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11.02.26 | Soziales LWL-Messe der Inklusionsunternehmen 2026 in Dortmund

Von viel kommt viel - Dank breiter Strukturen arbeiten die Hagener Pro Integration und ihre Mitarbeitenden selbstbewusst inklusiv

Wer sinnvoll expandiert, erntet Erfolg: Die Gärtnerei startete mit zwei Gärtnern, mittlerweile sind 16 Angestellte im Bereich tätig.<br>Foto: LWL/Frank Peterschröder

Wer sinnvoll expandiert, erntet Erfolg: Die Gärtnerei startete mit zwei Gärtnern, mittlerweile sind 16 Angestellte im Bereich tätig.
Foto: LWL/Frank Peterschröder
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Dortmund/Hagen (lwl). In Westfalen-Lippe sorgen rund 170 Inklusionsunternehmen für Inklusion im Arbeitsleben. Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten in den Firmen zusammen, die sich auf dem freien Markt beweisen müssen. Und die Arbeitsplätze für die Menschen mit Behinderung sind im Schnitt deutlich kostengünstiger als die Plätze in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Bei der LWL-Messe der Inklusionsunternehmen am 11. März in der Messe Dortmund präsentieren sich Firmen, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bei ihrer Arbeit unterstützt. Eines der Inklusionsunternehmen hat seinen Sitz in Hagen.

Eine weiträumige Lagerhalle, eine eigene Palettenfertigung, eine Schreinerei und eine Gärtnerei: Wer in Hagen über das Gelände der Pro Integration (pro-i) geht, bekommt schnell einen Eindruck von der großen Leistungsvielfalt des Inklusionsunternehmens - und hat dabei noch nicht einmal alles gesehen. Eine betriebliche Montage, ein Logistikzentrum sowie eine Großküche komplettieren an drei weiteren Standorten in der Region das Unternehmen. Momentan beschäftigt das Unternehmen rund 80 Mitarbeiter:innen aus 13 Nationen, rund die Hälfte davon sind Menschen mit einer Behinderung.

"Die Besonderheit der Pro Integration ist ihre Vielschichtigkeit", beschreibt Geschäftsführer Christophe Hessling das Unternehmen. "Wir versuchen, viele Berufsfelder bei uns zu vereinen, um möglichst vielen Menschen mit diversen Beeinträchtigungen einen adäquaten Arbeitsplatz zu bieten. Und das tun wir derzeit ziemlich erfolgreich." Diese Diversifizierung macht Arbeitsplätze nicht nur vielfältig, sondern auch sicher: Ein starker Bereich kann einen Betriebszweig, der vielleicht kurzfristig weniger erwirtschaftet, mittragen.

Nachhaltig(e) Chancen schaffen
Gemeinsam mit der Diakonie Mark Ruhr, die seit 2019 auch Muttergesellschaft der Pro Integration ist, und den Iserlohner Werkstätten sucht pro-i ständig nach Bereichen und Synergien, die das eigene Portfolio sinnvoll erweitern. Ein Prinzip, das sich bewährt hat: Als die Diakonie zusätzliche Berufschancen für die Mitarbeitenden der Iserlohner Werkstätten suchte, bot die 1982 gegründete pro-i die passenden Strukturen. So wuchs in dem Unternehmen in den vergangenen Jahren stetig auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung.

Hessling selbst wechselte aus den Iserlohner Werkstätten als Betriebsleiter zur pro-i. Wie viele der Betriebs- und Abteilungsleiter der pro-i kam er aus einem stahlerzeugenden Betrieb mit permanenter "Gewinnmaximierung", wie er es beschreibt, zu den Iserlohner Werkstätten und pro-i. Die sozialen Aspekte der Inklusionsbetriebe hätten einige zum Wechsel motiviert. Allerdings, betont er, sei auch die wirtschaftliche Leistung und Qualität der Arbeit in den Inklusionsbetrieben und Werkstätten ein wichtiger Faktor. Die Mischung macht es: "Der Mensch steht im Fokus, aber am Schluss auch die Arbeit, die wir erbringen, und das Gemeinschaftliche, sodass wir am Ende sagen können: ,Das haben wir zusammen geschafft.'"

Dieser Erfolg beruht auch auf agilen Arbeitsprozessen: Die einzelnen Abteilungen werden da, wo es geht, bei Entscheidungen über ihre Ausrichtung mit eingebunden und unterstützen sich dann gegenseitig bei Herausforderungen. Auch bei der Einstellung und Weitervermittlung von Mitarbeitenden und Auszubildenden mit Behinderung arbeite man eng mit dem LWL, den Integrationsfachdiensten, der Bundesagentur für Arbeit und anderen Inklusionsunternehmen zusammen, erläutert Hessling.

"Wir haben schon viele Menschen hier gehabt, die wirklich erstaunliche Fähigkeiten hatten, mit denen man gar nicht gerechnet hätte", so Schreinermeister und Ausbilder Ralf Krause. Man möchte für jeden Auszubildenden erreichen, so selbstbestimmt wie möglich leben zu können: "Das ist eigentlich das Wichtigste an der ganzen Sache, dass sie sich im Leben später alleine zurechtfinden oder besser zurechtfinden, als sie es vorher geschafft haben. Das bedeutet für mich Inklusion."

Einige der jungen Menschen sind nach ihrer Ausbildung bei der pro-i geblieben. Das Konzept Ausbildung zahlt sich auf diese Weise für die Zukunft des Unternehmens aus - und leistet zudem noch einen nachhaltigen Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels.

Manche, wie Florian Fronk, wissen schon, wo die Reise hingehen könnte. Der 18-Jährige ist im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Fachpraktiker für Holzverarbeitung. Die Arbeit mit dem Rohstoff Holz hat er in den Genen: Sein Großvater war Tischlermeister und nahm ihn oft mit in die Tischlerei. Kein Wunder also, dass ihm diese Arbeit liegt: "Ich habe meinen Willen gezeigt, habe mich durchgebissen, habe gezeigt, dass ich diese Stelle auch möchte. Und dass es mir Spaß macht." 

In der Ausbildung wachsen nicht nur Fronks fachliche Fähigkeiten, sondern auch sein Selbstbewusstsein. "Dadurch, dass ich in dieser Ausbildung bin, hat sich in meinem Leben geändert, dass ich viel selber machen kann und⿯viele⿯Freunde unterstützen kann." Beim Thema Maschinen und Menschen helfen, zeigen sich auch seine Zukunftspläne. Denn Fronk ist seit Jahren in der freiwilligen Jugendfeuerwehr und möchte nach seiner Ausbildung den Wechsel in die Berufsfeuerwehr angehen. Die pro-i kennt seine Pläne und hat ihm zunächst zur handwerklichen Ausbildung geraten. Klar bietet man seinem Ehrenamt den nötigen Freiraum.

Im Unternehmen habe man gelernt, offen für solche ambitionierten Ziele zu sein, sagt Hessling: "Die Akzeptanz von Neuem, wissbegierig zu sein und sich immer wieder darauf einzulassen, neue Dinge zu lernen und damit auch das Selbstbewusstsein stärken: das ist das Ziel,⿯das⿯wir⿯uns in⿯der⿯Ausbildung⿯vornehmen." Ein ehemaliger Azubi, der sich seinen Traumberuf des Busfahrers erfüllen konnte, ist ein Paradebeispiel für das Prinzip. Im Betrieb war man skeptisch - er aber nicht. Ein Erfolg, der Türen öffnet: "Wir konnten uns eines Besseren belehren lassen. Nein sagen ist zu einfach, stattdessen müssen wir schauen,⿯wie wir den Weg mitgestalten können", sagt Hessling.

Hintergrund Integrationsunternehmen
In Westfalen-Lippe gibt es zurzeit rund 170 Inklusionsunternehmen oder -abteilungen in Firmen aus Industrie, Handel und Gewerbe, in denen etwa 2.200 Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten. Die Betriebe, in denen Menschen mit und ohne Behinderung beschäftigt sind, sind rechtlich und wirtschaftlich selbstständig. Sie muÌ¿ssen sich wie jedes andere Unternehmen am freien Markt behaupten.

Der LWL unterstuÌ¿tzt diese Firmen mit Mitteln aus der Ausgleichsausgabe, die Unternehmen leisten muÌ¿ssen, die nicht mindestens fuÌ¿nf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Menschen mit Behinderung besetzen. Die Inklusionsunternehmen bekommen beispielsweise ZuschuÌ¿sse zu Investitionen, betrieblichem Mehraufwand, Betreuung und Lohnkosten. An der Finanzierung beteiligen sich auch die Bundesagentur fuÌ¿r Arbeit, das Land Nordrhein-Westfalen uÌ¿ber das Programm "Integration unternehmen!" sowie die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und die Aktion Mensch.

Die LWL-Messe der Inklusionsunternehmen wird präsentiert unter https://www.lwl-messe.de. Geschichten, Infos und Wissenswertes rund um das Thema »Arbeiten und Inklusion« bietet der Blog: https://www.inklusives-arbeitsleben.lwl.org, der auch bei Facebook unter https://www.facebook.com/inklusives.arbeitsleben vertreten ist. Ein Kurzfilm zum Thema Inklusionsunternehmen ist hier zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=8klZxW-77dg&feature=youtu.be

Schreinermeister Ralf Krause (l.) und Auszubildender Florian Fronk (r.) bei der Arbeit in der Hagener Schreinerei.<br>Foto: LWL/Frank Peterschröder

Schreinermeister Ralf Krause (l.) und Auszubildender Florian Fronk (r.) bei der Arbeit in der Hagener Schreinerei.
Foto: LWL/Frank Peterschröder

Geschäftsführer Christophe Hessling versucht, viele Berufsfelder im Unternehmen zu vereinen, um möglichst vielen Menschen mit diversen Beeinträchtigungen einen adäquaten Arbeitsplatz zu bieten.<br>Foto: LWL/Frank Peterschröder

Geschäftsführer Christophe Hessling versucht, viele Berufsfelder im Unternehmen zu vereinen, um möglichst vielen Menschen mit diversen Beeinträchtigungen einen adäquaten Arbeitsplatz zu bieten.
Foto: LWL/Frank Peterschröder

Die Schreinerei der pro-i am Hauptstandort in Hagen.<br>Foto: LWL/Frank Peterschröder

Die Schreinerei der pro-i am Hauptstandort in Hagen.
Foto: LWL/Frank Peterschröder

Pro-i-Urgestein Detlef Aschmann an seinem Arbeitsplatz in der Palettenfertigung.<br>Foto: LWL/Frank Peterschröder

Pro-i-Urgestein Detlef Aschmann an seinem Arbeitsplatz in der Palettenfertigung.
Foto: LWL/Frank Peterschröder

Die Gewächshäuser am Hagener Standort wurden eigens für die Ausbildung zur Fachpraktiker:in im Gartenbau umgebaut.<br>Foto: LWL/Frank Peterschröder

Die Gewächshäuser am Hagener Standort wurden eigens für die Ausbildung zur Fachpraktiker:in im Gartenbau umgebaut.
Foto: LWL/Frank Peterschröder

Pressekontakt

Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

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Der LWL im Überblick

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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