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05.03.26 | Kultur Mystische Entdeckung

LWL-Archäologie macht außergewöhnliche Funde auf den Bruchhauser Steinen im Sauerland

Blick von Südosten auf den Feldstein. Die Fundstelle ist beim roten Punkt. <br>Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/F. Geldsetzer

Blick von Südosten auf den Feldstein. Die Fundstelle ist beim roten Punkt.
Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/F. Geldsetzer
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Olsberg (lwl). 2025 führten Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Ausgrabungen auf der Wallburg Bruchhauser Steine (Hochsauerlandkreis) durch. Die Ergebnisse liegen jetzt vor: Sorgsam formierte eiserne Beilklingen und speziell abgebauter Quarz lassen auf Kulthandlungen der Eisenzeit vor über 2.000 Jahren schließen. LWL-Chefarchäologin Dr. Sandra Peternek: "Die Situation auf dem Feldstein ist außergewöhnlich und lässt erstmals eindeutig erkennen, dass die Felsen der Bruchhauser Steine im religiösen Verständnis der Eisenzeit eine wichtige Rolle gespielt haben."

Eine befestigte Landmarke
"Die Bruchhauser Steine bei Olsberg-Bruchhausen sind nicht nur Nordrhein-Westfalens erstes Nationales Naturmonument und ein beliebtes Wanderziel, sondern auch ein Bodendenkmal von überregionaler Bedeutung", weiß Grabungsleiter Dr. Manuel Zeiler von der LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Olpe.

Während der Eisenzeit, d.h. zwischen dem 5. und 3. Jahrhundert v. Chr., wurden die weithin sichtbaren Felsen mit Befestigungsanlagen eingefasst. Warum die Menschen dieser Zeit den Berg so gesichert haben, blieb Forschenden lange unbekannt. Peternek: "Die Bruchhauser Steine liegen in einer siedlungsungünstigen Lage, deutlich abseits der bevorzugten Siedlungsgebiete des Hellwegs. Sie sind häufig herausfordernden Witterungsbedingungen ausgesetzt."

Die vier großen Porphyrfelsen sind bis heute eine kilometerweit sichtbare Landmarke und könnten im religiösen Verständnis der Zeit eine wichtige Rolle gespielt haben. Schon ein 2013 gefundenes Armring-Fragment sowie eine absichtlich beschädigte Lanzenspitze, die auf dem Bodendenkmal während der Eisenzeit platziert wurden, legten diesen Verdacht nahe.

Archäologische Entdeckung 2025
Neueste archäologische Maßnahmen erbrachten jetzt einen weiteren außergewöhnlichen Befund: Im Oberboden auf einer Klippe des Feldsteins fand Heimatforscher Matthias Dickhaus zwei eiserne Beile, deren Klingen im rechten Winkel zueinander ausgerichtet waren. Als beauftragter Sondengänger zog er umgehend die LWL-Archäologie hinzu, deren Fachleute den Fundort der sogenannten Tüllenbeile anschließend im Rahmen einer Ausgrabung untersuchte.

Unter den Beilen stießen die LWL-Archäolog:innen auf eine verfüllte Grube im Gestein. Zeiler: "Diese Grube entstand dadurch, dass hier oben auf dem Felsen Quarz abgebaut wurde, der im Ausgangsgestein eingeschlossen ist. Der Quarz wurde noch vor Ort auf einer Steinplatte und mit einem sogenannten Pochstein bis auf wenige Millimeter Durchmesser zerstoßen und zermahlen. Zum Schluss wurde die Grube wieder verfüllt - samt Steinplatte und Pochstein."

Zeiler schließt daraus: "Wir fassen hier rituelle Handlungen auf einem der exponiertesten Felsen der Landmarke: Die Menschen bauten Quarz ab, zerkleinerten ihn und abschließend musste die "Wunde im Berg" wieder verschlossen werden." Die Niederlegung zweier Beile auf der Erdoberfläche habe das Ritual feierlich beendet, so Zeiler weiter.

Der Befund ist auch deshalb außergewöhnlich, weil Quarz viel leichter am Fuße des Felsens hätte abgebaut werden können. Daher halten die Forschenden besonders eine Theorie für wahrscheinlich: "Es ist möglich, dass speziell der Quarz von diesem erhöhten Ort nahe der Anderswelt für die Menschen der Eisenzeit von großer Bedeutung war," so Zeiler. Die Anderswelt, ein Begriff aus der keltischen Mythologie, bezeichnet den jenseitigen Raum von Göttern oder Geistern.

Quarz wurde in der Eisenzeit häufig dem Ton handgetöpferter Gefäße beigemengt. Zeiler: "Denkbar ist, dass der Quarz vom Feldstein Bestandteil besonderer, vielleicht ritueller Gefäße war."

Ausstellung der Funde
"Die Vermittlung der neuen archäologischen Erkenntnisse ist ein großes Anliegen der Stiftung Bruchhauser Steine", sagt Nadja de Pierpont-Freifrau von Fürstenberg, Vorsitzende der Stiftung, die sich um die Erhaltung und Pflege des Nationalen Naturmonuments kümmert. "Mit einer neuen Vitrine, die eine Auswahl der Funde der neuesten Ausgrabung zeigt, können wir die aktuelle Forschung präsentieren und das kulturelle Erbe in unsere museale Darstellung zur Geologie und Natur einbetten." Die neue Vitrine präsentiert die Steinplatte, den Pochstein zum Zerkleinern des Quarzes und zerkleinerten Quarz.

Die beiden Beile werden aus konservatorischen Gründen als Repliken zu sehen sein. "Wir sind stolz, dass wir nicht nur eine der außergewöhnlichsten Wallburgen Nordrhein-Westfalens bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich machen, sondern, dass immer neue archäologische Puzzleteile unser Bild von der Vergangenheit langsam aufklären", so Freifrau von Fürstenberg.

Zwei eisenzeitliche Tüllenbeile befanden sich im Oberboden und wurden hier niedergelegt. <br>Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel

Zwei eisenzeitliche Tüllenbeile befanden sich im Oberboden und wurden hier niedergelegt.
Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel

Direkt unter dem Oberboden wurde eine verfüllte Grube im Felsen angetroffen. <br>Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel

Direkt unter dem Oberboden wurde eine verfüllte Grube im Felsen angetroffen.
Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel

In diesem Ausgrabungsschnitt ist unten die Eingrabung in den Felsen zu erkennen. Darüber liegt randlich eine große Steinplatte. <br>Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel

In diesem Ausgrabungsschnitt ist unten die Eingrabung in den Felsen zu erkennen. Darüber liegt randlich eine große Steinplatte.
Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel

Auf dieser Steinplatte wurde Quarz zerkleinert, der zuvor auf dem Feldstein abgebaut wurde. <br>Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel

Auf dieser Steinplatte wurde Quarz zerkleinert, der zuvor auf dem Feldstein abgebaut wurde.
Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel

In der verfüllten Grube fand sich auch ein Klopfstein, mit dem der Quarz zerkleinert wurde. <br>Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel

In der verfüllten Grube fand sich auch ein Klopfstein, mit dem der Quarz zerkleinert wurde.
Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel

Quarz, Klopfstein, Beile und Steinplatte lassen ein eisenzeitliches Ritual auf dem Feldstein rekonstruieren. <br>Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel

Quarz, Klopfstein, Beile und Steinplatte lassen ein eisenzeitliches Ritual auf dem Feldstein rekonstruieren.
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QR-Code zum Kurzfilm "Mystische Entdeckung: Außergewöhnliche Funde auf den Bruchhauser Steinen im Sauerland."

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Pressekontakt

Sandra Görtz, LWL-Archäologie für Westfalen, Tel.: 0251 591-8946 und Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

presse@lwl.org

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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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