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05.03.26 | Maßregelvollzug Eickelborner Fachtagung: LWL-Direktor fordert mehr Prävention

Größte deutschsprachige Forensik-Tagung mit 600 Gästen im LWL-Zentrum Lippstadt

Sie begrüßten die Tagungsgäste zur 39. Eickelborner Fachtagung: (v.l.): Pflegedirektor Stephan Deimel, Kaufmännischer Direktor Tobias Brockmann, der Direktor des LWL, Dr. Georg Lunemann, Lippstadts Bürgermeister Alexander Tschense, Gruppenleiterin im NRW-Gesundheitsministerium Birgit Szymczak, Ärztlicher Direktor Bernd Wallenstein und LWL-Maßregelvollzugsdezernent Tilmann Hollweg.<br>Bild: LWL/Schulte-Fischedick

Sie begrüßten die Tagungsgäste zur 39. Eickelborner Fachtagung: (v.l.): Pflegedirektor Stephan Deimel, Kaufmännischer Direktor Tobias Brockmann, der Direktor des LWL, Dr. Georg Lunemann, Lippstadts Bürgermeister Alexander Tschense, Gruppenleiterin im NRW-Gesundheitsministerium Birgit Szymczak, Ärztlicher Direktor Bernd Wallenstein und LWL-Maßregelvollzugsdezernent Tilmann Hollweg.
Bild: LWL/Schulte-Fischedick
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Lippstadt-Eickelborn (lwl). Vom Umgang mit Demenz und Sterben im Maßregelvollzug bis hin zu Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz und virtueller Realität reichten die Themen bei der dreitägigen Eickelborner Fachtagung im LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt. Vor fast 600 Teilnehmenden wies der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Georg Lunemann, bei der Tagungseröffnung am Mittwoch (4. 3.) auf die steigende Zahl von vorläufig untergebrachten Menschen im Maßregelvollzug hin. Er forderte eindringlich bessere Angebote für schwer psychisch kranke Menschen, die zur Gewalt neigen, damit sie erst gar nicht in den Maßregelvollzug gelangen.

"Wir brauchen mehr aufsuchende und nachgehende Behandlungsangebote", sagte Lunemann angesichts der aktuellen Entwicklungen. "Wir fordern eine bessere psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung gerade auch der geflüchteten Menschen." Der Ausbau der integrierten Versorgungsansätze nach Paragraf 64 SGB V (sektorenübergreifende Angebote) müsse beschleunigt werden. Er freue sich, dass er aus dem eigenen Hause verkünden könne, dass der LWL-PsychiatrieVerbund mit seinen allgemeinpsychiatrischen Einrichtungen hier mitziehe und an mehreren Standorten den Ausbau forciere.

Es sei richtig, dass sich Fachgesellschaften, aber auch die Innen- und Gesundheitsministerien der Länder, in den letzten Jahren Gedanken machten, wie psychisch schwer erkrankte Patienten, die zur Gewalt neigen, umfassender behandelt werden können, um erhebliche Straftaten und damit schwerwiegende Opfer zu verhindern. Auch rechtliche Rahmenbedingungen müssten angepasst werden.

Lunemann lobte die Landesregierung für die konsequente Bautätigkeit zur Schaffung neuer forensisch-psychiatrischer Behandlungsplätze in NRW. "Die Anzahl der vorläufig untergebrachten Personen war in Westfalen-Lippe im letzten Jahr so hoch wie noch nie - und dies führte leider dazu, dass wir auch hier in Eickelborn eine Überbelegung haben," sagte der Direktor des LWL. Dennoch wäre es langfristig besser, auch in eine umfassende Prävention zu investieren. Denn dies würde nachhaltig zum Wohle der betroffenen Patientinnen und Patienten und zum Schutz der Gesellschaft beitragen, schloss er seinen Appell.

Lunemann dankte der Betriebsleitung des LWL-Zentrums und dem Tagungsmanagement für die Ausrichtung der Eickelborner Fachtagung. Diese jähre sich aktuell zum 39. Mal und sei damit die größte und älteste Tagung für forensische Psychiatrie im deutschsprachigen Raum. Vortragende und Teilnehmende sind aus dem gesamten Bundesgebiet sowie der Schweiz und Österreich angereist. Die Tagung wird hybrid angeboten - etwa ein Drittel der Tagungsgäste nimmt online teil. Der strahlende Sonnenschein bot den anwesenden Gästen perfekte Bedingungen für einen zwanglosen Austausch in den Pausen und beim Abendprogramm im angrenzenden Festzelt.



Hintergrund
Das LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt ist eine besonders gesicherte Fachklinik für Menschen, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung straffällig geworden sind. Sie bietet jahresdurchschnittlich 335 Behandlungsplätze und ist die einzige forensische Klinik in Westfalen-Lippe, in der auch Frauen behandelt werden.

Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Georg Lunemann, forderte bessere Präventionsangebote für schwer psychisch kranke Menschen, die zur Gewalt neigen.<br>Bild: LWL/Schulte-Fischedick

Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Georg Lunemann, forderte bessere Präventionsangebote für schwer psychisch kranke Menschen, die zur Gewalt neigen.
Bild: LWL/Schulte-Fischedick

Pressekontakt

Petra Schulte-Fischedick, Pressearbeit LWL-Maßregelvollzug, 0231 4503-4100 und Thorsten Fechtner, LWL-Pressestelle, 0251 591-235

presse@lwl.org

Der LWL im Überblick

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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