04.03.26 | Kultur Farbenreichtum im Westfalenpark
LWL erklärt Keramikkunstwand des ehemaligen Parkcafés zum Denkmal des Monats März
Übersichtsaufnahme der Keramikkunstwand, Innenseite.
Foto: LWL/Luisa Bulian
Das zweigeschossige Gebäude wurde nach Plänen des Architekten Will Schwarz gebaut und als erstes Gebäude der 1950er-Jahre in Dortmund unter Denkmalschutz gestellt. Ursprünglich als gastronomische Einrichtung konzipiert, wurde das Parkcafé zu einem zentralen Anlaufpunkt im Park. Seit 1995 wird das Gebäude als Park-Akademie genutzt, eine Begegnungs- und Bildungsstätte für ältere Menschen. "Unverkennbar ist das Gebäude seit jeher aufgrund seiner lebhaft gestalteten Fassade mit baugebundenen Kunstwerken", erklärt Luisa Bulian, Restauratorin bei der LWL-Denkmalpflege. Die große, an das Gebäude angrenzende Terrasse wird teilweise durch eine geschwungene Wand aus Stahlbeton begrenzt. "Die Betonwand ist mit glasierten Baukeramiken des Wittener Künstlers Hans Lechner besetzt", so Bulian. "Diese Keramiken sind unterschiedlich ausgeformt und in verschiedenen Farben glasiert. Akzentuiert werden sie durch den weißen und hellgrauen Anstrich der Wandflächen."
Vor der Restaurierung im Jahr 2024 wies die Keramikkunstwand erhebliche Schäden auf. "Zum einen lagen Korrosionen am Bewehrungsstahl der Betonwand vor, zum anderen waren die Baukeramiken durch den teilweise geschädigten Verbund zur Wand gefährdet", so LWL-Restauratorin Bulian. "Die glasierten Keramiken wiesen Fehlstellen am Scherben - dem keramischen Träger aus gebranntem Ton - sowie in der Glasur auf und waren oberflächlich verschmutzt." Durch die Zusammenarbeit des Bauherrn, des Architekturbüros, der Restaurierungsfirma und der Denkmalbehörden gelang es, eine restauratorische Befunduntersuchung vorzunehmen und ein Maßnahmenkonzept zu entwickeln, um die farbenprächtige Architektur im Westfalenpark zu erhalten.
Bei den Instandsetzungsmaßnahmen nahmen die Expert:innen die Altanstriche von der Betonwand ab, behandelten die Bewehrungskorrosion sowie den Beton restauratorisch und strichen die Wand nach historischem Vorbild neu. Parallel behandelten sie die Baukeramiken vor Ort und in der Werkstatt restauratorisch. "Eine besondere Herausforderung stellten die Glasurfehlstellen an den Keramiken dar, da wir hier eine Lösung finden mussten, die der direkten Bewitterung standhält", sagt LWL-Restauratorin Luisa Bulian. "Die Stellen wurden mit einem innovativen Glasurersatz ergänzt, einem langzeitbeständigen Hybrid-Polymer."
Künftig wird im Sinne des dauerhaften Erhalts der Keramikkunstwand eine regelmäßige Pflege und Wartung stattfinden.
Hintergrund: Schritte der Restaurierung
Im Rahmen der restauratorischen Behandlung der Baukeramiken reinigten die Restaurator:innen zunächst die Oberflächen von biogenem Befall und Auflagerungen. Danach erneuerten sie schadhafte Fugen- und Bettungsmörtel. Gebrochene Keramiken verklebten sie mit Epoxidharz und brachten sie wieder an der Wand an. Fehlstellen an den Baukeramiken behandelten sie mit einem Ergänzungskitt und schlossen sie anschließend mit einer Glasurergänzung. Den verwendeten Glasurergänzungsstoff pigmentierten sie und trugen ihn per Pinsel auf die Scherbenergänzungen auf. Auf diese Weise konnten mehrlagig Filme gebildet werden, die sich an die Glasurbruchkanten anlegen und die Oberfläche optisch und physikalisch schließen. Als Maßnahmen der präventiven Konservierung wurde der direkt an die Betonaußenwand grenzende Pflanzenbewuchs entfernt und ein Kiesbett angelegt, um weitere Schäden an der Wand zu vermeiden.
Übersichtsaufnahme der Keramikkunstwand, Außenseite.
Foto: LWL/Luisa Bulian
Übersichtsaufnahme der Keramikkunstwand, Außenseite.
Foto: LWL/Luisa Bulian
Übersichtsaufnahme einer restaurierten Baukeramik.
Foto: LWL/Luisa Bulian
Detailaufnahme einer Glasurergänzung.
Foto: LWL/Luisa Bulian
Detailaufnahme einer Glasurergänzung.
Foto: LWL/Luisa Bulian
Pressekontakt
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
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