26.01.26 | Kultur LWL-Kulturstiftung fördert 15 Projekte
1,6 Millionen Euro für die Kultur in Westfalen-Lippe
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Die nächste Antragsfrist für das kommende Förderprogramm ist der 28. Februar für Projekte, die frühestens ab Mitte des Jahres beginnen.
"Das Förderprogramm für die 15 Projekte umfasst in diesem Jahr hochkarätige Kulturveranstaltungen in dieser Region und zeigt unter anderem, dass Westfalen-Lippe Heimat für international renommierte Festivals ist", so Anneli Hegerfeld-Reckert, Kuratoriumsvorsitzende der LWL-Kulturstiftung.
Vier Kulturfestivals präsentieren von Mai bis November Theater, elektronische Musik, Puppentheater und Lichtkunst im westfälischen Ruhrgebiet und in der Hellweg-Region. Große und kleine Bühnen, Schauspielhäuser und Kultureinrichtungen sind Schauplätze für fünf Veranstaltungsreihen, bei denen auch neue Räume zu Orten kultureller Begegnungen werden. Sechs museale Projekte sind ebenso im Programm, darunter drei große, langfristig angelegte Vorhaben von Einrichtungen des LWL, die auf Beschlüsse des Landschaftsausschusses zurückgehen.
"Wir begrüßen in dieser Runde auch neue Kulturschaffende als Teil unseres Fördernetzwerkes. Das zeigt, wie die LWL-Kulturstiftung ihre Wirkungskreise ausbaut und weitere Zugänge ermöglicht", so Dr. Georg Lunemann, der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Vorstandsvorsitzende der LWL-Kulturstiftung.
Insgesamt lagen dem Kuratorium 43 Anträge in der vergangenen Sitzung zur Beratung vor, was den Trend der steigenden Antragszahlen aus vorherigen Förderrunden fortsetzt.
"Auch ohne inhaltliche Schwerpunktsetzung bemerken wir großes Interesse - weil die Kulturszene trotz finanzieller Notlagen in Kommunen, Land und Bund weiter ihre Perspektiven in unsere Gesellschaft einbringen will", so Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Kulturdezernentin und Vorstandsmitglied der LWL-Kulturstiftung. Die Förderstatistik der LWL-Kulturstiftung sei als Abbild einer allgemeinen kulturpolitischen Entwicklung zu lesen, das nicht nur den finanziellen Druck zeige, sondern auch Ausdruck der Stärke und Resilienz der Kulturschaffenden sei.
Festivals im Ruhrgebiet und der Hellweg-Region
Am 1. Mai startet eines der größten und ältesten Theaterfestivals Europas: Mit einem Kulturvolksfest mit Musik, Tanz, Performance, Walking-Acts, Zirkus und Mitmachangeboten beginnt die mehrwöchige Spielzeit der "Ruhrfestspiele" in Recklinghausen. Zur 80. Ausgabe des als immateriellen Kulturerbes ausgezeichneten Festivals erhalten die Ruhrfestspiele Recklinghausen erstmalig 89.500 Euro von der LWL-Kulturstiftung.
Im Mai lädt das Projekt "Jenseits der Grenzen: Figurentheater & Migration" von Deutsches Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst e.V. aus Bochum zum internationalen Figurentheaterfestival "Fidena". Im Mittelpunkt stehen drei internationale Produktionen, die neue positive Erzählweisen zum Thema Migration präsentieren. Auch Forschung und Kulturvermittlung spielen dabei eine große Rolle, etwa in Kooperation mit den Universitäten Bochum und Bielefeld sowie dem LWL-Römermuseum in Haltern. Mit 28.000 Euro fördert die LWL-Kulturstiftung das Festival.
Von 29. Mai bis 13. Juni lädt das Festival "Blaues Rauschen" mit Konzerten, Performances und Installationen dazu ein, digitale Soundexperimente und elektronische Musik zu erleben. Der in Essen ansässige Verein open systems e.V. öffnet mit Workshops und Vorträgen Diskursräume über die Beziehungen von Mensch und Maschine, Analogem und Digitalem. Für die Umsetzung an westfälischen Spielorten unter anderem Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen, Herne und Witten unterstützt die LWL-Kulturstiftung das Projekt mit 22.000 Euro.
Im Herbst präsentiert die neunte Ausgabe des Festivals "Nacht der Lichtkunst" Kunstwerke international renommierter Lichtkünstlerinnen und -künstler aus Museen und Sammlungen an öffentlichen Plätzen, in Kirchenräumen und historischen Gebäuden. In dieser Edition weiten die Organisatoren von HELLWEG - ein LICHTWEG e.V. mit Sitz in Münster die Laufzeit über das übliche Wochenende auf mindestens zehn Tage aus und bieten zusätzlich Führungen als "Lichtreisen" in der Region an. 20.000 Euro erhält der Verein dafür von der LWL-Kulturstiftung.
Fünf Veranstaltungsreihen
Traditionelle Sagen und Legenden aus dem Münsterland sammelt und präsentiert die Stiftung Kunst und Kultur Münsterland aus Greven (Kreis Steinfurt) in dem Projekt "Schlossgespenst und Gräftengeist". Ausgewählte Erzählungen werden als Bühnenprogramm an authentischen Orten wie Burgen und Schlössern gezeigt, als Hörspiele und Podcasts digital erfahrbar und in einer Publikation zeitgemäß illustriert. Das interdisziplinäre Projekt, das ab 2026 startet, unterstützt die LWL-Kulturstiftung mit 30.000 Euro.
Zum 100. Geburtstag des westfälischen Komponisten Hans Werner Henze (1926-2012) lädt das Institut für Kulturarbeit der Stadt Recklinghausen im Frühjahr zu einer Konzert- und Veranstaltungsreihe ein. Unter dem Titel "Henze Einhundert" beleuchten 15 Veranstaltungen unter anderem in Bottrop, Gelsenkirchen und Münster verschiedene Schwerpunkte aus dem Werk des Komponisten, das im Kontext seiner Zeit, seiner künstlerischen Einflüsse und seiner gesellschaftspolitischen Bezüge präsentiert wird. Mit 46.100 Euro fördert die LWL-Kulturstiftung das Projekt und würdigt damit auch den Namensgeber des LWL-Musikpreises.
Der Verein Cooperativa Neue Musik e.V. aus Bielefeld präsentiert unter dem Titel "Verwandelte Räume" im Sommer unter anderem in Bad Meinberg (Kreis Lippe, 21. bis 30. August) und Vlotho (Kreis Herford, 18. bis 27. September) Installationen aus Klang, Licht, Projektionen und Objekten. In einer interaktiven Gesamtinszenierung werden Leerstände zu temporären Kunst- und Erfahrungsräumen mit Live-Performances aus Musik, Tanz, Text und Bildender Kunst mit begleitenden Vermittlungsangeboten. Gefördert wird das Projekt mit 18.000 Euro.
In "zeitgeisty. The Echoes of Ecology" lädt der Verein Bunker Ulmenwall e.V. aus Bielefeld ab September zu einem Bühnenprogramm mit Lesungen, Live-Musik und moderierten historischen Einordnungen über kritische Naturgeschichten von 1962 bis 2000 ein. An verschiedenen Orten wie Gütersloh, Lüdinghausen (Kreis Coesfeld) und Versmold (Kreis Gütersloh) widmen sich vier thematische Blöcke den Ursprüngen des Umweltschutzes, ökologischen Utopien, Anti-Atom- und Klimadebatten sowie ökologischen Philosophien. Ein digitales Mapping und eine Hörreise ergänzen das Projekt. Die LWL-Kulturstiftung fördert es mit 17.400 Euro.
Die Gesellschaft der Musik- und Theaterfreunde Münsters und des Münsterlandes e.V. verknüpft im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Stadt.Land.Bühne / Junge Bühne Münsterland" zwei bestehende Netzwerke. Mit insgesamt 30 Veranstaltungen bauen die Projektverantwortlichen von "Stadt. Land. Bühne" und "Junge Bühne Münsterland" das regionale Kulturnetzwerk von Kunstschaffenden, Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürgern aus. Die Kombination aus Veranstaltungen für eine junge Zielgruppe und weiteren Formaten wie eine Kreativkonferenz und die Teilnahme am NRW-Kinder- und Jugendtheaterfestival "Westwind" in Münster unterstützt die LWL-Kulturstiftung mit 37.700 Euro.
Museale Projekte
Die Ausstellung "Reiselustig. Unterwegs mit dem Hasen Felix" lädt ab Ende März (28. März bis 13. September) Familien zu einer kreativen Entdeckungsreise durch sechs Themenräume ins LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster ein. Kunstwerke und Mitmachstationen verbinden Spaß, Wissen und Kulturgeschichte. Felix, der beliebte Stoffhase aus Münster, begleitet Kinder dabei durch abwechslungsreiche Welten. Workshops, Ferienaktionen, Familienfeste, interaktive Materialien und ein Mitmachheft ergänzen die Ausstellung, die von der LWL-Kulturstiftung mit 10.000 Euro gefördert wird.
Ab Juli macht die Ausstellung "Migration in OWL nach 1945" vom Mindener Museum Station in Paderborn, Minden, Büren und Bielefeld. Die Gesellschaft zur Förderung des Mindener Museums e.V. entwickelt in Zusammenarbeit mit den Universitäten Bielefeld und Paderborn sowie migrantischen Organisationen am jeweiligen Ausstellungsort ein spezifisches Begleitprogramm mit Workshop oder einer Erzählwerkstatt. Ein Ausstellungsmagazin ergänzt zudem durch Interviews von Menschen mit Migrationsgeschichte die historischen Einordnungen der Wanderausstellung. Die LWL-Kulturstiftung vergibt dafür 15.000 Euro.
Ab Ende November lädt die Ausstellung "Tiere. Geliebt & gejagt" (27. November 2026 bis 18. April 2027) im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster dazu ein, die besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier neu zu betrachten: durch die Augen der Kunst - zwischen Nähe und Distanz, Bewunderung und Beherrschung, Zuneigung und Zweck. Werke vom 16. bis zum 21. Jahrhundert unter anderem von Albrecht Dürer, Franz Marc oder Louise Bourgeois treten in einen Dialog mit naturwissenschaftlichen Präparaten und zeitgenössischen Interpretationen. Mit 400.000 Euro fördert die LWL-Kulturstiftung die Ausstellung.
Das Museum Relígio in Telgte (Kreis Warendorf) präsentiert im Frühjahr 2027 in der Sonderausstellung "Chaim. Jüdische Lebenswelten" wirtschaftliches und religiöses Leben jüdischer Menschen insbesondere in ländlichen Regionen Westfalens. Verfolgung und Neuanfang nach 1945 oder die Vielfalt jüdischer Identitäten heute sind Themen der Schau. Eine ergänzende Wanderausstellung, die unter anderem in Ahlen (Kreis Warendorf), Bielefeld, Dorsten (Kreis Recklinghausen) und Hamm zu sehen sein wird, und ein Begleitprogramm sind Teil des Projektes, das die LWL-Kulturstiftung mit 50.000 Euro unterstützt.
Das LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne widmet sich ab Frühjahr 2028 in der großen Sonderausstellung "Burgen in Nordrhein-Westfalen" den mehr als 2.000 Burgen, die die westfälische und rheinische Kulturlandschaft prägen. Archäologische Funde und kulturhistorische Exponate, ergänzt um interaktive Stationen und einen digitalen Atlas verdeutlichen Entwicklung, Funktion, Nachnutzung und Zerstörung. Die LWL-Kulturstiftung fördert die Ausstellung mit 350.000 Euro.
Das LWL-Museumsamt will ab Herbst 2026 im Rahmen des Pilotprojekts "Stärkung der Relevanz von Museen in Krisenzeiten" neue Förder- und Entwicklungsmöglichkeiten für Museen in ländlichen und postindustriellen Räumen erproben und die institutionsübergreifende Zusammenarbeit stärken. Beteiligt sind in der ersten zweijährigen Initiierungsphase zunächst zwölf Partnermuseen, die durch neue Formate den gesellschaftlichen Wandel mitgestalten und die Relevanz von Museen stärken wollen. Mit 500.000 Euro wird das Projekt von der LWL-Kulturstiftung gefördert.
Weitere Informationen zu allen Förderprojekten sowie einen Kalender mit Veranstaltungen der unterstützten Vorhaben bietet die neue Internetseite: http://www.lwl-kulturstiftung.de
Hintergrund
Seit 2004 hat die LWL-Kulturstiftung als selbstständige private Stiftung bürgerlichen Rechts mehr als 500 Projekte mit rund 46 Millionen Euro unterstützt, darunter Vorhaben von Einrichtungen des LWL sowie Projekte anderer. Seit 2021 ergänzt die Stiftung ihre Fördertätigkeit mit inhaltlichen Sonderprogrammen zu aktuellen und kultur- und gesellschaftsrelevanten Schwerpunkten. Im Fokus stehen für alle Förderungen spartenübergreifende Netzwerkprojekte aus den Bereichen Bildende Kunst, Musik, Theater, Tanz, Literatur, Film und landeskundliche Forschung. Mit ihren Förderungen stärkt die LWL-Kulturstiftung Kunst und Kultur in Westfalen-Lippe, unterstützt Kooperationen und schafft kulturelle Mehrwerte in der und für die Region.
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Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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