16.03.26 | Kultur Raubgrabung auf dem Burgberg bei Iserlohn-Oestrich
"Glücklicherweise nur noch Ausnahme"
Ein tief ausgeschachtetes "L" - das jüngste Raubgrabungsloch auf dem Burgberg bei Iserlohn-Oestrich.
Foto: LWL-AfW Olpe/D. Riemenschneider
"Größere Raubgrabungen an Bodendenkmälern in Westfalen waren in den vergangenen Jahren eine Ausnahme geworden. Denn diese sogenannten Schachtungen zerstören Fundzusammenhänge. Daneben sind sie nicht nur Hausfriedensbruch und eine Ordnungswidrigkeit, sondern bei Mitnahme von wissenschaftlich bedeutenden Funden auch eine Straftat", so LWL-Chefarchäologin Dr. Sandra Peternek.
Vor Jahren hatten LWL-Archäolog:innen der Außenstelle Olpe zum Beispiel von einer derartigen Raubgrabung auf einer kleinen mittelalterlichen Burganlage bei Arnsberg erfahren. Dabei war eine sonst im Boden verborgene Steinmauer teilweise freigelegt worden, wodurch die Erosion zugleich tiefer in die noch erhaltene Substanz eingriff. Dies führte zu weiteren Zerstörungen. Mithilfe der Grundeigentümer konnte das Loch aber wieder verschlossen werden.
Illegales Sondengehen verursacht Schäden
Über einige Jahrzehnte - besonders, als die Geräte erschwinglich wurden - sind Raubgrabende mit Metallsonden auf viele Burgen und andere Bodendenkmäler gezogen und haben große Mengen an aussagekräftigem Fundmaterial entfernt. "Heute ist es für viele Bodendenkmäler nicht mehr möglich, Buntmetalle wie bronzene Gegenstände aufzuspüren - zurück blieben die vermeintlich wertlosen Eisenfunde", konstatiert LWL-Fachmann Prof. Dr. Michael Baales, Leiter der Außenstelle Olpe. "Der - vor allem - wissenschaftliche Schaden ist kaum zu beziffern", so Baales weiter.
So hatte ein Sondengänger vor über 15 Jahren im Umfeld der Wallanlage auf dem Burgberg bei Iserlohn-Oestrich ohne Genehmigung auf Brachland gesucht und dort eine bronzene Lanzenspitze gefunden. Dieser Fund fand aber ihren Weg nach Olpe und war damals in Westfalen ein absolutes Einzelstück. Außerdem belegte es Beziehungen nach Südosteuropa, die die Menschen im Westfalen vor etwa 3.000 Jahren pflegten. Baales: "Darüber, ob eventuelle neue Erkenntnisse durch eine größere Raubgrabung auf dem Burgberg selbst verlogen gegangen sind, können wir nur spekulieren."
Raubgrabung am Burgberg: "Einfach nur sinnlos"
Zu Jahresbeginn erhielt Daniel Riemenschneider, Grabungstechniker beim LWL, von einem Mitglied des Heimatvereins Letmathe e.V. die Mitteilung, dass im Nordosten der Wallanlage auf dem Burgberg eine neue, größere Erdschachtung angelegt wurde. Kurze Zeit später dokumentierten Fachleute der LWL-Außenstelle Olpe den erheblichen Schaden.
Im Bereich einer der Erdwälle war ein Graben in Form eines "L" mit einer Gesamtkantenlänge von rund zwei Metern und etwa 50 Zentimetern Breite bis zu 90 Zentimeter tief in die Erde gegraben wurden. Dabei sind zuvor auch kleine Bäume und Büsche beschnitten und Wurzeln entfernt worden. "In dem ausgeworfenen Material lagen bis zu 60 Zentimeter große Kalksteine des anstehenden Kalkfelsens, der Raubgräber hat hier wirklich viel Aufwand betrieben", stellt Riemenschneider fest.
Die sauber geputzten und dann dokumentierten Erdprofile zeigen unter anderem eine graue Schicht, die auf eine nicht näher zu datierende Nutzungsphase auf dem Burgberg zurückzuführen ist. Zudem ließen sich Hinweise darauf fassen, dass hier, nah an noch vorhandenen Erdwällen, möglicherweise eine ältere Befestigungsphase erfasst wurde. "Eine Nachsuche der Stelle mit dem Metalldetektor blieb erfolglos. Derartige Zerstörungen sind einfach nur sinnlos", so Riemenschneider.
Neue Forschungen an den westfälischen Wallburgen
Aktuell stehen die Wallburganlagen wie der Burgberg bei Iserlohn-Oestrich verstärkt im Fokus der Forschung. Die LWL-Altertumskommission hat in Zusammenarbeit mit der LWL-Archäologie an mehreren Burganlagen Kernbohrungen durchgeführt, um die herausgebohrten Holzkohlenresten für neue C14-Datierungen (Radiokarbonmethode) zu untersuchen. Es liegen bereits eine Vielzahl neuer Ergebnisse vor, auch für den Burgberg. So konnte hier eine eisenzeitliche Befestigungsphase durch diese naturwissenschaftliche Datierungsmethode nachgewiesen werden.
Diese Arbeiten fanden und finden in enger Abstimmung mit dem Eigentümer, dem Förderverein Naturschutz Märkischer Kreis, statt. Auch hier herrscht Unverständnis über diese Zerstörung auf seinem Gelände.
Die Erdprofile werden überarbeitet, um den Bodenaufbau besser erkennen und dann dokumentieren zu können.
Foto: LWL-AfW Olpe/D. Riemenschneider
Pressekontakt
Dr. Julia Großekathöfer, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591- 8946 und Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
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