02.02.26 | Kultur Vom Mauerblümchen zur Perle des Kurparks: LWL erklärt das Prinzenhaus von Schloss Schieder zum Denkmal des Monats
Das Prinzenhaus im Kurpark von Schloss Schieder im Vorzustand im Jahr 2014.
Foto: LWL/Saskia Schöfer
Im Jahr 1843 als Teehaus im Auftrag von Leopold II. errichtet, diente das Prinzenhaus als Rückzugsort für die fürstliche Familie des Hauses Lippe. Neben dem repräsentativen Jagdschloss Schieder bot sich hier die Möglichkeit einer familiären Auszeit abseits der höfischen Etikette. "Der Landbaumeister des Fürstentums Lippe, Ferdinand Wilhelm Brune, entwarf ein sogenanntes Schweizerhaus mit flach geneigtem Dach, profilierten Pfettenköpfen und zierlichen Holzsägeelementen", erklärt LWL-Denkmalpflegerin Saskia Schöfer. "In einer Zeit der Romantisierung von Natur als Reaktion auf die zunehmende Industrialisierung der Umwelt waren Schweizerhäuser eine zeittypische Bauaufgabe. Auf den Aquarellen und Zeichnungen des bekannten lippischen Kunstmalers Ludwig Menke lässt sich zudem die idyllische Lage und Atmosphäre des Teehauses gut nachvollziehen."
Die in den 1960er-Jahren vorgenommenen Umbauten führten dazu, dass ein Großteil der originalen Gestaltung des Hauses nicht mehr sichtbar war. Zudem entstand ein erheblicher Sanierungsstau. Doch der Förderverein "Schloss und Schlosspark Schieder" und die Stadt Schieder-Schwalenberg bemühten sich, Möglichkeiten für eine Sanierung und Umnutzung des Teehauses zu schaffen. Dies gelang schließlich in den Jahren 2023 und 2024 mit Unterstützung durch eine Förderung des Landes NRW.
"Die Sanierung wurde behutsam und denkmalgerecht durchgeführt", so Denkmalpflegerin Schöfer. "Nach der Entfernung der neueren Einbauten stellte sich erfreulicherweise heraus, dass wesentliche Bauteile wie die gestaltete Dachkonstruktion und die Holzverzierungen der Türöffnungen nur verkleidet und noch vorhanden waren. Die gute Quellenlage ermöglichte es zudem, die Gebäudehülle denkmalgerecht instand zu setzen und weitestgehend in den Originalzustand zurückzuführen."
Auch die heutige Farbfassung wurde auf der Grundlage von Befunden wiederhergestellt. Da es von der fürstlichen Innenraumgestaltung keine Überlieferungen gab, fand hier eine Neuinterpretation des Raumes statt. "Für die erforderlichen neuen Einrichtungen wie Küche, Lager und Toiletten wurde eine geschickte Lösung gefunden: Sie wurden als Kubus eingestellt, um einen möglichst großen Gemeinschaftsraum zu schaffen und die verzierte Dachkonstruktion sichtbar zu lassen", erklärt Schöfer. "Die neuen Einbauten und Materialien wurden hierbei passend zum Befund gewählt und fügen sich sehr gut ein."
Der barrierefreie Zugang zum Haus erfolgt über eine seitliche Öffnung, sodass der Eingangsbereich mit der großzügigen Sandsteinstufenanlage erhalten bleiben konnte.
"Nach der ursprünglichen Nutzung durch den Adel und dem anschließenden Niedergang ist das Prinzenhaus Schieder heute ein Ort der Begegnung für Bürgerinnen und Bürger", so Schöfer. "Das harmonische Zusammenspiel der historischen Bausubstanz mit der funktionalen Ausstattung ist ein schönes Beispiel dafür, wie bei einer denkmalgerechten Sanierung Engagement und Zusammenarbeit aller Beteiligten zu einem herausragenden Ergebnis führen können."
Nach der Sanierung im Jahr 2024: Der Eingangsbereich mit der großzügigen Sandsteinstufenanlage prägt die aufwändig gestaltete Hauptansicht des Teehauses.
Foto: Stadt Schieder-Schwalenberg/Michael Reimer
Nach der Sanierung im Jahr 2024: Küche, Lager und Toiletten wurden als Kubus eingestellt, um einen möglichst großen Gemeinschaftsraum zu schaffen und die verzierte Dachkonstruktion sichtbar zu lassen.
Foto: Stadt Schieder-Schwalenberg/Michael Reimer
Nach der Sanierung im Jahr 2024: Die Holzverzierungen an der Dachkonstruktion sind nun wieder sichtbar.
Foto: Stadt Schieder-Schwalenberg/Michael Reimer
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Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
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