05.03.26 | Soziales LWL-Messe der Inklusionsunternehmen 2026 in Dortmund
Pioniere im Grünen - Grünwerk Gladbeck gGmbH ist das einzige Inklusionsunternehmen in Gladbeck
Geschäftsführer Sebastian Goste und Assistenz der Geschäftsführung Sandra Sump auf dem Gelände der Grünwerk Gladbeck gGmbH.
Foto: LWL/Paul Metzdorf
15 Jahre lang suchte die Caritas Gladbeck nach Wegen, mit denen man den eigenen Werkstattmitarbeitenden den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt ermöglichen wollte; gerade im Bereich Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau). Dazu braucht es jedoch das passende Inklusionsunternehmen - von denen es in Gladbeck kein einziges gab. 2023 fand man mit Sebastian Goste, der zuvor bereits fast 20 Jahre als selbstständiger Unternehmer im GaLa-Bereich tätig war, einen Partner, um diese Lücke zu schließen und neue Chancen zu schaffen.
Der existierende Betrieb wurde zu einer gemeinnützigen gGmbH umfirmiert, die als Tochter der Caritas Gladbeck agiert und vom LWL-Inklusionsamt Arbeit gefördert wird - die Geburtsstunde von Grünwerk Gladbeck. Der Vorteil der Umfirmierung gegenüber einer Neugründung liegt auf der Hand: Grünwerk Gladbeck konnte als "neuer" Betrieb im April 2023 trotzdem direkt auf jahrelange Expertise, erfahrene Mitarbeitende und einen etablierten Kundenstamm zurückgreifen. Ein starkes Grundgerüst, das den Start vereinfachte.
Ein bisschen ins kalte Wasser sprang man mit dem Schritt in die Inklusion natürlich trotzdem, erinnert sich Sebastian Goste. Zu den bestehenden Beschäftigten, die allesamt in die neue gGmbH übernommen wurden, kamen schließlich fünf neue Mitarbeitende mit Behinderung hinzu. "Wir wussten, wie Gartenbau geht, wir wussten, wie alles andere geht - wir wussten nur nicht, wie Inklusion geht", erklärt der Geschäftsführer. In Zusammenarbeit mit der Caritas habe man sich aber Strukturen erschlossen, mit denen man schnell und erfolgreich "aufholen" konnte. Ein Sozialarbeiter besucht das Unternehmen jeden Donnerstag, eine wöchentliche Gesprächsrunde mit dem gesamten Team gibt weiteren Raum, sich auszutauschen.
Mittlerweile sind sieben der 15 Mitarbeitenden im Betrieb Menschen mit Behinderung, die sich auf mehrere GaLa- und Baukolonnen verteilen - je nach den verschiedenen Stärken der Mitarbeitenden. Auch den bürokratischen Aufwand wie die verschiedenen Förderanträge meistert man mittlerweile - nach anfänglicher Unterstützung - sehr gut selbst. Dreh- und Angelpunkt ist hierfür ein kleines Containerbüro auf dem Firmengelände am Rande Gladbecks. In der Schaltzentrale lenkt Sandra Sump als Assistenz der Geschäftsführung den administrativen Teil von Grünwerk. Außerdem ist sie an ihrem strategisch sehr praktisch gelegenen Arbeitsplatz zugleich die erste Ansprechperson für alle Mitarbeitenden. An ihrem Fenster ist quasi die offene Sprechstunde im Unternehmen - viele mögliche Probleme schaffen es nie weiter als bis zur Einfahrt von Grünwerk Gladbeck.
Eine Rolle, die sie gerne einnimmt: "Ich bin schon seit fast 20 Jahren hier und das Arbeiten hat sich komplett geändert. Sie geben einem sehr viel zurück, die Mitarbeiter, die Inklusionskräfte." Ein Grund dafür ist auch die Entwicklung, die ihnen durch den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt eröffnet wird, gerade bei Werkstattwechsler:innen. "Viele haben eine sehr einfache Arbeit gemacht und waren damit fertig. Damit waren sie natürlich unzufrieden", erklärt Sump. "Hier wird ihnen viel mehr zugetraut. Dadurch haben sie sich stark entwickelt und entfalten sich - das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht." Die Mitarbeitenden trauen sich immer mehr zu, fragen nach Chancen und Weiterbildungsmöglichkeiten wie Anhänger- oder Kettensägen-Führerscheinen - was man in den neuen Strukturen nun auch vermehrt angehen kann.
Eine Veränderung sieht Goste im Miteinander im Unternehmen. Durch die neue Gesprächskultur und den immer wieder gesuchten Austausch mit allen Mitarbeitenden - ob mit oder ohne Behinderung - hat sich ein noch offeneres Betriebsklima etabliert. "Mit den Inklusionskräften hat sich die Stimmung im Betrieb verbessert. Man kriegt einfach mehr mit", berichtet der Geschäftsführer. "Man nimmt sich den Raum, um mehr zu kommunizieren und mehr auch von den Nicht-Inklusionskräften die Probleme oder die Sorgen aufzunehmen", erklärt Sebastian Goste. Die deutlich geregelteren Arbeitszeiten einer gGmbH helfen hier ebenfalls. Allerdings: Auch als gGmbH muss man in der freien Wirtschaft mit seinen Dienstleistungen - wie auch jedes andere Unternehmen - überzeugen und bestehen. Die gute wirtschaftliche Entwicklung begünstigt hier zum einen der bestehende Kundenstamm und die gute Vernetzung. Aber auch neue Möglichkeiten, wie beispielsweise der geringere Umsatzsteuersatz, den ein Inklusionsbetrieb anbieten kann, unterstützen im Wettbewerb.
Erfolgsgeschichten und Zukunftsmusik
Maik Reips hatte vor seiner Anstellung bei Grünwerk Gladbeck bereits in Außendienststellen einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung im GaLaBau gearbeitet. Danach war er Hausmeister in seiner alten Schule. Den Wechsel auf den ersten Arbeitsmarkt und in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung habe man ihm zunächst nicht direkt zugetraut. Die Zweifelnden hat Reips aber eines Besseren belehrt. Seit November 2023 ist er nun bereits im Unternehmen und sehr zufrieden. Die festen Arbeitszeiten seien ein großes Plus und durch die bessere Bezahlung fühlt er sich unabhängiger, was ihm wichtig war: "Selbstständigkeit rechne ich schon ziemlich hoch an", erklärt er und sieht seine Zukunft in dem Unternehmen: "Ich überlege nicht, woanders zu arbeiten. Hier funktioniert es ja."
Das findet auch Vorarbeiter Bernd Queißer. Auch er ist ein Neuzugang im Unternehmen - mit einer ähnlichen Laufbahn. Er arbeitete bereits vorher in einer Werkstatt mit Menschen mit Behinderung zusammen, was ihm auch bei der Suche nach seiner neuen Stelle wichtig war. Die Arbeit sei zwar etwas anders als in "gewöhnlichen" GaLaBau-Betrieben, aber darin liegt für ihn auch das Erfüllende: "Mir ging es eigentlich auch darum, Leuten etwas mitzugeben. Von meinem Wissen etwas weitergeben zu können. Und das sehe ich eher im Inklusionsunternehmen", berichtet er. "Es macht einfach Spaß, dass man eine Entwicklung sieht. Du kannst dich nie hundertprozentig darauf verlassen, dass jeder Tag gleich ist. Und das macht es wieder spannend."
So schön das Pionierleben auch sein mag: Auf lange Sicht will Grünwerk nicht das einzige Inklusionsunternehmen Gladbecks bleiben. Solange man aber weiter solo unterwegs ist, guckt man bereits vor der eigenen Haustür, um für Menschen mit Behinderung weitere Chancen in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Goste wird dabei auch von seiner eigenen Erfahrung motiviert. "Ich habe selbst im privaten Umfeld junge Menschen mit Behinderung, die auch irgendwann ins Alter kommen, in dem sie eine Ausbildung oder einen Beruf erlernen oder studieren möchten", erzählt er. Auch deswegen schaut er immer nach vorne und überlegt, was in der Zukunft noch angegangen werden kann. Ideen und Möglichkeiten vor Ort habe man - und den Willen sowieso.
Hintergrund Integrationsbetriebe
In Westfalen-Lippe gibt es zurzeit rund 170 Inklusionsunternehmen oder -abteilungen in Firmen aus Industrie, Handel und Gewerbe, in denen etwa 2.200 Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten. Die Betriebe, in denen Menschen mit und ohne Behinderung beschäftigt sind, sind rechtlich und wirtschaftlich selbstständig. Sie müssen sich wie jedes andere Unternehmen am freien Markt behaupten.
Der LWL unterstützt diese Firmen mit Mitteln aus der Ausgleichsausgabe, die Unternehmen leisten müssen, die nicht mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Menschen mit Behinderung besetzen. Die Inklusionsunternehmen bekommen beispielsweise Zuschüsse zu Investitionen, betrieblichem Mehraufwand, Betreuung und Lohnkosten. An der Finanzierung beteiligen sich auch die Bundesagentur für Arbeit, das Land Nordrhein-Westfalen über das Programm "Integration unternehmen!" sowie die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und die Aktion Mensch.
Die LWL-Messe der Inklusionsunternehmen wird präsentiert unter https://www.lwl-messe.de. Geschichten, Infos und Wissenswertes rund um das Thema »Arbeiten und Inklusion« bietet der Blog: https://www.inklusives-arbeitsleben.lwl.org, der auch bei Facebook unter https://www.facebook.com/inklusives.arbeitsleben vertreten ist. Ein Kurzfilm zum Thema Inklusionsunternehmen ist hier zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=8klZxW-77dg&feature=youtu.be
Eine Kolonne des Unternehmens im Einsatz auf dem Gelände eines lokalen Geldinstitutes. Viele Einsatzorte sind in der direkten Umgebung des Unternehmens - ein Vorteil für alle Mitarbeitenden.
Foto: LWL/Paul Metzdorf
Vorarbeiter Bernd Queißer und Mitarbeiter Maik Preis im Einsatz.
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Das Team im Einsatz.
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Das Team im Einsatz.
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Maik Preis konnte sich im Unternehmen deutlich weiterentwickeln und unter anderem einen Anhängerführerschein erlangen.
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Für Vorarbeiter Bernd Queißer ist es entscheidend, selbst anzupacken. Dann ziehe die ganze Truppe mit.
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Pressekontakt
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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