Transkript anzeigen Abspielen Pausieren

03.03.26 | Kultur "Die vierte Gewalt" unter Druck - Reihe "Drehbuch Geschichte" 2026 widmet sich der Bedeutung und den Gefährdungen des Journalismus

Präsentieren die diesjährige Filmreihe "Drehbuch Geschichte" 2026 (v. l..): Jens Effkemann (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.), Prof. Dr. Stefan Höppner (LWL-Literaturkommission für Westfalen), Karolin Engel (Geschichtsort Villa ten Hompel), Prof. Dr. Markus Köster (LWL-Medienzentrum für Westfalen), Jens Schneiderheinze (Die Linse e.V.), Jessica Best (LWL-Medienzentrum für Westfalen), Stefan Querl (Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.). <br>Foto: LWL / Alona Arens

Präsentieren die diesjährige Filmreihe "Drehbuch Geschichte" 2026 (v. l..): Jens Effkemann (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.), Prof. Dr. Stefan Höppner (LWL-Literaturkommission für Westfalen), Karolin Engel (Geschichtsort Villa ten Hompel), Prof. Dr. Markus Köster (LWL-Medienzentrum für Westfalen), Jens Schneiderheinze (Die Linse e.V.), Jessica Best (LWL-Medienzentrum für Westfalen), Stefan Querl (Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.).
Foto: LWL / Alona Arens
Nutzungsrechte und Download

Münster (lwl). Die Reihe "Drehbuch Geschichte" widmet sich 2026 der Bedeutung und den Gefährdungen des Journalismus. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) startet am Dienstag (17.3.) mit mehreren Partnern die Filmreihe "Drehbuch Geschichte" 2026 mit dem Auftaktfilm "Civil War" (2024) des Briten Alex Garland. Der Film begleitet ein Reporter-Team in der nahen Zukunft durch die kriegszerrütteten USA. Sein Ziel: Ein Interview mit dem Präsidenten, der mit seiner verfassungswidrigen dritten Amtszeit das von Spaltung und Extremismus beherrschte Land in den Abgrund gestürzt hat.

Unter dem Titel "Die vierte Gewalt - Journalismus im Film" beschäftigt sich die Filmreihe bis zum 12. Mai mit Rollenbildern und Herausforderungen journalistischer Berichterstattung vor allem in Kriegs- und Krisenzeiten. In sieben Filmforen beleuchtet sie, wie sich die Darstellung von Medien in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat und lädt zu einer kritischen Reflexion über die Grundpfeiler demokratischer Systeme ein.

Welche Faktoren die Verbreitung von Falschinformationen im Sensationsjournalismus begünstigen, fragt Regisseur Frank Wisbar in dem 1958 auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges entstandenen Film "Nasser Asphalt". Tim Fehlbaums Drama "September 5" (2024) über die Live-Berichterstattung zum Münchner Olympia-Attentat 1972 beleuchtet einen Wendepunkt in der Mediengeschichte und führt vor Augen, in welchen moralischen Dilemmata sich Redaktionen in Krisensituationen befinden. Als einzige Dokumentation der Reihe befasst sich "Kollektiv" (2019) des Deutsch-Rumänen Alexander Nanau mit den Leistungen eines Teams von Investigativ-Journalist:innen, die 2015 einen Korruptionsskandal im rumänischen Gesundheitssystem aufdeckten und so zu einem Regierungswechsel beitrugen.

Die Veranstaltungsreihe eröffnet seit über 20 Jahren Dialogräume über Film und Geschichte und zielt mit dem diesjährigen Thema auch auf die Förderung politischer Medienkompetenz. "Dass unsere pluralistische Demokratie unter Druck steht, ist inzwischen fast ein Gemeinplatz," so Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen. "Nicht nur in den USA und weiteren Ländern, sondern auch hierzulande wächst die Tendenz, grundlegende Prinzipien der Demokratie - wie Toleranz gegenüber anderen Meinungen, Lebensstilen und Herkünften, eine unabhängige Rechtsprechung oder die Pressefreiheit - auszuhebeln oder jedenfalls geringzuschätzen. Dem wollen wir entgegentreten."

Dass nicht nur äußere Faktoren, wie persönliche Angriffe, Einschüchterungen und Desinformationskampagnen den Journalismus bedrohen, sondern immer wieder auch interne Kräfte und neue publizistische Milieus das Vertrauen in eine funktionierende, objektive Presse untergraben, zeigt der jüngste Bericht von Reporter ohne Grenzen zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland. "Auch diese Gefährdungen des Journalismus von innen heraus, wie etwa den Hang zum Sensationalismus, Framing oder das Befeuern von Hasskampagnen durch Medienschaffende, nimmt die diesjährige Reihe in den Blick", so Jessica Best vom LWL-Medienzentrum, die an der Auswahl der Filme beteiligt war. Mit den Machenschaften der Boulevardpresse befasst sich etwa "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", den Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta 1975 unter Drehbuch-Beteiligung von Schriftsteller Heinrich Böll drehten.

Die Filmreihe "Drehbuch Geschichte" 2026 ist ein Gemeinschaftsprojekt des LWL-Medienzentrums für Westfalen und des Vereins "Die Linse e.V." in Kooperation mit dem LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, der LWL-Literaturkommission für Westfalen, dem Geschichtsort Villa ten Hompel, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und dem Verein "Gegen Vergessen - für Demokratie e.V.".

Die Veranstaltungsreihe ist Teil der erstmalig bundesweit ausgerufenen Aktion "Tag der Demokratiegeschichte" unter Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Weitere Informationen
Alle Termine und weitere Informationen sind auf den Webseiten des LWL-Medienzentrums für Westfalen unter https://www.lwl-medienzentrum.de/de/veranstaltungen-und-termine/drehbuch-geschichte/ und des Vereins "Die Linse e.V." unter https://www.dielinse.de/drehbuch-geschichte-2026/ zu finden.

Karten:
https://www.cineplex.de/muenster
https://www.dielinse.de/drehbuch-geschichte-2026/

Eintritt:
7 Euro / 5 Euro ermäßigt*

*mit Ausweis; für Schüler:innen, Studierende, Münster-Pass-Inhaber:innen, BFD-Leistende und Schwerbehinderte

Programm
Dienstag, 17.3., 18 Uhr, Cinema
Civil War
(USA/Großbritannien 2024 · Regie: Alex Garland, 108 Min.)
Einführung: Thomas Köhler, Villa ten Hompel
Ein Team von Journalistinnen und Journalisten versucht in dieser düsteren Zukunftsvision, während eines Bürgerkriegs in den USA in die Hauptstadt zu gelangen, um den Präsidenten zu interviewen. Alex Garland beleuchtet die Rolle der Presse in einem von Polarisierung und Extremismus beherrschten Land.

Dienstag, 24.3., 18 Uhr, Cinema
Nasser Asphalt
(Deutschland 1958 · Regie: Frank Wisbar, 89 Min.)
Einführung: Prof. Dr. Stefan Höppner, LWL-Literaturkommission für Westfalen
Berlin 1950: Der junge Reporter Greg Bachmann (Horst Buchholz) ist überglücklich, als rechte Hand des Starreporters Cesar Boyd (Martin Heldt) arbeiten zu dürfen. Doch bald muss er feststellen, dass gut verkäufliche Lügen die Nachrichten bestimmen. »Nasser Asphalt« ist eine bemerkenswert frühe Kritik am Sensationsjournalismus. Der Film mit Horst Buchholz und Martin Heldt vermittelt, wie leicht gerade in der angespannten Atmosphäre des "Kalten Krieges" Falschinformationen in Umlauf zu bringen waren.

Dienstag, 31.3., 18 Uhr, Cinema
September 5
(Deutschland/USA 2024 · Regie: Tim Fehlbaum, 95 Min.)
Einführung:Michael Sturm, Historiker und Mitarbeiter der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Münster
München, 5. September 1972, zehnter Wettkampftag der Olympischen Sommerspiele. Palästinensische Terroristen überfallen das olympische Dorf und nehmen neun israelische
Sportler als Geiseln. Tim Fehlbaums Inszenierung der Live-Berichterstattung des ABC-Sports-Teams regt dazu an "sich Gedanken zu machen über die Komplexität von Krisenberichterstattung und über die Macht der Bilder." (epd Film)

Dienstag, 14.4., 18 Uhr, Cinema
Die verlorene Ehre der Katharina Blum
(Deutschland 1975 · Regie: Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta, 106 Min.)
Einführung: Dr. Julia Paulus, LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte
Die junge Katharina Blum verbringt die Nacht mit einem mutmaßlichen Terroristen und gerät ins Visier von Polizei und Medien. Angefeindet und diffamiert greift sie schließlich selbst zur Waffe. Basierend auf der gleichnamigen Erzählung von Heinrich Böll, der am Drehbuch beteiligt war, beleuchtet der Film die Machenschaften der Boulevardpresse vor dem Hintergrund der bundesdeutschen Terrorjahre.

Dienstag, 21.4., 18 Uhr, Cinema
Kollektiv - Korruption tötet (Dokumentation)
(Rumänien/Luxemburg 2019 · Regie: Alexander Nanau, 109 Min. · Original mit Untertitel)
Einführung: Jessica Best, LWL-Medienzentrum für Westfalen
Nach dem Brand eines Musikclubs in Bukarest sterben 2015 zahlreiche Opfer in Krankenhäusern. Ein Team der Sport-Zeitung Gazeta Sporturilor deckt einen dafür maßgeblich verantwortlichen Betrugs- und Korruptionsskandal im rumänischen Gesundheitssystem auf. Die Berichterstattung löst eine politische und soziale Protestbewegung gegen die Misswirtschaft im Land aus, die schließlich einen Regierungswechsel herbeiführt.

Dienstag, 28.4., 18 Uhr, Cinema
Vermißt
(USA 1982 · Regie: Constantin Costa-Gavras, 122 Min.)
Einführung: N. N.
Als ein amerikanischer Schriftsteller während des chilenischen Staatsstreichs im September 1973 verschwindet, begeben sich seine Frau und sein Vater (Sissy Spacek und Jack Lemmon) auf die Suche nach ihm. Je tiefer sie in die Machenschaften der Putschisten und des CIA eindringen, desto mehr schwindet ihr Vertrauen in ihre eigene Regierung.

Dienstag, 12.5., 18 Uhr, Cinema
Schtonk!
(Deutschland 1995 · Regie: Helmut Dietl, 110 Min.)
Einführung: Jens Effkemann, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Bezirksverband Münster
Komödie über den größten Presseskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte, die Vermarktung gefälschter Hitler-Tagebücher durch die Wochenzeitschrift Stern im Jahr
1983. Der Film wartet mit einer deutschen Starbesetzung auf und attackiert als "grell-freche Posse mit grotesken Zügen gesellschaftliche Doppelmoral sowie die 'Wiederholbarkeit von Geschichte'". (Lexikon des internationalen Films)

Pressekontakt

Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

presse@lwl.org

Der LWL im Überblick

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

Zu allen Pressemitteilungen des LWL Zu allen Pressemitteilungen dieser LWL-Einrichtung