02.03.26 | Kultur LWL-Freie-Szene-Fonds fördert 13 Projekte in Westfalen-Lippe
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"Die Qualität und Vielfalt der ausgewählten Projekte zeigen, dass Westfalen-Lippe ein bedeutender Produktionsort professioneller Kunst ist, die unsere Region bereichert und herausfordert. Unsere Förderung setzt gezielte Impulse und unterstreicht ihren hohen Stellenwert. Zugleich ist klar: Eine lebendige Kulturlandschaft braucht kontinuierliche Unterstützung und verlässliche Strukturen", erläutert LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.
Ein fünfköpfiger Fachbeirat hatte alle Anträge gesichtet und Projekte zur Förderung empfohlen. "Die ausgewählten Vorhaben überzeugen mit hoher künstlerischer Qualität, konzeptioneller Schärfe und ihren oft interdisziplinären Ansätzen. Auf jedes geförderte Projekt kommen im Schnitt zwei weitere Vorhaben, die grundsätzlich überzeugen konnten, aufgrund begrenzter Mittel jedoch abgelehnt werden mussten", so das gemeinsame Fazit von Tchekpo Dan Agbetou, Sarah Heppekausen, Cecilia Herrero-Laffin, Dr. Anneke Lubkowitz und Dr. Rasmus Nordholt-Frieling.
Wegen der hohen Nachfrage und bereits gebundener Mittel wird zur nächsten Antragsfrist am 30. September 2026 nur die Programmlinie "Wiederaufnahme" für 2027 ausgeschrieben.
Erfolgreiche Formate an neuen Orten: Wiederaufnahmen in der Region
Das Bochumer Label
Melanie López López und Ricardo Campos Freire aus Münster untersuchen mit ihrem Tanzduett "Something in Between" die Bedeutung des Teilens von Raum und Zeit mit einer anderen Person. Im Dialog mit Kunstwerken der Bocholter Kunst- und Kulturgemeinschaft e.V. und im Emil Schumacher Museum (Hagen) lädt das Stück ein zu stiller Reflexion und persönlichen Assoziationen.
Mit "modus on Tour 2026" bringt der Gelsenkirchener Klangkünstler Lukas Hermann elektronische Musik- und Klangkultur in neue Räume: In Gelsenkirchen, Borken und Hörstel finden Workshops, Gespräche und Konzerte mit renommierten Acts und Label-Künstlern statt. Ziel ist es, NRW-weite Diskurse und Netzwerke rund um elektronische Musik zu etablieren und nachhaltig zu stärken.
"The Monkey" ist eine dokumentarische Performance über Ausgrenzung, Krankheit und Körperpolitik des Regisseurs Hossein Maleki. Das Stück verknüpft die Geschichte des HIV-positiven, iranischen Theaterstudenten Ali mit dem Vermächtnis des iranischen Theatermachers Reza Abdoh (1963-1995) und der Solidarität des eigenen Ensembles. Die dreisprachige Produktion gastiert voraussichtlich in Bochum und Münster.
Mit seinem Projekt "Wake Up - Owl Movement" geht der Bielefelder Tänzer und Choreograf Dhélé Tchekpo Agbetou auf eine Reise durch die urbane Tanzkunst mit Stationen in Bielefeld, Gütersloh und Lemgo. Dabei verschmelzen urbane Wurzeln mit zeitgenössischen Ausdrucksformen. Sein Ziel: die Sichtbarkeit urbaner Tanzformen in Ostwestfalen-Lippe stärken.
In Havixbeck und Bochum erhebt das Kollektiv "TachoTinta" kulturelle Missverständnisse zur Kunstform. Bei der "cultural drag xxs LWL Tour" entsteht gemeinsam mit dem Publikum eine schillernde zeitgenössische Tanzperformance mit Drag-Touch und ein Spiel mit positiven Verunsicherungen. "Vorurteile bitte an der Garderobe abgeben!"
Mehrjährige Projekte für nachhaltige künstlerische Arbeit
"Das Loch in der Oberfläche" ist eine performative Wundererforschung des Bochumer Kollektivs "äöü". Zwischen Wallfahrtsmythen und Alltagsmomenten sucht "äöü" nach dem Unbegreiflichen - und fragt: Was verraten Wunder über den Zustand unserer Gesellschaft? In Dortmund und Bochum entsteht ein performativer Spaziergang, der als mobile Wallfahrt durch Westfalen-Lippe tourt.
"VIOLET" ist ein interdisziplinäres Performance-Format des queeren Kollektivs "House of Pumps" aus Münster. 2026 und 2027 wird es neu aufgelegt mit Fokus auf Austausch mit der queeren Community in Münster, Bochum, Warendorf, Haltern am See und Bocholt, um das Kollaborationsnetzwerk zu stärken. "VIOLET" will damit Räume für queere Kunst, Diskurs und Begegnung schaffen.
Gut 50 Jahre nach "Versuch, einen Platz in Paris zu erfassen" des französischen Schriftstellers Georges Perec (1936-1982) geht die Projektgruppe "Auf die Plätze" um Daniel Huhn im Münsterland dem Flüchtigen nach. Autor:innen erkunden Plätze in Rheine, Oelde und Münster-Coerde, beobachten und schreiben über das scheinbar Unbedeutende. Ein Jahr später setzen Filmschaffende diese Texte filmisch um. In Literatur und Film soll ein kollektives Zeitdokument westfälischer Alltagswelten entstehen.
Fortgeführt werden außerdem die 2025 zur Förderung empfohlenen mehrjährigen Projekte:
"THE NEW SILICON VALLEY" von Gabriel José Carneiro / DESLOCAR GbR aus Bochum entwirft eine fiktionale, dystopische Zukunft, inspiriert vom Ruhrgebiet: Der Bergbau wird in den menschlichen Körper verlagert, um die Natur zu schonen und eine bevorstehende Klimakatastrophe abzuwenden. Das Stück untersucht die Ausbeutung von Ressourcen materieller und menschlicher Natur.
Unter dem Titel "C/O BO-TOWN - drei Stadt-Ge(h)schichten für Weltempfänger" wird das "kainkollektiv" drei Audio Walk & Stadtraum Performances in und für Bochum entwickeln - und will von Bochum als lokalem Bezugspunkt aus in ganz unterschiedliche Zeiten, Orte und Räume hineinwirken.
Der Kunsthaus Helleweg e.V. bietet ein Residenzprogramm für Künstler:innen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik und Medienkunst in Versmold an. Das Programm ist geprägt vom Austausch zwischen Residenz und Bürger:innen aus Versmold. Um nachhaltiger zu arbeiten und das Kunsthaus weiter in der Region zu etablieren, soll die Residenz im alten Bauernhaus verstetigt werden.
"Center Court" ist eine Theaterperformance des Bielefelder Theatermachers Stefan Mießeler über Tennis und "Critical Whiteness" (kritisches Weißsein). In der Struktur eines Fünf-Satz-Matches hinterfragt ein diverses Ensemble aus Theater, Tanz und Performance historische und aktuelle Narrative weißer Privilegien. Das Tennisfeld wird zur Arena, in der rassismuskritische Fragen verhandelt werden.
Hintergrund
Der LWL richtet sich mit dem seit 2025 ausgeschriebenen LWL-Freie-Szene-Fonds gezielt an professionelle freischaffende Künstlerinnen und Künstler aller Sparten in Westfalen-Lippe. Die beiden Förderlinien "Wiederaufnahmeförderung" und "mehrjährige Projektförderung" unterstützen die Freie Szene in der Region bedarfsorientiert in ihrer künstlerischen Arbeit. Das Gesamtvolumen des Fonds beträgt 150.000 Euro jährlich. Antragstellungen für Wiederaufnahmen ab 2027 sind bis zum 30. September 2026 möglich. Mehrjährige Projekte können erst zum 30. September 2027 wieder beantragt werden.
Weitere Informationen unter https://www.lwl-kultur.de/de/kulturforderung/freie-szene/lwl-freie-szene-fonds/.
Pressekontakt
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Simone Schiffer, LWL-Kulturabteilung, Tel.: 0251 591-7511, simone.schiffer@lwl.org
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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