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20.01.26 | Psychiatrie "Worte sprechen den Intellekt an, Klänge die Gefühle"

Klangschalentherapie im LWL-Klinikum KJP Marl-Dortmund

Sandra Wormland setzt unterschiedliche Klangschalen ein.<br>Foto: LWL / Seifert

Sandra Wormland setzt unterschiedliche Klangschalen ein.
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Marl (lwl). Wer die Eltern-Kind-Einheit in der Marler Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) betritt, ist direkt im Geschehen. Junge Patient:innen spielen im Wohnzimmer miteinander oder mit ihren Bezugspersonen. In der kleinen Küche wird gekocht oder gebastelt. Dass es da nicht immer mucksmäuschenstill sein kann, liegt auf der Hand. Und trotzdem gelingt es Sandra Wormland in ihrem Raum auf der Station immer wieder eine Atmosphäre der Ruhe und Entspannung herzustellen, sowohl für die Jungen und Mädchen als auch für die Erwachsenen. Und das ist wichtig. Denn die oftmals noch sehr jungen Kinder sind aufgrund psychischer Erkrankungen hier und das betrifft auch ihre Bezugspersonen. Entspannung ist da für beide Seiten häufig eher ein Fremdwort. Wormlands "Zauberinstrumente" sind unterschiedlich große Klangschalen, die sie auf den Körper der kleine Patient: innen setzt und mittels eines Schlägels zum Klingen bringt.

"Worte sprechen den Intellekt an, Klänge die Gefühle", so beschreibt die Klangschalen-Therapeutin den Effekt der Klangschalen, "Schon im Mutterleib hören wir Laute, die uns entspannen und unser Urvertrauen stärken können. Die Klangschalen helfen unserem Körper, sich an dieses Gefühl zu erinnern. Dabei reicht es schon aus, wenn eine Klangschale in einem Raum angeschlagen wird." 432 Herz, also eine tiefe, warme Tonqualität wirken entspannend auf die Patient:innen, weiß die 49-Jährige aus ihrer Erfahrung.

Eine Stunde bei Sandra Wormland kann damit beginnen, dass die jungen Patient:innen selbst Klangschalen anschlagen. Sie erleben, wie das Wasser in einer Schale förmlich zu tanzen beginnt oder wie eine mit Nudeln gefüllte Schale klingt. Nach diesen Erfahrungen strecken sie sich auf einem großen Kissen aus. Dann legt die Klangschalen-Therapeutin eine oder mehrere Resonanzschalen auf unterschiedliche Körperregionen auf und bringt sie zum Klingen. Man merke direkt an der Atmung, wie die Kinder zur Ruhe kommen, so die Erzieherin. Während unterschiedliche Klänge ertönen, beginnen die Kinder häufig von ihren Gefühlen zu erzählen. Das ist eine wertvolle Ressource für die Therapie.

Die anwesenden Eltern können sich ebenfalls für eine Sitzung melden. Auch hier gebe es viele positive Rückmeldungen, wie die eines Vaters: "Nach der Sitzung konnte ich endlich mal wieder durchschlafen!" Selbst bei Rückenschmerzen und Migräne hat der besondere Klang schon geholfen.

In Elterngruppen lernen die Teilnehmenden unter anderem, sich zu entspannen, wenn der Klang ertönt, und dieses Gefühl mit in bestimmte Alltagssituationen zu nehmen. Zu guter Letzt bietet Sandra Wormland in regelmäßigen Abständen Gruppen an, in denen Eltern und Kinder gemeinsam mit Klangschalen experimentieren und sich so quasi gegenseitig "behandeln". "Das ist ein wertvolles Erlebnis für alle", so die Erzieherin, "hier erfahren Kinder und Erwachsene Selbstwirksamkeit und stärken ihre Bindung zueinander."



Hintergrund
Die Eltern-Kind-Einheit (EKE) "Kunterbunt" bietet professionelle Hilfe für psychisch erkrankte Mädchen und Jungen im Alter von sechs Monaten bis acht Jahren. Dabei wohnen die jungen Patient:innen während der Behandlung gemeinsam mit einem Elternteil in einem eigenen Appartement auf der Station.

Die Kinder erleben, wie das Wasser in einer Schale förmlich zu tanzen beginnt oder wie eine mit Nudeln gefüllte Metallschale klingt.<br>Foto: LWL / Seifert

Die Kinder erleben, wie das Wasser in einer Schale förmlich zu tanzen beginnt oder wie eine mit Nudeln gefüllte Metallschale klingt.
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Auch kleine Resonanzschalen können heilsame Töne erzeugen.<br>Foto: LWL / Seifert

Auch kleine Resonanzschalen können heilsame Töne erzeugen.
Foto: LWL / Seifert

Pressekontakt

Kerstin Seifert, LWL-Klinikum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Marl-Dortmund - Haardklinik, Tel.: 02365/802-2126, E-Mail: kerstin.seifert@lwl.org und Thorsten Fechtner, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235

presse@lwl.org

Der LWL im Überblick

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

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