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18.03.26 | Kultur Von Babylon bis zum Mond

LWL-Museum Ziegelei Lage eröffnet neue Dauerstellung

Museumsleiter Willi Kulke (v.l.), Lisa Egeri und Dr. Georg Lunemann, der Direktor des LWL, bei der Vorstellung der neuen Dauerausstellung in der Ziegelei Lage. <br>Foto: LWL / Philipp Harms

Museumsleiter Willi Kulke (v.l.), Lisa Egeri und Dr. Georg Lunemann, der Direktor des LWL, bei der Vorstellung der neuen Dauerausstellung in der Ziegelei Lage.
Foto: LWL / Philipp Harms
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Lage (lwl). Eine moderne Dauerausstellung, ein digitaler Medienguide und neue Wege über das Gelände - mit einem kompletten "Neustart" geht das LWL-Museum Ziegelei Lage (Kreis Lippe) 25 Jahre nach seiner Eröffnung in die Zukunft. Im Mittelpunkt der neuen Präsentation unter dem Titel "Von Babylon bis zum Mond" stehen Spiele. Am Beispiel von sechs Ziegelbauten aus unterschiedlichen Epochen - vom Turm von Babylon über eine römische Villa und die Siedlung Siekerfelde in Bielefeld bis hin zum Einfamilienhaus in Lippe - können Gäste im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ab 20. März spielerisch durch die vergangenen 3.000 Jahre reisen.

Digitale und analoge Spiele für alle Altersstufen bieten neben Spaß jede Menge Informationen über Bauen, Architektur, Wohnen und die Entwicklung ganzer Städte zu unterschiedlichen Zeiten. Ein flexibler Ausstellungsteil stellt aktuelle Zukunftstrends zur Diskussion und nimmt regelmäßig Neuerungen aus Forschung und Architektur auf.

Ein inklusiver Medienguide eröffnet weitere Zugänge mit vertiefenden Informationen, auch auf Englisch und in Videos in Deutscher Gebärdensprache. Mit dem Smartphone können Gäste außerdem ihr eigenes digitales Haus gestalten und in einer Mitmachstadt platzieren.

Zu sehen sind außerdem über hundert verschiedene Ziegel - von antiken Exemplaren bis zu einem "Mondziegel" aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Draußen laden neue Themeninseln dazu ein, das Gelände der ehemaligen Ziegelei individuell zu erkunden.

"25 Jahre sind in der Geschichte ein Wimpernschlag, in der Museumsarbeit aber eine halbe Ewigkeit. Die technischen Möglichkeiten, aber auch die Sehgewohnheiten und Erwartungen der Menschen haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert", so Dr. Georg Lunemann, der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, am Mittwoch (18.3.) bei der Vorstellung der neuen Dauerausstellung in Lage. "Mit der neuen Dauerausstellung in der Ziegelei Lage gehen wir ganz neue Wege, um zeitgemäß auf diese Herausforderungen zu reagieren. Aktuelle Themen wie Wohnen oder Nachhaltigkeit und ein Konzept, das konsequent auf eine spielerische Vermittlung setzt, wurde hier in beeindruckender Weise umgesetzt. Das ist bundesweit einmalig."

Die Ausstellung
Die sechs Spielstationen im Hauptgebäude bieten unterschiedliche Erlebnisse für Menschen vom Kindergartenkind bis ins hohe Erwachsenenalter. Gemeinsam oder auch allein können sich Besucherinnen und Besucher durch die Epochen spielen. "Der Ziegel ist unser Zeitzeuge. Und egal, um welche Epoche es sich handelt: In jedem Spiel vermitteln wir, welchen Einfluss dieser universale Baustoff auf die Architektur, das Wohnen und das Zusammenleben der Menschen hatte", erklärt Museumsleiter Willi Kulke.

So können Gäste an Bildschirmen den Tempelturm von Babylon errichten - und im Wettstreit gegeneinander wieder zerstören. Dabei erfahren sie ganz nebenbei Spannendes über die antike Metropole Babylon, über die Bauweise und die Rolle von Tempeln in der damaligen Zeit und die Mythen, die sich bis heute um den Turm ranken, der in Wirklichkeit 90 Meter hoch war. In den sechs runden, mit Glasbausteinen ummauerten "Wissensspeichern" stecken neben digitaler Technik auch analoge Schätze, darunter ein babylonischer Ziegel aus dem 6. Jahrhundert vor Christus, eines der ältesten Exponate der Ausstellung.

Ein Spiel zur römischen Villa Otrang in der Eifel zeugt von römischer Baukunst, Lebensart und Luxus. Am Bildschirm gilt es, die Villa zu reinigen, zu heizen und Speisen und Getränke für Gäste zu bereiten. Für das mittelalterliche Rathaus von Stralsund können Gäste eine kunstvolle Fassade im Stil der Backsteingotik gestalten. Im maßstabsgetreuen Modell eines Kreuzberger Mietshauses aus dem 19. Jahrhundert warten hinter Türen und Fenstern Bildschirme mit kleinen Aufgaben, die die Bewohner und das Leben und Arbeiten unterschiedlicher Schichten in der industrialisierten Großstadt Berlin illustrieren.

Anlog kommt ein Spiel zur Siedlung Siekerfelde in Bielefeld daher, die 1927 von der Genossenschaft "Freie Scholle" erbaut wurde: Mit Magnetangeln können schon die Jüngsten hier gemeinsam Gebäude in der Siedlung platzieren. Aktuell wird es beim Einfamilienhaus in Lippe: Hier bewegen sich Gäste per Joystick durch ein fiktives Einfamilienhaus und ermitteln anhand von Fragen, welcher Wohntyp sie sind. In Interviews berichten Menschen aus der Region von ihrem "Traum oder Albtraum" des Häuschens im Grünen.

Eine Ausstellungseinheit im Zentrum bringt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen und lädt zur Diskussion gesellschaftlich relevanter Fragen ein. Zur Eröffnung wird hier das Schwerpunktthema "Zirkuläres Bauen" angespielt - dabei geht es beispielsweise um die Rückführung von Baustoffen in den Materialkreislauf und die Wiederverwendung von bereits in Gebäude verbauten Teilen. Auf dem runden Tisch in der Mitte wächst eine virtuelle Stadt. Jeder Gast kann auf dem Smartphone mit der Museums-App und Elementen, die man in den sechs Spielen sammelt, ein virtuelles Haus bauen und in der Mitmachstadt platzieren.

"Wir haben uns für das Konzept der 'Gamification', also der Vermittlung von Ausstellungsthemen durch Spiele, entschieden. Dadurch schaffen wir einen unterhaltsamen Zugang zu komplexen Themen, der viele Zielgruppen anspricht - denn Spiele machen altersunabhängig Spaß", erklärt Lisa Egeri, stellvertretende Projektleiterin beim LWL-Museum Ziegelei Lage.

Außengelände
Auch auf dem Außengelände hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan: Anschaulich aufbereitete Themeninseln auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Beermann ergänzen die Ausstellung im Hauptgebäude. Nach einem Überblick über den Rohstoff Lehm führen die Wege durch ehemalige Produktionsstätten und erläutern an barrierearm gestalteten Stationen die Schritte der Ziegelherstellung. In weiteren Ausstellungsräumen sind die Geschichte der lippischen Wanderziegler sowie die Familienhistorie des Ziegeleigründers Beermann zu finden.

Mit der Eröffnung der neuen Dauerausstellung gelten diese Eintrittspreise: Erwachsene zahlen ab 20. März 6 Euro (ermäßigt 5 Euro), Kinder haben weiterhin freien Eintritt.

Eröffnung
Die neue Dauerausstellung wird am Donnerstag (19.3.) um 18 Uhr durch LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger eröffnet. Nach einer Einführung durch Museumsleiter Willi Kulke steht eine Talkrunde auf dem Programm. Dr. Kirsten Baumann, Direktorin der LWL-Museen für Industriekultur, Christian Vogler vom Gestaltungsbüro filamente, Michael Geithner von der Firma Playing History, und Anne Wieland, Referentin für Bildung und Vermittlung der Ziegelei Lage, sprechen über das Konzept und die Inhalte der Ausstellung.

Hinter jedem Fenster wartet eine neue Aufgabe. Dr. Georg Lunemann, der Direktor des LWL, am Kreuzberger Haus. <br>Foto: LWL / Philipp Harms

Hinter jedem Fenster wartet eine neue Aufgabe. Dr. Georg Lunemann, der Direktor des LWL, am Kreuzberger Haus.
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Spielen und entdecken per Smartphone: Die neue Museums-App bietet vertiefende Informationen - auch in Englisch und in Deutscher Gebärdensprache. <br>Foto: LWL / Philipp Harms

Spielen und entdecken per Smartphone: Die neue Museums-App bietet vertiefende Informationen - auch in Englisch und in Deutscher Gebärdensprache.
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Wein einschenken für die Gäste: Dr. Georg Lunemann, der Direktor des LWL, am Spiel zur "Villa Otrang". <br>Foto: LWL / Philipp Harms

Wein einschenken für die Gäste: Dr. Georg Lunemann, der Direktor des LWL, am Spiel zur "Villa Otrang".
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Video-Animationen erklären die Funktionsweise der verschiedenen Produktionsanlagen wie dem Ringhofen auf dem Außengelände. <br>Foto: LWL / Philipp Harms

Video-Animationen erklären die Funktionsweise der verschiedenen Produktionsanlagen wie dem Ringhofen auf dem Außengelände.
Foto: LWL / Philipp Harms

Farbige Gitterboxen mit Informationstafeln markieren die neuen Themeninseln auf dem Außengelände. <br>Foto: LWL / Philipp Harms

Farbige Gitterboxen mit Informationstafeln markieren die neuen Themeninseln auf dem Außengelände.
Foto: LWL / Philipp Harms

Spiele, Exponate, Modelle und viele Informationen gehören zu den einzelnen Spielstationen wie dieser zum Tempelturm von Babylon. <br>Foto: LWL / Philipp Harms

Spiele, Exponate, Modelle und viele Informationen gehören zu den einzelnen Spielstationen wie dieser zum Tempelturm von Babylon.
Foto: LWL / Philipp Harms

Im maßstabgetreuen Modell eines Kreuzberger Mietshauses aus dem 19. Jahrhundert steckt digitale Technik. <br>Foto: LWL / Philipp Harms

Im maßstabgetreuen Modell eines Kreuzberger Mietshauses aus dem 19. Jahrhundert steckt digitale Technik.
Foto: LWL / Philipp Harms

Die Ausstellungseinheit im Zentrum bringt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen und lädt zur Diskussion gesellschaftlich relevanter Fragen ein. <br>Foto: LWL / Philipp Harms

Die Ausstellungseinheit im Zentrum bringt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen und lädt zur Diskussion gesellschaftlich relevanter Fragen ein.
Foto: LWL / Philipp Harms

Es geht auch analog: Alt und Jung können in der "Siedlung Siekerfelde" Häuser an die richtigen Plätze stellen. <br>Foto: LWL / Philipp Harms

Es geht auch analog: Alt und Jung können in der "Siedlung Siekerfelde" Häuser an die richtigen Plätze stellen.
Foto: LWL / Philipp Harms

Eine Wand mit 100 ausgewählten Ziegeln - jeder einzelne ein Zeitzeuge der Entwicklung dieses wichtigen Baustoffs - lädt zum Entdecken ein. <br>Foto: LWL / Philipp Harms

Eine Wand mit 100 ausgewählten Ziegeln - jeder einzelne ein Zeitzeuge der Entwicklung dieses wichtigen Baustoffs - lädt zum Entdecken ein.
Foto: LWL / Philipp Harms

Womit könnte auf dem Mond gebaut werden? Diese Frage stellt sich das Forschungsteam aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Es formt Ziegel aus Material, das Mondstaub gleichkommt, und brennt diese in Sonnenöfen. Einer dieser "Mondziegel" ist in Lage ausgestellt. <br>Foto: LWL / Philipp Harms

Womit könnte auf dem Mond gebaut werden? Diese Frage stellt sich das Forschungsteam aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Es formt Ziegel aus Material, das Mondstaub gleichkommt, und brennt diese in Sonnenöfen. Einer dieser "Mondziegel" ist in Lage ausgestellt.
Foto: LWL / Philipp Harms

Pressekontakt

Christiane Spänhoff, LWL-Industriemuseum, Telefon: 0231 6961-127 und Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

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Der LWL im Überblick

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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