31.03.26 | Kultur Neue Saison, neue Projekte
LWL-Freilichtmuseum Hagen setzt 2026 auf Kooperationen und Hand-werkserlebnisse
Konnten die laufende Papiermaschine bereits bewundern: Dr. Georg Lunemann, der Direktor des LWL, Museumsleiterin Dr. Bärbel Maul und Henrik Erfurt (Geschäftsführer Firma Erfurt).
Foto:LWL/ Marie Hangebrauck
Das Museum hat einen neuen Partner für den Papierbereich gefunden: Das Unternehmen Erfurt & Sohn aus Wuppertal unterstützt künftig den Betrieb der fast 100 Jahre alten Papiermaschine. Ziel ist es, die Maschine wieder regelmäßig laufen zu lassen und damit die Papierherstellung im Museum anschaulich zu vermitteln. Die in der achten Generation im Familienbesitz stehende Firma versorgt das Museum zukünftig mit den Rohstoffen für den Betrieb der Maschine. 600 Liter Pulpe (Papierfaserbrei) werden pro Tag benötigt, um die Maschine aus dem Jahr 1928 zum Laufen zu bringen.
Die Zusammenarbeit mit dem regionalen Handwerk bleibt ein Schwerpunkt des Museums. Im Herbst präsentieren lokale Betriebe ihre Arbeit in Pop-up-Werstätten vor Ort, um mit Besuche-rinnen und Besuchern ins Gespräch zu kommen.
Auch die Freisprechungsfeier der märkischen Tischlerinnung wird wieder im Museum stattfinden. Dabei werden die Abschlussarbeiten der neuen Gesellinnen und Gesellen im Museum ausgestellt. Auf diese Weise sind Einblicke in das aktuelle Leistungsniveau des Tischlerhandwerks möglich. "Das LWL-Freilichtmuseum Hagen ist ein zentraler Ort, um die Bedeutung des Handwerks für unsere Region sichtbar zu machen. Das Museumsteam hat nicht nur eine Leidenschaft fürs Ausstellen, sondern auch fürs Machen und Zeigen", sagte Dr. Georg Lunemann, der Direktor des LWL. "Gerade durch Kooperationen sowohl innerhalb des LWL und mit anderen Museen als auch mit Betrieben und Verbänden gelingt es, historische Perspektiven mit aktuellen Entwicklungen zu verbinden und das Handwerk als lebendige Kultur- und Wirtschaftsform zu vermitteln."
Ein besonderes Ereignis im Jahresprogramm ist das Jungschmiedetreffen vom 22. bis 27. Juni. Rund 20 junge Schmiedinnen und Schmiede aus verschiedenen Ländern treffen sich im Museum zum fachlichen Austausch und zur gemeinsamen Arbeit. Während des in Kooperation mit dem "Internationalen Fachverband gestaltender Schmiede" und dem Bundesverband Metall ausgerichteten Treffens entstehen kunstvoll gestaltete Geländer für die Endstation der Museumsbahn. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, bei der Arbeit zuzuschauen und mit den Schmiedinnen und Schmieden ins Gespräch zu kommen. "Unser Ziel ist es, den Besuche-rinnen und Besuchern das Handwerk möglichst unmittelbar näherzubringen. Wenn Handwerkerinnen und Handwerker im Museum arbeiten, ihre Techniken zeigen und über ihre Erfahrungen sprechen, entsteht ein unmittelbarer Austausch. Diese Begegnungen machen das Freilichtmuseum zu einem lebendigen Ort des Lernens und Entdeckens", sagte Dr. Bärbel Maul, Direktorin des LWL-Freilichtmuseums Hagen.
Erstmals unterstützt das Freilichtmuseum zusammen mit dem Bildungszentrum und Jugendgästehaus Marienhof das Treffen von Wandergesellinnen und Wandergesellen der Metallgewerke.
Die jungen Handwerkerinnen und Handwerker, die auf der traditionellen Walz unterwegs sind, können so in Hagen zusammenkommen, um sich auszutauschen und gemeinsam zu arbeiten. Workshops in den Werkstätten des Museums sowie Gespräche mit dem Publikum bieten Einblicke in eine Handwerkstradition, die seit 2014 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört.
Während der Saison werden landschaftsbauliche Maßnahmen zum Hochwasserschutz und zur Sicherung der Straße Mäckingerbach umgesetzt. Das Museum erhofft sich davon zugleich eine ökologische Aufwertung der Flächen zwischen dem neuen und alten Eingangsgebäude. Bauherr der Maßnahme ist der Wirtschaftsbetrieb Hagen. Nach den notwendigen Fällmaßnahmen am Mäckingerbach soll die nächste Phase der Umgestaltung im Sommer starten. Wenn die Baumaßnahme beendet ist, schließt sich die endgültige Neuordung des Eingangsbereichs durch den Bau- und Liegenschaftsbetrieb des LWL an. Eine moderne und barrierefreie Drehkreuzanlage soll den bequemen Zugang für alle Gäste ermöglichen. Inhaber und Inhaberinnen der LWL-Card und weiterer Dauerkarten können dann ohne Umwege durch das Kassengebäude direkt das Gelände betreten.
Auch im gastronomischen Bereich stellt sich das LWL-Freilichtmuseum Hagen neu auf. Für die kommende Saison sorgt zunächst Gastronom Rudi Kramlik dafür, dass Besucherinnen und Besucher an mehreren Standorten auf dem Museumsgelände mit Speisen und Getränken versorgt werden. Parallel bereitet das Museum eine langfristige Neuverpachtung vor: Für die weitere Zukunft wird eine neue Pächterin oder ein neuer Pächter gesucht, der ab der Saison 2027 das gastronomische Angebot weiterentwickelt und an vier Standorten im Museum betreibt. Der Kiosk am Spielplatz wird ab dieser Saison separat verpachtet, sodass Familien dort wieder Ge-tränke und kleine Snacks erhalten können.
Hinter den Kulissen stehen auch in der Museumsarbeit selbst neue Entwicklungen an. In einem breit angelegten Beteiligungsprozess erarbeitet das Museum derzeit einen Museumsentwicklungsplan für die Jahre 2027 bis 2037. In Workshops mit Mitarbeitenden, externen Fachleuten und Partnerinstitutionen werden zentrale Fragen zur zukünftigen Ausrichtung des Museums diskutiert - von der Weiterentwicklung der Ausstellungen über die der Bildungsangebote bis hin zu Neuerungen auf dem Gelände. Auch Besucherinnen und Besucher wurden bereits in Zukunftswerkstätten in den Prozess einbezogen.
Mit drei Sonderausstellungen lädt das Museum in der Saison 2026 dazu ein, Mathematik, Gestaltung und Klang als lebendige Erfahrungsräume zu entdecken. Den Auftakt macht ab dem 1. April die Ausstellung "Zeit am Handgelenk: Technik und Gestaltung von Armbanduhren" im Goldschmiedehaus. Sie zeichnet über 100 Jahre Technik- und Kulturgeschichte nach - von den ersten Armbanduhren für Damen bis hin zum Zeitmesser als Schmuck- und Prestigeobjekt. Da-zu gehört auch ein Blick auf das Handwerk der Uhrmacherinnen und Uhrmacher und ihre Ausbildung.
Ab dem 1. Mai ist in der Verzinkerei "Metallofon. Glocken-Spiel und Heavy-Metal" zu erleben. Zwölf interaktive Klanginstallationen des Mobile-Musik-Museums von Michael Bradke machen die akustischen Eigenschaften von Eisen und Stahl, Zink oder Messing erfahrbar. Besucherinnen und Besucher aller Altersgruppen können selbst Töne erzeugen und Unterschiede zwischen verschiedenen Metallarten unmittelbar hören.
Ab dem 10. Mai folgt mit "Mathemagisch. Wilde Zahlen, verrückte Formen" eine interaktive Ausstellung rund um mathematische Phänomene. An 31 Stationen - darunter eine begehbare Riesenseifenblase - steht das eigenständige Ausprobieren im Mittelpunkt. Die Ausstellung basiert auf der Wanderausstellung "Mathematik zum Anfassen" des Mathematikums Gießen e. V. und wurde für das LWL-Freilichtmuseum erweitert. "Mathematik begegnet uns überall im All-tag", sagt die stellvertretende Museumsleiterin Dr. Anke Hufschmidt. "Mit 'Mathemagisch' möchten wir zeigen, dass sie verständlich und überraschend zugänglich sein kann, wenn wir sie selbst entdecken."
Die drei Ausstellungen sind bis zum 31. Oktober zu sehen.
Ein Paradebeispiel für die Zusammenarbeit innerhalb des LWL ist die Sonderausstellung "Mission Machen - Neue Perspektiven auf das westfälische Handwerk", die in Kooperation mit dem
LWL-Medienzentrum für Westfalen entstanden ist. Nach ihrer Präsentation im Freilichtmuseum Hagen wird die Ausstellung derzeit im Emschertal-Museum in Herne gezeigt und anschließend an weiteren Museen in der Region zu sehen sein. Betreut wird die Wanderausstellung durch das LWL-Museumsamt für Westfalen. So profitieren auch kleinere kommunale Museen von dem Projekt, das Handwerksberufe aus Westfalen-Lippe fotografisch porträtiert.
Neben den Großprojekten und Ausstellungen bietet das Freilichtmuseum 2026 ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm. Direkt nach Saisonbeginn präsentiert das Museum ein neues Format zum Thema Kunsthandwerk. Bei "Handwerk. Kunst. Design." (11. bis 12.4.) zeigen Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker aus der Region, wie Kreativität, Nachhaltigkeit und regionale Produktion in der Praxis aussehen. Neuland betritt das Museum am 25. und 26. Juli mit dem Living-History-Format "Handwerk durch die Epochen". Historische Darstellerinnen und Darsteller präsentieren, wie sich Handwerke und Arbeitsweisen über die Jahrhunderte verändert haben. Rekonstruierte Kleidung, Werkzeuge und Einrichtungsgegenstände veranschaulichen das Leben und Arbeiten vergangener Zeiten - vom mittelalterlichen Schreiber bis zum Drucker des 19. Jahrhunderts. Beliebte Klassiker wie das Treckertreffen (1.5.), das Kinderfest (30.8.), das Herbstfest (26. - 27.9.) und der Romantische Weihnachtsmarkt (27.11. - 29.11.) finden sich ebenfalls im Programm.
Neben der moderneren Papiermaschine wurde auch traditionell von Dr. Lunemann (links) und Henrik Erfurt (rechts) geschöpft.
Foto:LWL/ Marie Hangebrauck
Die historische Papiermaschine wird in diesem Jahr mit Pulpe der Firma Erfurt wieder zum Laufen gebracht.
Foto: LWL/Heike Wippermann
Die interaktive Ausstellung "Mathemagisch" lädt Besuchende zum Experimentieren ein.
Foto: Mathematikum Gießen e.V.
Die Entwicklung der Armbanduhr aus der Taschen-uhr für Damen zeigt die Präsentation "Zeit am Handgelenk". An diesen drei Gehäusen aus der Zeit zwischen 1900 und 1920 ist die Veränderung gut abzulesen.
Foto: LWL/ Heike Wippermann
Pressekontakt
Marie Hangebrauck, LWL-Freilichtmuseum Hagen, Telefon: 02331 7807113 und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
LWL-Freilichtmuseum Hagen
Westfälisches Landesmuseum für Handwerk und TechnikMäckingerbach 58091 Hagen-Selbecke Karte und Routenplaner
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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