03.02.22 | Kultur "26 Objekte aus Haus 26"
LWL-Publikation zur psychiatriegeschichtlichen Sammlung der LWL-Klinik Warstein
Der LWL hat jetzt das Buch "26 Objekte aus Haus 26" herausgegeben.
Foto: LWL
Neben einem reich bebilderte Objektteil beschäftigen sich vier Aufsätze mit der Fachgeschichte der Psychiatrie in Westfalen, mit fotografischen Zeugnissen des Alltagslebens in und um Warstein, mit den historischen Verwaltungsstrukturen der westfälischen Psychiatrien und der Beteiligung an den "Euthanasie"-Verbrechen sowie mit der großen archivalischen Überlieferung aus den Vorläufereinrichtungen der heutigen LWL-Klinik.
Der Band ging aus einem zweijährigen Kooperationsprojekt hervor. Neben dem LWL-Museumsamt haben das LWL-Medienzentrum, das LWL-Institut für Regionalgeschichte und das LWL-Archivamt das Thema bearbeitet. "Die Beiträge zeigen, dass verschiedene Herangehensweisen einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation und Erforschung der Geschichte Westfalens leisten. Erst in der Gesamtschau ergibt sich daraus ein vollständiges Bild", so LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.
"Die mehr als 100-jährige Geschichte und Gegenwart der Klinik ist eng mit sozialen, konfessionellen, kommunalen, geografischen und infrastrukturellen Aspekten der Region um Warstein verbunden. Für die Stadtgesellschaft hat die 'Anstalt', wie sie bei der Eröffnung 1905 hieß, von Anfang an einen wichtigen Bezugspunkt dargestellt", so Annette Allerheiligen, die das Buch konzipiert und redaktionell betreut hat. "Das heißt, dass die westfälischen Psychiatrien immer eng mit den Gegebenheiten am jeweiligen Standort verknüpft waren. Psychiatriegeschichte weist somit weit über eine medizinische Fachhistorie hinaus."
"Keine medizinische Disziplin wurde so intensiv durch den jeweils vorherrschenden Zeitgeist beeinflusst wie die Psychiatrie. Wie die Geschichte gezeigt hat, braucht es neben der Wissenschaftlichkeit immer auch einen ethischen Kompass", sagt LWL-Gesundheitsdezernent Prof. Dr. Meinolf Noeker. "Was 'gute' Psychiatrie ist, lernen wir nicht zuletzt aus unserer Geschichte. Es ist also ein Glücksfall, dass der LWL eine starke Kulturabteilung und einen starken PsychiatrieVerbund hat. Aus den Schnittstellen können genau solche gewinnbringenden Projekte hervorgehen, wie dieser Band sie dokumentiert."
LWL-Museumsamt für Westfalen (Hgg.):
26 Objekte aus Haus 26.
Einblicke in die psychiatriegeschichtliche Sammlung der LWL-Klinik Warstein.
Münster 2021,107 S., zahlreiche Abbildungen. 15,00 Euro
ISBN 978-3-927204-96-6
Übersichtskarte der "Anstalt" in Warstein von 1909 - zahlreiche historische Gebäude sind bis heute erhalten.
Foto: Mathias Lehmann, Soest
In vielen psychiatrischen Einrichtungen wurden ab den 1950er Jahren interne Wertmarken, sogenanntes "Anstaltsgeld", eingeführt.
Foto: Mathias Lehmann, Soest
Elektrokrampfgeräte wie dieses wurden für die Schocktherapie mit Stromstößen verwendet.
Foto: Mathias Lehmann, Soest
Pressekontakt
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 20.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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