Transkript anzeigen Abspielen Pausieren

24.04.26 | Kultur Postkolonialismus in der Region

Cover des Bandes "Postkolonialismus in Westfalen-Lippe und darüber hinaus", herausgegeben von Dr. Claudia Kemper und Dr. Christoph Lorke (LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte). <br>Foto: LWL

Cover des Bandes "Postkolonialismus in Westfalen-Lippe und darüber hinaus", herausgegeben von Dr. Claudia Kemper und Dr. Christoph Lorke (LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte).
Foto: LWL
Nutzungsrechte und Download Zu weiteren Bildern

Münster (lwl). In Münster wird ein Denkmal verhüllt. In Hagen wird um die Präsentation eines Fensters gerungen. Und im Ruhrgebiet entzünden sich Debatten an Straßennamen, Statuen und Ausstellungen. Postkoloniale Debatten beschränken sich nicht nur auf den akademischen "Elfenbeinturm". Auch die unmittelbare Nachbarschaft gibt oft genug Anlass zum Nachdenken: In Westfalen-Lippe gibt es zahlreiche Beispiele, wie und wo sich das koloniale Erbe Deutschlands manifestiert. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat dazu jetzt den Band "Postkolonialismus in Westfalen-Lippe und darüber hinaus" herausgegeben.

2024 startete die LWL-Kulturstiftung das Themenjahr POWR. Eines der 22 geförderten Projekte war die Veranstaltungsreihe "Postkolonial vor Ort", initiiert von Dr. Claudia Kemper und Dr. Christoph Lorke vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte. "Zu den fünf Terminen kamen derart viele spannende Impulse, dass wir das Thema nicht einfach wieder fallen lassen wollten", sagt Kemper. Und somit widmet sich die neueste Ausgabe der Westfälischen Forschungen, der Fachzeitschrift des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte, dem "Postkolonialismus in Westfalen-Lippe und darüber hinaus". 37 Autor:innen richten in 25 Beiträgen ihren Blick auf verschiedene Facetten der Debatte. Kern des Schwerpunkts sind 14 Werkstattberichte über zivilgesellschaftliche, wissenschaftliche oder kommunale Projekte in Münster, Gütersloh, Bielefeld, Paderborn, Detmold, dem LWL-Freilichtmuseum Hagen, Dortmund, Chemnitz, Bamako, Düsseldorf und Köln. Die vorgestellten Projekte erreichten nicht nur Fachpublikum, sondern auch Schulklassen und zivilgesellschaftliche Akteur:innen. Die Werkstattberichte werden gerahmt von theoretischen und auch auf die Zukunft gerichteten Beiträgen. Stadtrundgänge, Ausstellungen, Workshops oder ein Festival sind ebenso Themen wie Comics und KI.

Anker ist hierbei stets die Perspektive auf die Region. So die wird die Verzahnung von Forschung und gesellschaftlichem Engagement deutlich. Beiträge aus Wissenschaft und Praxis stehen neben-einander und eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf ein gemeinsames Thema. Diese Vielfalt will sichtbar machen, wie breit die Auseinandersetzung inzwischen geführt wird - und wie wichtig es ist, verschiedene Stimmen einzubeziehen, um koloniale Verflechtungen in ihrer ganzen Komplexität zu verstehen.

"Dieser Band zeigt sehr gut, wie Forschung und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten können und sich gegenseitig befruchten", sagt Dr. Mareen Heying, geschäftsführedne Redakteurin der Reihe. "Einige Beiträge stammen von Autor:innen außerhalb der klassischen Wissenschaft. Ihre Stimmen werden durch die Westfälischen Forschungen einem wissenschaftlichen Publikum eröffnet. Die Breite der Auseinandersetzung um Postkolonialismus wird durch die Interdisziplinarität der Ausgabe deutlich, ebenso die Bedeutung, viele Perspektiven aufzumachen, um ein Thema in Gänze zu greifen." Zugleich zeige sich: Auch in der Bildungsarbeit habe sich viel verändert. Während koloniale Geschichte lange ein Randthema gewesen sei, stehe sie heute stärker im Fokus - mit neuen Materialien, Ansätzen und Diskussionen. Der Band liefere dafür wichtige Impulse und mache aktuelle Entwicklungen greifbar.

"Die Aufarbeitung kolonialer Spuren ist keine rein historische Frage, sondern berührt zahlreiche aktuelle gesellschaftliche Aushandlungsprozesse. Der vorliegende Band nimmt diese Herausforderungen auf und schlägt einen Bogen von der Kolonialgeschichte bis zur Gegenwart einer postmigrantischen Gesellschaft, in der sich die erinnerungspolitischen Deutungshoheiten und Identitätsbezüge weiter wandeln werden", so die Herausgeber:innen in ihrer Einleitung. "Wir wollten zeigen, dass Postkolonialismus nicht abstrakt ist, sondern ganz konkret vor unserer Haustür ausgehandelt wird", erklärt Lorke.


"Postkolonialismus in Westfalen-Lippe und darüber hinaus"
herausgegeben von Dr. Claudia Kemper und Dr. Christoph Lorke
Westfälischen Forschungen Band IX, 522 Seiten, 69,90 Euro
Aschendorff Verlag, Münster, ISBN 978-3-402-15415-1

Achtung Redaktionen:
Die Bilder und den Text finden Sie zum Download im Internet unter http://www.lwl.org ("Newsroom").

Aus der Reihe "Postkolonial vor Ort" entstand der Schwerpunkt über Postkoloniale Forschung und Projekte in der Region und darüber hinaus. Hier in Hagen, Allerwelthaus. <br>Foto: LWL

Aus der Reihe "Postkolonial vor Ort" entstand der Schwerpunkt über Postkoloniale Forschung und Projekte in der Region und darüber hinaus. Hier in Hagen, Allerwelthaus.
Foto: LWL

Geschäft Walter Bornemann "Kolonialwaren und Drogen" in einem Bauernhaus, Halle/Westfalen, 1939-1945. <br>Foto: Herpin, Josef; © LWL-Medienzentrum/LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur.

Geschäft Walter Bornemann "Kolonialwaren und Drogen" in einem Bauernhaus, Halle/Westfalen, 1939-1945.
Foto: Herpin, Josef; © LWL-Medienzentrum/LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur.

Kaffee-Großrösterei und Kolonialwaren-Großhandlung Opfermann & Co., Hamm, Taubenstraße 12 Höhe Feidikstraße. Ansicht des Werkgebäudes mit Fuhrpark um 1936/37. Firmengründung 1924 durch Wilhelm Opfermann und die Mitgesellschafter Marschall und Wilhelm Linneweber. Foto: Viegener, Josef und Werner [Nachlass]; <br> © LWL-Medienzentrum für Westfalen.

Kaffee-Großrösterei und Kolonialwaren-Großhandlung Opfermann & Co., Hamm, Taubenstraße 12 Höhe Feidikstraße. Ansicht des Werkgebäudes mit Fuhrpark um 1936/37. Firmengründung 1924 durch Wilhelm Opfermann und die Mitgesellschafter Marschall und Wilhelm Linneweber. Foto: Viegener, Josef und Werner [Nachlass];
© LWL-Medienzentrum für Westfalen.

Beispiel Kakao. Während die arbeitsintensive Produktion unter prekären Bedingungen erfolgte, wurde der größte Teil der Wertschöpfung im Globalen Norden realisiert - bis heute. Arbeiterinnen beim Sortieren von Kakao, ca. 1910. Fotograf nicht überliefert. <br> © LWL-Medienzentrum für Westfalen.

Beispiel Kakao. Während die arbeitsintensive Produktion unter prekären Bedingungen erfolgte, wurde der größte Teil der Wertschöpfung im Globalen Norden realisiert - bis heute. Arbeiterinnen beim Sortieren von Kakao, ca. 1910. Fotograf nicht überliefert.
© LWL-Medienzentrum für Westfalen.

Die "Westfälischen Forschungen" sind eine jährlich erscheinende Fachzeitschrift zur modernen Regionalgeschichte, herausgegeben vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte. Um die Ausrichtung den Wünschen den Lesenden anzupassen, bitten das LWL-Institut um die Teilnahme an einer kurzen Umfrage unter: https://www.surveymonkey.com/r/GB3D77X

Die "Westfälischen Forschungen" sind eine jährlich erscheinende Fachzeitschrift zur modernen Regionalgeschichte, herausgegeben vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte. Um die Ausrichtung den Wünschen den Lesenden anzupassen, bitten das LWL-Institut um die Teilnahme an einer kurzen Umfrage unter: https://www.surveymonkey.com/r/GB3D77X

Der Band "Postkolonialismus in Westfalen-Lippe und darüber hinaus" ist frisch erschienen: Mareen Heying (v.l.), Christoph Lorke, Claudia Kemper. <br>Foto: LWL/Tim Zumloh

Der Band "Postkolonialismus in Westfalen-Lippe und darüber hinaus" ist frisch erschienen: Mareen Heying (v.l.), Christoph Lorke, Claudia Kemper.
Foto: LWL/Tim Zumloh

Pressekontakt

Dr. Greta Civis, LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Telefon: 0251 591-5706, greta.civis@lwl.org und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

presse@lwl.org

Der LWL im Überblick

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

Zu allen Pressemitteilungen des LWL Zu allen Pressemitteilungen dieser LWL-Einrichtung