10.03.26 | Kultur Vergangenheit verpflichtet
Kunstwerk des Monats März im LWL-Museum für Kunst und Kultur
Das LWL-Museum für Kunst und Kultur präsentiert als Kunstwerke des Monats März zwei westfälische Wappenkissen aus dem frühen 17. Jahrhundert.
Foto: LWL / Sabine Ahlbrand-Dornseif
Wappenkissen trugen das Wappen der Ahnen und bezeugten den Stammbaum ihrer Besitzer:innen. Zur Entstehungszeit dieser Textilarbeiten, um 1612 und 1620, galten Kissen als beliebtes Brautgeschenk für Bräute aller Stände. Auch die beiden Wappenkissen aus der Sammlung Budges wurden zur Feier einer Eheschließung angefertigt: Eine Kombination aus den Familienwappen jeweils zweier westfälischer Familien zeigt die neue eheliche Verbindung der Familien "Averberg" und "Gevekote" (1620) sowie "Widtfelt" und "Frie-Vendt" (1612) an.
Anfang des 20. Jahrhunderts kamen sie in die Sammlung des Ehepaars Emma (1852-1937) und Henry Budge (1840-1928) aus Hamburg. Ursprünglich wollte Emma Budge die hochwertige Kunstsammlung nach ihrem Tod dem Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe vermachen. Nachdem die Nationalsozialisten 1933 an die Macht gekommen waren, sah sie sich jedoch dazu gezwungen, ihr Testament zu ändern. Die Kunstsammlung wurde nach Budges Tod von ihren Nachlassverwaltern betreut, die sich angesichts der Bedrohung der jüdischen Erbberechtigten durch den NS-Staat dazu entschieden, die Objekte versteigern zu lassen. Die Erlöse dieser Auktion erreichten die Erbengemeinschaft jedoch nie. Stattdessen wurden alle Erträge auf ein Sperrkonto überwiesen und die Nachlassverwalter aus ihren Ämtern gedrängt. Die Kunstwerke des Monats März erzählen daher nicht nur von dem feierlichen Anlass einer Eheschließung, sondern auch von Gewalt, Raub und Verfolgung unter dem NS-Regime.
Neben zahlreichen deutschen und internationalen Museen, ersteigerte auch das Westfälische Landesmuseum im Oktober 1937 auf der Auktion "Die Sammlung Frau Budge Hamburg: Gemälde, Farbstiche, Skulpturen, Statuetten, Kunstgewerbe" zwei der Objekte - die beiden Wappenkissen.
Heute arbeitet die Provenienzforschung daran, die Herkunft unrechtmäßig entzogener Kulturgüter zu klären und sie den rechtmäßigen Eigentümer:innen zurückzugeben. Die Herkunft dieser beiden Wappenkissen hat Provenienzforscherin Marlene Knut aufgedeckt. Im Rahmen des vom "Deutschen Zentrum Kulturgutverluste" geförderten Forschungsprojekts zu der kunsthandwerklichen Sammlung des LWL-Museums hat Knut die Kissen als NS-Raubkunst identifiziert.
Am Langen Freitag im März (13.3.) findet um 17.30 Uhr eine kostenlose Tour zum Kunstwerk des Monats mit Dr. Tanja Pirsig-Marshall, stellvertretende Direktorin des Museums, statt. Der Text zum Kunstwerk des Monats kann in der Sammlung Online eingesehen werden.
Das LWL-Museum für Kunst und Kultur präsentiert als Kunstwerke des Monats März zwei westfälische Wappenkissen aus dem frühen 17. Jahrhundert.
Foto: LWL / Sabine Ahlbrand-Dornseif
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