30.08.22 | Psychiatrie Rotary Club Brilon Marsberg besucht LWL-Friedhof
LWL-Kinikum Marsberg: Kooperation geplant
Der Eingang zum historischen Friedhof des LWL-Klinikums Marsberg.
Bild: LWL/Hollwedel
Ein drei mal drei Meter großes schwarzes Quadrat aus 8 cm starkem Stahl-Rechteckrohr umrahmt und betont den Eingang zum Friedhof. Er trägt die Inschrift: "Hier und da, 1940 - 2004". Die von der Bildhauerin Astrid Raimann gestaltete Installation ist im Sinne von Konzeptkunst keine Arbeit, die als Kunstwerk für sich steht, sondern findet ihren Sinn in der Wirkung, die sie auf die Wahrnehmung der Besucher:innen ausübt. Die Aufmerksamkeit soll auf den Moment des Übergangs gelenkt werden. Man durchschreitet die Grenze zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Lebenden und Toten, Gesunden und Kranken, "Normalen" und "Verrückten", denen, die dazugehören, und den "Lebensunwerten". Diese besondere Stimmung fühlten auch die 15 anwesenden Rotarier. "Die Waldatmosphäre hat etwas Verwunschenes und steht in krassem Kontrast zu den Biografien der hier beerdigten Kinder", sagte Rörig. "Wir vom Rotary Club Brilon Marsberg möchten uns gerne einbringen, damit dieser Ort seine Geschichte erzählen kann."
Julia Hollwedel, Beauftragte für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der LWL-Einrichtungen Marsberg, gab eine kurze historische Einführung: "Im Nationalsozialismus wurde eine Abteilung des St. Johannes-Stifts, Vorgänger des LWL-Klinikums Marsberg, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie des LWL-Wohnverbundes Marsberg zu einer "Kinderfachabteilung" des "Reichsausschusses zur wissenschaftlichen Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden." In den folgenden Monaten wurden dort etwa 50 Kinder und Jugendliche durch die überdosierte Gabe von Medikamenten gezielt betäubt und getötet." Dazu seien regimetreue Schwestern, die sogenannten "braunen Schwestern", von Berlin nach Marsberg gekommen. "Wegen Unruhen in der Bevölkerung wurde 1941 die "Fachabteilung" in Marsberg geschlossen und nach Dortmund-Aplerbeck verlegt", sagt sie. Der Anstaltsfriedhof gehöre zu den ganz wenigen Gedenkstätten mit erhaltenen Gräbern.
Die Rotarier waren sichtlich bewegt. Astrid Schmidt, stellvertretende Ärztliche Direktorin im LWL- Therapiezentrum für Forensische Psychiatrie und Rotarierin, sagte: "Gerade in unseren bewegten Zeiten sind solche Gedenkorte wichtig. Wir entwickeln derzeit pädagogische Konzepte, um unsere Patienten auf freiwilliger Basis miteinzubeziehen. Das Interesse bei den jungen Menschen ist vorhanden."
Hintergrund
Gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern wie die Technische Hochschule OWL, den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sind die LWL-Einrichtungen Marsberg dabei, den Friedhof durch Projekte umzugestalten und wieder mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken.
Pressekontakt
Julia Hollwedel, LWL-Klinikum Marsberg, Telefon 02992 601-1303, julia.hollwedel@lwl.org und Thorsten Fechtner, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 20.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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