Museums für Naturkunde, inklusive Begleitperson und Verpflegung. Die zweitplatzierte Person gewinnt das Buch "Die Welt der Heuschrecken: Faszinierende Lebensweise, unterschätzte Vielfalt". Der Preis für den dritten Platz ist eine Jahreskarte bei einem der Partnermuseen: dem LWL-Museum für Naturkunde in Münster oder dem Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe.

Mehr Infos zur Challenge: http://www.schrecken.lwl.org
Teilnehmende finden ihre Ergebnisse in der App ObsIdentify.
Fragen an: germany@observation.org

Weinhänchen Oecanthus pellucens (hier ein Jungtier) besiedeln warme sonnenexponierte Lebensräume wie z. B. Weinbergsbrachen und breiten sich im Zuge des Klimawandels gen Norden aus.<br>Foto: Angela Höse

Weinhänchen Oecanthus pellucens (hier ein Jungtier) besiedeln warme sonnenexponierte Lebensräume wie z. B. Weinbergsbrachen und breiten sich im Zuge des Klimawandels gen Norden aus.
Foto: Angela Höse

Der Gemeine Ohrwurm Forficula dentata kommt häufig auch in Gärten vor und kann hier als Vertilger von Schädlingen dienen.<br>Foto: Martin Husemann

Der Gemeine Ohrwurm Forficula dentata kommt häufig auch in Gärten vor und kann hier als Vertilger von Schädlingen dienen.
Foto: Martin Husemann

Pressekontakt

Bianca Fialla, LWL-Museum für Naturkunde, Telefon: 0251 591-6066

presse@lwl.org

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