02.12.22 | Kultur Endspurt beim digitalen Artensammeln
Letzter Aufruf für Bioblitz 2022 - Flechten entdecken
Cladonia pocillum wurde in Lengerich gefunden.
Foto: Helga Bültmann
Es gibt etwa 16.000 verschiedene Flechtenarten. 2.000 davon in Deutschland und etwa 1.000 in NRW. Flechten sind Lebensgemeinschaften, die eine hochentwickelte Symbiose zwischen Pilzen und photoautotrophen Organismen (Algen oder Cyanobakterien) bilden. Äußerlich sieht man ihnen diese besondere Doppelnatur jedoch nicht an. Von den heimischen Flechten werden mehr als die Hälfte laut der Roten Liste als gefährdet eingestuft.
Im Rahmen des Bioblitzes sollen naturinteressierte Menschen ihre Flechten-Beobachtungen in der Smartphone-App "ObsIdentify" speichern oder auf der internationalen Internet-Plattform Observation.org eintragen. Dadurch nehmen alle automatisch am Bioblitz 2022 teil und tragen zur Erforschung der Flechten und der biologischen Vielfalt allgemein bei.
Laut Flechtenkundlerin Dr. Helga Bültmann sind Flechten richtige Überlebenskünstler: "Beim Austrocknen werden Flechten inaktiv und können diese Phase lange überleben, bis wieder Wasser in Form von Luftfeuchtigkeit oder Niederschlag verfügbar ist." Bültmann ist eine der gefragtesten Flechtenexpertinnen in Europa. Flechten sind als Bioindikatoren für die Luftqualität und neuerdings auch für den Klimawandel etabliert.
Die Flechtenkundlerin gibt einen Tipp zur Bestimmung: "Manche Arten können nur unter dem Mikroskop oder mithilfe chemischer Analysen identifiziert werden. Aber es gibt auch gut erkennbare Arten, die man zum Beispiel mithilfe von ObsIdentify bestimmen kann. So ist beispielsweise die stickstoffliebende gelbe Blattflechte 'Xanthoria parietina' häufig zu finden und gut erkennbar mit ihren orangen Fruchtkörpern."
Durch die automatische Foto-Bestimmungsfunktion der App kann jeder auch ohne Artenkenntnis am Bioblitz teilnehmen. Die Daten können bei jedem Spaziergang durch die Natur, im eigenen Garten oder bei Aktionen der regionalen Partner des Bioblitzes gesammelt werden. Zum Beispiel bietet die Artenakademie des LWL-Museum für Naturkunde in Zusammenarbeit mit der Stiftung Münster der Sparda-Bank West Exkursionen an: Eine Exkursion mit Dr. Helga Bültmann wird es am Samstag (3.12) um 10 Uhr am LWL-Museum für Naturkunde geben.
Weitere Informationen unter:
http://www.bioblitze.lwl.org | https://observation.org/
Interessierte finden die Ergebnisse der Bioblitze 2022 hier:
https://observation.org/bioblitz/categories/d-landkreise-und-kreisfreie-stadte-2022
Fragen beantwortet:
germany@observation.org
Caloplaca_flavescens.
Foto: Helga Bültmann
Tephromela atra an einer Mauer im Kloster Gravenhorst.
Foto: Helga Bültmann
Xanthoria_parietina gefunden an einer Rosskastanie.
Foto: Helga Bültmann
Pressekontakt
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Bianca Fialla, LWL-Museum für Naturkunde, Telefon: 0251 591-6066
LWL-Museum für Naturkunde
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