23.04.26 | Kultur Tag des Baumes (25.4.): Urzeitliche Baumkrone entsteht in Originalgröße mit 40.000 Blättern
Blick 300 Millionen Jahre zurück im LWL-Museum für Naturkunde
Ein bedeutendes Objekt in der neuen Ausstellung ist der versteinerte Teil der Krone eines Schuppenbaumes.
Foto: LWL/Steinweg
Der Tag des Baumes am 25. April lenkt jedes Jahr die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung von Bäumen für die Umwelt. Auch wenn der Schuppenbaum an sich kein Baum war, sondern ein "baumförmig wachsendes Bärlappgewächs", so sind die Schuppenbäume wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung der Region gewesen. Ihre Geschichte begann vor über 400 Millionen Jahren.
Im Karbon, vor über 300 Millionen Jahren, prägten riesige Schuppenbäume ("Lepidodendron") die ausgedehnten Sumpfwälder in Westfalen-Lippe. Die Schuppenbäume konnten eine Größe von bis zu 40 Metern erreichen. Ihren Namen erhielten sie aufgrund des Schuppenmusters ihrer massigen Stämme. Dieses charakteristische Muster entstehen durch die Ansatzstellen von Blättern, die abgeworfen wurden, so genannte Blattnarben. Ihre versteinerten Überreste geben Einblicke in die Vergangenheit der großen baumförmigen Pflanzen.
"Fossile Abdrücke dieser Riesen werden häufig gefunden. In der Regel handelt es sich jedoch um einzelne Bruchstücke von Stamm- oder Astresten", sagt LWL-Paläontologe und Paläobotaniker Dr. Christian Pott. "Der Fund eines vier Meter langen, zusammenhängenden Astes stellt daher eine besondere Ausnahme dar und ist sowohl wissenschaftlich als auch museal von sehr großer Bedeutung. Dieser Ast liefert Erkenntnisse, wo zuvor oft nur Vermutungen über die Architektur der Pflanzen bestanden." Allein deshalb sei der fossile Lepidodendron-Ast aus Hagen-Vorhalle eine Sensation.
Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zeigt neben dem fossilen Unikat auch die darauf basierende, in Originalgröße rekonstruierte, knapp fünf Meter hohe Baumkrone eines Schuppenbaums in der Ausstellung. Derzeit arbeitet ein Team an der Rekonstruktion der Krone mit ihren Ästen und Blättern. In Handarbeit werden die Blätter einzeln an die Äste angebracht, um die ursprüngliche Erscheinung dieser Urzeitpflanzen möglichst anschaulich zu vermitteln.
Hierfür haben die Fachleute bereits mehr als 40.000 Blätter an dafür erstellte Äste geklebt. "Wir rekonstruieren die Baumkrone der damaligen Giganten: Blatt für Blatt und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Als erstes Museum in Deutschland zeigen wir die Krone dieser Urzeitpflanze im modernen, naturrealistischen 1:1-Modell" so Pott. "Sonst finden sich meist nur Rekonstruktionen des Stammes dieser baumförmigen Pflanzen in den Museen. Unser Ziel ist es, dem Museumsgast nicht nur ein außergewöhnliches Fossil zugänglich zu machen, sondern ihm auch ein Bild davon zu vermitteln, wie die Urzeitflora aussah und wie beeindruckend groß diese Pflanzen in den Wäldern des Karbons waren." Hierfür werden außerdem originalgroße naturrealistische Modelle eines bis zu drei Meter hohen Riesenschachtelhalms, eines kletternder Samenfarns sowie der Krone eines mit dem Schuppenbaum verwandten Siegelbaums ("Sigillaria") geschaffen.
Das Fossil des Schuppenbaums zeigt den typischen, gabelig verzweigten Aufbau der Äste. Auch das namensgebende Schuppenmuster, das sich über den gesamten Ast zieht, ist gut zu erkennen. An jeder dieser "Schuppen" saß einst ein schmales, nadelförmiges, bis zu 30 Zentimeter langes Blatt.
Mit ihren flachen, aber ausladenden Rhizomen wurzelten die Schuppenbäume im Sumpfboden. Ihre Stämme konnten an der Basis auch bis zu zwei Meter dick werden. Die reich verzweigte Krone erreichte einen Durchmesser von über zehn Metern. An den Spitzen ihrer Äste bildeten Schuppenbäume am Ende ihres Lebenszyklus' bis zu 50 Zentimeter lange, zapfenartige Fortpflanzungsorgane mit abertausenden Sporen.
Zum Ende des Karbons starben die baumförmigen Bärlappgewächse in fast allen Arealen auf der Erde aus. Ein Zusammenspiel aus klimatischen Veränderungen und das Austrocknen der großen Sumpfgebiete ist die wahrscheinlichste Ursache für das Verschwinden dieser Baumriesen. Zwar gibt es Bärlappgewächse auch heute noch, jedoch handelt es sich um krautige und eher unscheinbare Gewächse.
Hintergrund
Die Ausstellung "Überleben zwischen Dinos und Schuppenbäumen" ist ab dem 10. Juli in Münster zu sehen. Es ist Teil des Kulturprogramms zum Jubiläum "1250 Jahre Westfalen", das 2025 unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gefeiert wurde.
Die Paläontologische Landesausstellung Nordrhein-Westfalen ist ein gemeinsames Ausstellungsprojekt des Ruhr Museums in Essen, des LWL-Museums für Naturkunde in Münster und des Lippischen Landesmuseums Detmold. Initiiert und gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes NRW.
Von April 2026 bis September 2027 erzählen die drei Häuser in unterschiedlichen Ausstellungen vom Wandel des Lebens über gewaltige Zeiträume hinweg, von urzeitlichen Pflanzenwelten über Dinosaurier bis zu den Tieren der Eiszeit.
Das Projekt wird von der LWL-Kulturstiftung und von der Sparkasse Münsterland Ost gefördert.
Ort: LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Str. 285, 48161 Münster
Das LWL-Museum für Naturkunde erschafft derzeit das Modell der urzeitlichen Krone des Schuppenbaumes in Originalgröße.
Foto: LWL/Budweg
Ein ganzes Team an Menschen arbeitet derzeit an der Rekonstruktion der Krone.
Foto: LWL/Budweg
Pressekontakt
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Bianca Fialla, LWL-Museum für Naturkunde, Telefon: 0251 591-6066
LWL-Museum für Naturkunde
Westfälisches Landesmuseum mit PlanetariumSentruper Str. 285 48161 Münster Karte und Routenplaner
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
Zu allen Pressemitteilungen des LWL Zu allen Pressemitteilungen dieser LWL-Einrichtung