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02.03.26 | Kultur Archäologie in Hüllhorst

Über 2.500 Jahre alte Siedlung entdeckt

Luftaufnahme der Grabungsfläche für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses am Lohagenweg in Hüllhorst. Der Baumbewuchs markiert den Verlauf des Quellbaches, der die Grundlage für die Errichtung der einstigen Hofstelle bildete.<br>Foto: LWL-AfW / A. Koch

Luftaufnahme der Grabungsfläche für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses am Lohagenweg in Hüllhorst. Der Baumbewuchs markiert den Verlauf des Quellbaches, der die Grundlage für die Errichtung der einstigen Hofstelle bildete.
Foto: LWL-AfW / A. Koch
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Hüllhorst (lwl). In Hüllhorst (Kreis Minden-Lübbecke) konnte ein vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) begleitetes Ausgrabungsteam eine über 2.500 Jahre alte Siedlung aus der vorrömischen Eisenzeit nachweisen. Die LWL-Fachleute sprechen von einer Seltenheit, denn Hausgrundrisse aus dieser Zeit wurden in Ostwestfalen bislang nur noch in Werther und Minden entdeckt.

Hintergrund
Die Gemeinde Hüllhorst baut derzeit ein neues Feuerwehrgerätehaus am Lohagenweg. Doch bevor die Löschgruppe hier einzieht, hat in den vergangenen Wochen ein kleines Grabungsteam den Bereich des archäologisch untersucht. Der Grund: die besonders siedlungsgünstige Lage am Rand des Wöhrsiek, einer noch heute aktiven Quelle. Nach Angaben der LWL-Archäologie für Westfalen befinden sich im Umfeld solcher Quellen häufig Siedlungsplätze der Urgeschichte.

Siedlungsplatz mit einem Haus der frühen Eisenzeit?
Im Sommer 2025 wurde zunächst der Oberboden in vier schmalen Streifen abgetragen, um das Areal zu sondieren. Danach war schnell klar: hier hatte offenbar vor über 2.500 Jahren schon einmal jemand gebaut. Bei den Resten im Erdboden handelt es sich vor allem um Bodenverfärbungen, die auf einstige Vorrats- und Abfallgruben hindeuten.

Besonders interessant sind für die Fachleute aber auch kleine Verfärbungen, welche die ehemaligen Standorte von Holzpfosten anzeigen und sich mit etwas Glück zu ganzen Gebäudegrundrissen rekonstruieren lassen: "Wir haben neben zwei kleineren Gebäuden auch die Reste eines großen Wohnhauses entdeckt", erklärt Grabungsleiter Hisham Nabo. Die Erbauer hatten offenbar den Hausbau auch damals schon genau geplant, denn um die Angriffsfläche für den Wind zu verkleinern, hatte man das Gebäude mit den Schmalseiten in die Hauptwindrichtung gestellt. Das Haus wurde also ganz bewusst in Nordost-Südwest Richtung erbaut.

Die Fundstücke aus den umliegenden Grubenverfüllungen helfen bei der Datierung des Fundplatzes. Vor allem einige Bruchstücke von Henkeltassen, sogenannte Terrinen, und von rauwandigen Töpfen mit Fingertupfrändern weisen in einen frühen Abschnitt der vorrömischen Eisenzeit, was der Zeit zwischen 800 bis 600 v. Chr. entspricht.

"Glücksfall für die Archäologie"
"Für uns ist das ein wirklicher Glücksfall, denn bisher kannten wir in Ostwestfalen nur aus Werther und Minden Hausgrundrisse dieser Zeit, die auch erst in den vergangenen Jahren entdeckt wurden. Zusammen mit den neuen Entdeckungen in Hüllhorst erhoffen wir uns spannende Erkenntnisse zum alltäglichen Leben in dieser Zeit", erklärt Sebastian Düvel von der LWL-Archäologie für Westfalen, der sich als Wissenschaftlicher Referent unter anderem mit den Fundstellen der Eisenzeit in Ostwestfalen beschäftigt. Zunächst muss der Hausgrundriss noch genauer datiert werden. Dies geschieht durch die Radiokarbonmethode an den aus den Pfostengruben geborgenen Holzkohlestückchen. Denn oft finden sich an derartigen Standorten Spuren aus ganz unterschiedlichen Epochen.

Bau des Feuerwehrhauses wird wie geplant umgesetzt
Nach den bisherigen Erkenntnissen setzt sich der Siedlungsplatz noch weiter Richtung Norden fort. Für weitere Bauvorhaben in diesem Areal stellt das aber keine Gefahr dar. Wenn die Bodendenkmäler erst einmal dokumentiert und ausgegraben sind, steht einer Bebauung des Areals nichts entgegen. Um möglichst viele der Bodendenkmäler im Boden zu erhalten, wurde erst einmal nur dort ausgegraben, wo diese für den Neubau des Gerätehauses auch tatsächlich weichen müssen.

Düvel: "Durch eine enge und frühzeitige Kommunikation zwischen der Gemeinde Hüllhorst, der ausführenden Grabungsfirma und uns konnten wir die archäologischen Maßnahmen noch vor dem eigentlichen Baubeginn erfolgreich abschließen, sodass nun auch das neue Feuerwehrgerätehaus am Lohagenweg wie geplant errichtet werden kann."

LWL-Einrichtung:
LWL-Archäologie für Westfalen
Außenstelle Bielefeld
Am Stadtholz 24 a
33609 Bielefeld

Grabungsleiter Hisham Nabo bringt wichtige Fundstücke ans Tageslicht. Über die unscheinbaren, aber für die Wissenschaft besonders wichtigen Scherben, kann die Hofstelle zeitlich eingeordnet werden.<br>Foto: LWL-AfW / S. Düvel

Grabungsleiter Hisham Nabo bringt wichtige Fundstücke ans Tageslicht. Über die unscheinbaren, aber für die Wissenschaft besonders wichtigen Scherben, kann die Hofstelle zeitlich eingeordnet werden.
Foto: LWL-AfW / S. Düvel

Grabungsleiter Hisham Nabo (li.) und Grabungsmitarbeiter Ristam Abdo (re.) stehen in einer ausgegrabenen Siedlungsgrube und begutachten einige der darin gefundenen Scherben. Die Verfärbungen werden geschnitten, um ihre Struktur zu erfassen und die darin befindlichen Fundstücke zu bergen.<br>Foto: LWL-AfW / S. Düvel

Grabungsleiter Hisham Nabo (li.) und Grabungsmitarbeiter Ristam Abdo (re.) stehen in einer ausgegrabenen Siedlungsgrube und begutachten einige der darin gefundenen Scherben. Die Verfärbungen werden geschnitten, um ihre Struktur zu erfassen und die darin befindlichen Fundstücke zu bergen.
Foto: LWL-AfW / S. Düvel

Typische Gefäßscherben der frühen Eisenzeit: ein mit Fingertupfen verzierter Gefäßrand und ein Bruchstück mit einem breiten randständigen Henkel.<br>Foto: LWL-AfW / S. Düvel

Typische Gefäßscherben der frühen Eisenzeit: ein mit Fingertupfen verzierter Gefäßrand und ein Bruchstück mit einem breiten randständigen Henkel.
Foto: LWL-AfW / S. Düvel

Pressekontakt

Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Dr. Julia Großekathöfer, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591- 8946

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