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23.01.26 | Kultur "Gutes Gedenken findet im Nahbereich statt"

LWL-Historiker zu Gedenktagen

Prof. Dr. Malte Thießen, Chefhistoriker des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL)<br>Foto: LWL

Prof. Dr. Malte Thießen, Chefhistoriker des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL)
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Achtung Redaktionen: O-Töne von Malte Thießen und mehr Hintergrund zu Gedenken in der Region finden Sie hier: https://scomp.ly/lwl-gedenken-p
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Gern vermitteln wir Ihnen auch einen Gesprächspartner oder eine Gesprächspartnerin zu den Beispielen in den psychiatrischen Kliniken des LWL.

Münster (lwl).
Der Chefhistoriker des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Prof. Dr. Malte Thießen, hat vor einem "Gedenken-Leerlauf" gewarnt. Rituale wie jährliche Kranzniederlegungen an ausgewählten Stätten könnten sich immer mehr abnutzen. Thießen: "Gedenken darf nicht zur Routine werden."

Gutes Gedenken erfülle nach seiner Ansicht drei Bedingungen, so Thießen weiter. Gedenken finde im Nahbereich statt, es schaue aus unterschiedlichen Perspektiven auf ein Ereignis und lade zum Austausch und Mitmachen ein.

"Verbrechen direkt vor die Haustür legen"
Als Beispiel nannte der Leiter des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte in Münster die Stolpersteine, eine Aktion des Künstlers Gunter Demnig, der 1996 begonnen hatte, bundesweit Gedenksteine im Pflaster vor den ehemaligen Wohnungen von NS-Opfern zu verlegen, die von den Nazis vertrieben oder in Konzentrationslagern ermordet worden sind. "Ich bin nach wie vor ein Fan dieser Stolpersteine: Sie leisten gutes Gedenken, weil sie das monumentale Verbrechen der Mordaktionen in den fernen Konzentrationslagern wieder zu uns holen und uns direkt vor die Haustür legen."

Mutig finde er auch den Tiktok-Kanal der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Thießen: "Die gehen dahin, wo ihr Publikum ist, die Schülerinnen und Schüler, und haben mit denen Aktionen in den Sozialen Medien gemacht." Nur auf Feiertagsreden und Schulausflüge zu setzen habe nicht mehr gereicht, die jüngere Generation wolle mitmachen und mitgestalten. "Gedenken muss heute dahin gehen, wo man es nicht vermutet, sonst bleibt es immer in denselben Kreisen."

"Verantwortung annehmen"
Die Bedeutung von Gedenken hebt der Direktor des LWL hervor. "Der LWL nimmt seine gesellschaftliche Verantwortung an", sagt Dr. Georg Lunemann. "Wir erleben seit einigen Jahren die Verharmlosung der Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und der NS-Diktatur. Gerade aber die Mordaktionen in unseren eigenen Einrichtungen sind beispielhaft für einen schmerzlichen Teil unserer Geschichte, dem wir uns stellen müssen - mit Blick auf die NS-Zeit, aber auch mit Blick auf Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit heute."

"Der Totalitätsanspruch der NS-Diktatur wurde sichtbar in alltäglicher Ausgrenzung und Gewalt gegenüber Juden, gegen politisch Andersdenkende, gegen Menschen mit Behinderungen, gegen psychisch Kranke und gegen all jene, die nicht in die sogenannte 'Volksgemeinschaft' passten", so Lunemann weiter.

Dr. Georg Lunemann, der Direktor des LWL<br>Foto: LWL / Kapluggin

Dr. Georg Lunemann, der Direktor des LWL
Foto: LWL / Kapluggin

Pressekontakt

Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

presse@lwl.org

Der LWL im Überblick

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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